Landlust : Ein Bett im Kornfeld

Wenn etwas so gut läuft, bleibt das in der Medienbranche nicht lange unbemerkt. Sat 1 will mit einem neuen Magazin den Erfolg der Zeitschrift "Landlust" ins Fernsehen übertragen.

Christian Helten
Kleidchen und Stallgeruch. Miriam Pielhau bezeichnet sich zwar als "bekennende Großstadtgöre", für Sat 1 räkelt sie sich aber auch auf Heuballen.
Kleidchen und Stallgeruch. Miriam Pielhau bezeichnet sich zwar als "bekennende Großstadtgöre", für Sat 1 räkelt sie sich aber auch...Foto: Sat 1/Stephan Pick

Man weiß nie, wozu ein umfassendes Wissen über Basilikum gut sein kann. Der Moderatorin Miriam Pielhau brachte es einen Job. Ab heute Abend darf Pielhau die Zuschauer von Sat 1 an vier Sonntagen durch die Magazinsendung „… ins Grüne!“ führen, weil sie beim Casting Anekdoten über ihre Basilikum-Zuchtmethoden zum Besten gab. „Danach war allen klar, dass mich die Sendung wirklich interessiert“, sagt Pielhau. Sicher dürfte auch das Äußere der Moderatorin bei der Auswahl eine Rolle gespielt haben, aus Sendersicht. Auf Pressefotos jedenfalls räkelt sich die 35-Jährige, die sich unter anderem als Frontfrau bei „Big Brother“ einen Namen gemacht hat, in luftigen Kleidchen und wenig natürlicher Pose auf Gartenbänken oder Heuhaufen – als zielte Sat 1 auch auf Männerfantasien ab, die sonst eher der „Jungbäurinnenkalender“ bedient. Privatfernsehen muss sexy sein, selbst wenn es Landleben zeigt.

Sat 1 bezeichnet sein neues Format als „Stadt-Land-Lust-Magazin“. Es soll sich für den Zuschauer anfühlen wie ein Sonntagsausflug aufs Land: raus in die Natur, in die Parks und Gärten, durch Blumenduft und Stallgeruch, ganz ohne sich von der Couch erheben zu müssen. „Wir sind immer erreichbar, haben internetfähige Handys – in unserem Leben gibt es keine Auszeiten mehr“, sagt Pielhau. „Da suchen die Leute Ruhe bei Ausflügen aufs Land.“ Die Moderatorin schwärmt von den Dreharbeiten. „Traumhaft schön“ sei es gewesen im herbstlichen Pfarrgarten der Dorfkirche von Saxdorf, einem Ort im Süden Brandenburgs. Ein Maler und der Pfarrer pflegen den 10 000-Quadratmeter-Garten seit mehr als 40 Jahren. Andere Beiträge der 60-minütigen Sendung befassen sich mit Kletterern im Elbsandsteingebirge, einem Bio-Käser aus Schleswig-Holstein, der seine 40 Kühe beim Namen kennt, und einer Köchin, die Hausmannskost nach Rezepten ihrer Mutter auftischt. „Countrytainment“, so nennt man das im Branchen-Sprech.

Sat 1 springt mit seinem neuen Magazin als erster Fernsehsender auf einen Zug auf, der in den vergangenen Jahren im Print-Bereich an Fahrt aufgenommen hat, vorangetrieben von Ute Frieling-Huchzermeyer, Chefredakteurin von „Landlust“. Das Magazin ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Der Landwirtschaftsverlag aus Münster brachte „Landlust“ 2005 auf den Markt. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hatte seit Jahren abgenommen. Damit war die Kernzielgruppe des Verlags geschrumpft, der bis dahin mit Titeln wie „Top Agrar“ oder „Milchrind“ sein Geld verdient hatte. „Landlust“ sollte ein neues Publikum erreichen, Leute, die auf dem Land leben oder sich danach sehnen, die im Garten Kohl und Kürbisse züchten und sich an Bildstrecken über Asterngärten und Reportagen über den Landpostboten erfreuen. „Die Sehnsucht nach Natur und Landleben hat es immer gegeben“, sagt Frieling-Huchzermeyer. Dass ihr Heft schon nach einem Jahr eine Auflage von 100 000 Exemplaren erreichte, hat aber auch sie überrascht. Dieses Jahr hat das Magazin im Vergleich zum Vorjahr seine Auflage fast verdoppelt, im zweiten Quartal 2010 wurden mehr als 700 000 Hefte verkauft. Das sind Sphären, in die sonst nur Magazine wie „Stern“ oder „Spiegel“ vordringen.

Wenn etwas so gut läuft wie „Landlust“, bleibt das in der Medienbranche nicht lange unbemerkt. In den Kioskregalen reihten sich schnell Zeitschriftentitel wie „Land Leben“, „Liebesland“ oder „Landidee“ neben „Landlust“ ein.

Nun eine Art Landlust also auch im Privatfernsehen, „… ins Grüne!“. Im Trailer schleudert ein Mann in Lederhosen Heuballen durch die Gegend, ein Schuppen wird zum fliederfarbenen Rückzugsort umgebaut. Mittendrin: Miriam Pielhau. Der Tonfall dürfte ein anderer sein als beim Print-Vorreiter „Landlust“, der Pflanzenarten bis ins kleinste Detail erklärt und die Vorzüge von Komposthaufen zersetzenden Pilzen ausbreitet. Am Ende des TV-Trailers verabschiedet sich Miriam Pielhau mit den Worten: „Bis dahin, Ihre Unschuld vom Lande.“

„… ins Grüne!“, Sat 1, 19 Uhr

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