Medien : Liebe, Leid, Lametta

„Weihnachten“ - Tragikomödie von „Kleingeld“-Regisseur Bochert

Thomas Gehringer

Je näher Heiligabend rückt, desto mehr häufen sich die Geschenke – und die Familien-Katastrophen. „Weihnachten wirkt wie eine Lupe, unter der die Konflikte stärker hervortreten“, sagt Marc-Andreas Bochert. Der 31-jährige Regisseur sorgte bisher mit Kurzfilmen für Furore, von denen „Kleingeld“ im Jahr 2000 sogar für den Oscar nominiert war. Nun legt die Nachwuchshoffnung seine erste Arbeit in Spielfilmlänge vor: die Tragikkomödie „Weihnachten“ (23 Uhr 45, ARD).

Lachen und Weinen liegen nah beieinander bei dieser wundersamen Anhäufung von Katastrophen in einem Kölner Mehrfamilienhaus: Da ist die Krankenschwester Esther, die erst von der Party ihres Ex-Freundes Peter ausgeladen und dann von ihrem neuen Lover Kai sitzen gelassen wird. Kai befindet sich zwar im Haus, steckt aber im Fahrstuhl fest – gemeinsam mit Peters neuer Flamme Katharina, die rasend vor Eifersucht das Weite suchen wollte. Peter wiederum hetzt hinter Katharina her und landet irrtümlich im Zug nach Aachen. Das alles ist nichts im Vergleich zum Elend von Frau Maschke, deren Mann sich lieber mit seinem Kollegen in der Kneipe besäuft und deren Tochter Weihnachten nur gut findet, weil sie endlich ihre Spielekonsole aufrüsten kann. Und dann gibt es da noch die einsame Polizistin Tanja und den zum Judentum konvertierten Wolfgang, der von seiner resoluten Frau Mama heimgesucht wird. Der illustre Kreis schließt sich bei dem Voyeur von Gegenüber, der seine Nachbarn als Ersatz-Familie ansieht, ihr aber nicht zu nahe kommen möchte.

Bochert hat den Film kühl und ohne viele Zwischentöne inszeniert. So wirken die Figuren ein wenig künstlich und fremdartig, aber nicht skurril genug, um ihrer Einsamkeit mit einem befreienden Lachen beizukommen. Ein unkonventioneller, aber auch unentschlossener Film.

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