Medien : Leben ist Kunst

Spannend und unelitär: das neue Heft „Brigitte Kultur“

Matthias Kalle

Der eigentliche Unterschied ist doch: Frauen, im Gegensatz zu Männern, wollen die Welt verstehen und die Dinge des Seins begreifen. Ihre Interessen sind vielfältig, ihr Horizont weit, ihr Durst nach Information scheinbar maßlos. Männer hingegen fühlen sich ja oftmals schon dann hinreichend informiert und gut unterhalten, wenn man ihnen einen politischen Witz erzählt. Und so kommt es dann auch, dass sich die Frau vom Mann gelangweilt fühlt und weil das so ist, greift sie in ihrer Verzweifelung zu Frauenzeitschriften.

Seit Jahrzehnten mit die spannendste unter den Frauenzeitschriften ist „Brigitte“, was vor allem schlicht daran liegt, dass gute Journalisten gute Geschichten machen. Seit vergangenem Jahr ist Andreas Lebert der Chef dieser guten Journalisten, und Lebert machte jetzt zusammen mit ihnen das Sonderheft „Brigitte Kultur“. Das erfordert Mut in Zeiten wie diesen, in denen die Verlage sparen, wo sie nur können, aber der Mut von Gruner + Jahr wurde belohnt, denn auch „Brigitte Kultur“ ist ein spannendes Heft geworden. Spannend vor allem deshalb, weil die Kultur hier nicht losgelöst vom Menschen analysiert, sondern als Bestandteil des Lebens beschrieben wird: Iris Berben und der Moderator Steffen Seibert verfassen ihren kulturellen Lebenslauf, Bestsellerautor Stefan Klein beschreibt, was der Konsum von Kultur mit unserem Körper macht. Das Heft versucht, Fragen zu beantworten, deshalb ist es nicht elitär, und es versucht zu helfen, dafür gibt es das „Dossier“ der „Brigitte“, hier mit dem Thema „Entdecken Sie Ihr Talent“.

Der Macher Andreas Lebert hat sein Talent entdeckt, es liegt im Erfinden. Lebert erfand das „SZ- Magazin“ und die „SZ“-Jugendbeilage „jetzt“, das „Leben“ in der „Zeit“, und einmal sollte er den „Stern“ neu konzipieren, als Stellvertreter des damaligen Chefredakteurs Werner Funk, aber das hat nicht funktioniert.

„Brigitte Kultur“ funktioniert, die Geschichten auf den 124 Seiten langweilen selten, vielleicht die über den Aktionskünstler HA Schult. In einem Gespräch mit der Moderatorin Sandra Maischberger sagte Lebert einmal: „Ich finde, es ist ein Verbrechen, langweilig zu sein.“ Kommt ja leider auch viel zu selten vor: Ein Mann, für den es eine Strafe ist, die Frauen zu langweilen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar