Medien : Medienrepublik (46)

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JOACHIM HUBER über nachhaltigen Journalismus

Tage der Rekorde: Die Elbflut wurde mit der Spendenflut gekontert. Allein die ARD und die „Bild“-Zeitung haben an die 27 Millionen Euro für Hilfsmaßnahmen und Hilfsorganisationen zusammengeholt. Wie nie zuvor haben die Medien bei der Spendensammlung aktiv mitgewirkt. Die Bilder, die sie gezeigt haben, waren überwältigend, die Berichte, die ihre Reporter geschrieben haben, waren überzeugend. Die Seher und Leser sind den Sendern und Verlagen mit enormer Glaubwürdigkeit begegnet: Dass die Spenden benötigt und an die richtigen Stellen verteilt werden. Für Journalisten, die in den Prestige-Skalen der Berufe und Professionen gerne nach hinten durchgereicht werden, keine alltägliche, doch sehr ermutigende Erfahrung.

Was, wenn das letzte Haus wiederaufgebaut, die letzte Eisenbahnbrücke repariert sein wird, wenn die Konsequenzen angegangen werden müssen? Wenn kundige Journalisten davon schreiben, dass von der nächsten Sintflut die Menschen an den Flussufern möglicherweise nur verschont bleiben, sofern sie wie alle Nicht-Ufer-Bewohner ihr Verhalten, ihre Lebensgewohnheiten geändert haben. Das sehen, hören, lesen und vor allem zu glauben zu wollen, wird die Gemeinschaft aus Medien und Nutzern zu einem harten Belastungs-Test herausfordern. Zu spenden und Spenden zu sammeln, ist leichter, weil es aus dem Moment heraus auf den Moment hinzielt, weil es eine eindeutige Tat auf einen eindeutigen Vorgang ist.

Wer je eine Diskussion unter Klimaforschern konzentriert verfolgt hat oder sich in einen gründlichen Artikel über die Veränderungen des Klimas versenkt hat, der weiß, was nachhaltig bedeuten kann. Einen komplexen, komplizierten Vorgang begreifen zu wollen und persönlich umsetzen zu müssen.

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