Medien : Literarisches Quartett: Zurück zu den Büchern!

Joachim Huber

Heureka, sie haben sie gefunden. Iris Radisch wird Sigrid Löffler als ständiges Mitglied im "Literarischen Quartett" ersetzen. Bereits in der ZDF-Büchersendung am 18. August wird die Literaturkritikerin der "Zeit" neben Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek und dem Gast Elke Heidenreich sitzen. Radisch sagte dem Tagesspiegel zu ihren Motiven: "Ich traue mir zu, daran mitzuhelfen, dass das Quartett einen neuen Aufschwung erleben wird. Das Ziel kann nur sein - zurück zu den Büchern." Die differenzierte und intelligente Auseinandersetzung über anspruchsvolle Literatur müsse wieder ins Zentrum dieser "populären Sendung" gerückt werden. "Ich will für Bücher kämpfen, die ein breites Publikum finden sollen." Zu Sigrid Löffler, die sich aus der Kritikerrunde verabschiedet hatte, meinte Iris Radisch, sie habe ihre Tätigkeit im "Literarischen Quartett sehr geschätzt". Zur Sendung am 30. Juni, als der schwelende Streit zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler endgültig ins Persönliche hinüber lappte, wollte Radisch nichts sagen: "Ich habe die Sendung nicht gesehen". Sie unterstrich, sie habe ihr Ja von einer längerfristigen Fortsetzung des "Quartetts" im ZDF abhängig gemacht. "Ich wollte weder Lückenbüßerin sein noch an einer Beerdigung teilnehmen." Das "Quartett" sei bis Sommer 2001 terminiert. An der Konstellation und an der Dramaturgie der Sendung muss ihrer Ansicht nach nichts geändert werden. Weiterhin würden vier Kritiker über fünf Bücher besprechen, "die Vorschläge gehen an Reich-Ranicki, ehe in gemeinsamer Verständigung die Liste zusammengestellt wird".

Das ZDF verband das Lob für die eigene Sendung - "Hat sich viele Jahre um das Verständnis der Literatur und die Verbreitung des Buches verdient gemacht" - mit der verklausulierten Erwartung, dass "es darum auch in der Zukunft geht". Hellmuth Karasek wollte das nicht anders sehen. "Reich-Ranicki und ich, wir werden uns schon Gedanken über die Gewichtung machen, wir werden uns zurücknehmen müssen", sagte er dieser Zeitung. Nicht die Persönlichkeiten, sondern die Bücher müssten die Sendung dominieren. Karasek nannte Iris Radisch "eine sehr engagierte Literaturkritikerin, ein ähnliches Temperament wie Frau Löffler". Radisch sei keine Frau, die sich die Butter vom Brot nehmen ließe. Er sei sehr neugierig, wie "sie sich in der Quartett-Arena schlagen wird". Und alle Beteiligten müssten darauf achten, dass "die Sendung weiter gelingt".

Manfred Eichel, im ZDF zuständig für das "Literarische Quartett", hieß Iris Radisch "aus gleich mehreren Gründen eine Idealbesetzung: Sie kennt sich in der Literatur allerbestens aus". Dass sie mit Büchern und Autoren sehr differenziert und sehr originell umgehen könne, habe sie seit vielen Jahren fast allwöchentlich in der "Zeit" bewiesen. "Und schließlich hat sie ausreichend Fernseherfahrung." Die habe sie, so Eichel, als Jurorin bei den Ingeborg-Bachmann-Lesungen in Klagenfurt unter Beweis gestellt, als Kritikerin in der "Kulturzeit" und auch als Gast des "Quartetts". Ein "nicht unwillkommener Nebeneffekt: Mit Frau Radisch verjüngt sich unser Quartett", sagte Eichel.

Iris Radisch wurde am 2. Juli 1959 in Berlin geboren. Die Mutter von zwei Kindern (Karasek: "Versteht vom Leben soviel wie von der Literatur") ist seit 1990 Redakteurin im Ressort Feuilleton und Literatur der "Zeit". Ihr Studium der Germanistik, Philosophie und Romanistik führte sie nach Tübingen und Frankfurt/Main. Zu ihrem Lebenslauf, wie ihn die "Zeit" verteilt, gehören auch Gastprofessuren in St. Louis und Göttingen.

Wer die rezensentische Arbeit von Iris Raisch in der "Zeit" kennt, der darf mit ihrer Verve im "Quartett" rechnen. Marcel Reich-Ranick wird bestimmt nicht ihre Kritik zu seinen Memoiren "Mein Leben" entgangen sein. Iris Radisch schrieb, neben allerlei Lobendem, in der "Zeit", Marcel Reich-Ranicki bleibe seinem "Ruf als ein Virtuose der Vereinfachung treu". In gewisser Weise behandele er sein Leben, wie er Bücher zu behandeln pflege: "Er hält sich an den Inhalt. Vorhang zu und alle Fragen offen."

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