Medien : Medienrepubik (13)

Zu Weihnachten erinnert man sich in unserem Kulturkreis auch an die etwas entfernteren Verwandten, die man lange nicht gesehen hat. Deshalb geht ausgerechnet die "Woche" mit einer Sonderausgabe zum Thema "Geld" in die Feiertage.

Die Weihnachtsausgabe des "Stern" dagegen hat den lieben Gott auf dem Titel. Schlagzeile: "Die neuen zehn Gebote". Die ersten zehn Gebote haben sich gut verkauft, da wurde es Zeit, dass der alte Herr den zweiten Teil schreibt. Und der "Stern" bekommt eben immer wieder überraschende Vorabdrucke aus der Twilight Zone.

Also, hier die neuen zehn Gebote. Sie sind noch warm.

Du sollst die Würde jedes Menschen achten. Wehr Dich, wenn Dir oder anderen Unrecht geschieht. Du sollst Deine Verantwortung nicht von Dir schieben. Du sollst respektieren, dass Menschen verschieden sind. Du sollst nicht töten. Du sollst Deine Versprechen halten. Du sollst die Natur schützen und bewahren. Liebe deine Kinder. Du sollst nicht leben auf anderer Leute Kosten. Glaube, woran Du willst, aber füge keinem Menschen Leid zu.

Die Autorenschaft liegt nicht direkt bei Gott, sondern bei einem Ghostwriter-Kollektiv. Der Moses unserer Epoche besteht, was sonst, aus Prominenten (Heino, Wim Wenders, Hildegard Hamm-Brücher und andere) sowie dem "Stern"-Autor Peter Sandmeyer. Die Prominenten haben außerdem zeitgemäße Zusatzgebote verfasst, von "Du sollst viel lachen" (Caroline Link) über "Leiste Hilfe" (Heino) bis zum nachdenklich machenden "Siegen kommt nicht von liegen" (Maybrit Illner).

Das alte Gebot "Du sollst nicht stehlen" werden Besserverdienende auf die Dauer vermissen. Während der Feiertage wollen wir nun alle das Neue Sündigen üben, vor allem gegen das Gebot "Siegen kommt nicht von liegen" wird in den deutschen Betten gewiss hier und da verstoßen werden. Im Übrigen freuen wir uns auf die Verfilmung neuen Zehn Gebote.

Du sollst dich einbringen. Du sollst eine Vision haben. Du sollst auch der PDS Gerechtigkeit widerfahren lassen. In der "B.Z." steht, dass eine Überprüfung von PDS-Politikern auf Stasivergangenheit unnötig sei. Der ganze Trupp sei ja Stasi, wörtlich: "die Stasi-Partei schlechthin". Im "SZ-Magazin" dagegen wird ein Kölner Juwelier interviewt, der 25 Mal überfallen wurde. Die Polizei hat in keinem einzigen Fall den Täter erwischt. Sie vermutet, dass es sich bei den so ungewöhnlich tüchtigen Räubern um "ehemalige Mitarbeiter der Ostblock-Geheimdienste handelt, die arbeitslos sind."

Alle Achtung. Du sollst Dir um die Zukunft Berlins keine Sorgen machen.

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