Margarethe Schreinemakers : Von hundert auf null

Call-In-Lebenshilfe und keiner ruft an: Die einst so erfolgreiche Moderatorin Margarethe Schreinemakers scheitert auch bei 9Live.

Joachim Huber

Margarethe Schreinemakers muss bei 9Live aufhören. Sendersprecherin Silke Zeidler sagte dem Tagesspiegel, dass „die Quoten unter den Erwartungen gelegen haben“. Der Marktanteil von „Schreinemakers 01805-100232“ changierte zwischen 0,0 und 0,2 Prozent, zwischen null und fast null. Zeidler betonte, man habe die Zusammenarbeit einvernehmlich beendet. Die Sendung bot nach Schreinemakerschem Rezept über Fernsehen, Internet und Telefon Lebenshilfe in allen Bereichen, unter anderem der Partnersuche. Schreinemakers hatte dafür ein kleines Fernsehstudio in ihr Haus im belgischen Eupen eingebaut, wo sie mit ihren beiden Söhnen lebt. Die Quoten waren richtig mies, anrufen wollte auch keiner, für ein Call-In-Format ganz blöd. „neun TV – Die Woche“, das seit der angeblichen Sommerpause für Schreinemakers läuft, kommt auf bis zu 0,5 Prozent Marktanteil und wird deswegen fortgesetzt. Der Sender 9 Live gab bekannt, was dann immer bekannt gegeben wird: Man wolle mit Frau Schreinemakers im Gespräch bleiben. Schreinemakers sagte, sie wolle mehr Zeit in ihr Internet-TV sowie in ein neues Fernsehprojekt investieren.

Mit Margarethe Schreinemakers kann eine Fernsehkarriere in einem gewaltigen Auf und Ab besichtigt werden. Die Krefelderin, diplomierte Soziologin und mit der Moderation der „Aktuellen Stunde“ im WDR als TV-Fachfrau bestens geschult, hat das deutsche (Privat-)Fernsehen geprägt. Mit „Schreinemakers live“, von 1992 bis 1997 bei Sat 1 und dann noch für ein Jahr bei RTL, hat die Moderatorin bis zu zehn Millionen Zuschauer gefesselt, so viel wie keine Frau im Fernsehen vorher und keine Frau nachher. Andere Sender, andere Formate warfen das Kopierwerk an, aber echt war nur die zierliche „Schreini“. Die Schreinemakers kombinierte konsequent Journalismus und Entertainment und quietschiges Stimmchen. Ihre Formel hieß Emotion, Sensation, Betroffenheit (am liebsten mit kranken Kindern); der Begriff der „Schreinemakerisierung“ des Fernsehens machte besorgt die Runde.

Wer in diesem Medium sehr hoch steigt, der ist von Hybris nicht fern. Dieser Kick von Macht und Allmacht ließ Schreinemakers ihre eigenen Steuerprobleme öffentlich machen, sie legte sich mit dem damaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel an, lud dessen Ex-Frau ins Studio, platzierte den Streit mit dem Fiskus in der Show. Sat 1 tat heroisch, drehte der laufenden Fisfal-Sendung den Saft ab, während hinter den Kulissen alle wussten, dass der Wechsel zum Konkurrenten RTL längst feststand. Das Fernsehvolk nahm ihr, der Bestverdienenden, die Rolle des angeblichen Steueropfers übel. Eine Quoten-Queen stürzte ab.

Margarethe Schreinemakers hat es danach nicht an Versuchen fehlen lassen. Für RTL 2 moderierte sie „Big Diet“, scheiterte mit dem Talkmagazin „Schreinemakers“ in der ARD, wirbelte in der RTL-Show „Let’s Dance“, schließlich 9 Live, ein Sender, wo die Kaste der superpeinlichen Moderatoren Menschen zum Geldabdrücken motiviert. Schreinemakers ist jetzt 50. Für Fernsehfrauen in Deutschland ein ganz schwieriges Alter. Über diese Demarkationslinie hat es noch keine geschafft, Schreinemakers konnte es gar nicht schaffen. Fernseh-Deutschland hatte längst beschlossen, sie nicht mehr sehen zu wollen. Verona Pooth, 40, ist als nächste dran.

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