Medien : Literarisches Quartett: Die Sendung geht - die Bücher bleiben

Angela Misslbeck

Das "Literarische Quartett" hat einen kleinen Erben im ZDF-Programm: das Kulturmagazin "aspekte". "Es war klar, dass es zu Ende gehen würde. Diese Sendeformen sind endlich," sagt Fernsehexperte Bodo Franzmann von der Stiftung Lesen über die letzte Ausstrahlung des traditionsreichen "Literarischen Quartetts" heute abend im ZDF. Doch das ist noch lange nicht aller Literatursendungen Abend. Es übernimmt den Sendeplatz der Literatursendung mit Marcel Reich-Ranicki, die heute zum letzten Mal ausgestrahlt wird, und teilweise auch den Sendeauftrag des "Quartetts". Geplant ist, dass spätestens ab März 2002 in fast jeder Sendung ein Buch vorgestellt wird. In Buchläden soll außerdem regelmäßig "das aspekte-Buch" nominiert werden. Zusätzlich gibt es vier Mal jährlich "Das literarische Quartal" mit Belletristik-Tipps. "Wir wollen damit ironischen Bezug nehmen, ohne den Anspruch zu erheben, die Nachfolgesendung zu sein", sagt "aspekte"-Moderatorin Luzia Braun. Großen Wert legt sie auf die Zuschauerbeteiligung, zunächst im Internet, später eventuell per TED oder Telefon.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist seit 1998 die Anzahl der Beiträge zum Thema Literatur im deutschen Fernsehen um rund ein Drittel angestiegen (siehe Tabelle). Viele Literaturmagazine laufen allerdings in großen zeitlichen Abständen über die Bildschirme, und nicht eine einzige läuft zur besten Sendezeit. Am günstigsten platziert sind die wöchentlichen Sendungen der dritten Programme. Buchtipps gibt es darüber hinaus aber auch in fast allen Kulturmagazinen der Öffentlich-Rechtlichen mit unterschiedlicher Regelmäßigkeit. Und sogar in Sendungen einiger privater Programme. Da wird dann aber schon mal ein Kochbuch empfohlen statt hoher Literatur oder populärer Belletristik.

Vor Jahren versuchte RTL, mit Hilfe von Hans Joachim Kulenkampff Bücher an die Zuschauer zu bekommen - und scheiterte. Auch der auf dem Jugendsender MTV von Benjamin Stuckrad-Barre moderierte "Lesezirkel" wird am 20. Dezember zum letzten Mal ausgestrahlt. Einer aber kehrt zurück: Marcel Reich-Ranicki. Im Februar soll er eine Solosendung bekommen. Es geht nicht mehr nur um Bücher, sondern um Kultur im Allgemeinen.

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