Medien : Mehr „Popetown“

MTV wird alle Folgen der Vatikan-Serie zeigen

Joachim Huber

MTV wird die umstrittene Cartoonserie „Popetown“ vollständig ausstrahlen. Das teilte der in Berlin ansässige Musiksender am Dienstag mit. Nach der Ausstrahlung der ersten Folge vergangene Woche sollen die weiteren neun Episoden der BBC-Serie von diesem Mittwoch an im Wochenrhythmus um 21 Uhr 30 gesendet und jeweils samstags um 21 Uhr 30 wiederholt werden.

„Wir haben entschieden, alle Folgen auszustrahlen“, sagte MTV- Programmdirektor Elmar Giglinger. „Unser Urteil basiert zum einen auf den Reaktionen der Zuschauer, die sich klar für eine Ausstrahlung ausgesprochen haben, zum anderen auf der Einschätzung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen, die die bisher eingereichten Episoden von ,Popetown’ als rechtlich unbedenklich eingestuft hat.“ Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) ist zu dem Urteil gekommen, dass in „Popetown“ weder eine ablehnende oder gar feindselige Haltung gegenüber Angehörigen einer religiösen Gruppe geschürt noch die Menschenwürde verletzt werde.

Den wesentlichen Grund für die weitere Ausstrahlung hat der MTV-Programmdirektor – vielleicht – vergessen. Die erste Folge hat dem Musiksender eine nie gekannte Einschaltquote eingebracht. „Popetown“, die Erste, wurde am vergangenen Mittwoch von insgesamt 380 000 Zuschauern eingeschaltet. Das war in der Zeitschiene ab 21 Uhr 30 eine Steigerung der Reichweite beim Gesamtpublikum um sagenhafte 220 Prozent, bei den 14- bis 29-Jährigen waren dies 149 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen 192 Prozent.

Das Erzbistum München-Freising, das eine Einstweilige Verfügung gegen die Ausstrahlung der Serie angestrengt hatte und damit gescheitert war, bekräftigte seine Forderung nach einembesseren gesetzlichen Schutz religiöser Bekenntnisse. MTV habe offenbar die Ablehnung der Einstweiligen Verfügung und die FSF-Freigabe als Freibrief gewertet. Die Begründung des Gerichts und die FSF-Freigabe machten deutlich gemacht, dass ein wirkungsvoller Schutz religiöser Bekenntnisse vor Verunglimpfung nicht gewährleistet sei. Nun müsse sich die Politik um eine Lösung kümmern.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dessen Vorsitzender Dirk Tänzler an der Live-Diskussion vorige Woche teilgenommen hatte, bedauerte die MTV-Entscheidung. „Offenbar hat die Profitgier über den guten Geschmack gesiegt“, erklärte er. So schlecht, wie die Sendung sei, werde sich nach zwei Folgen niemand mehr dafür interessieren.

„Popetown“, 21 Uhr 30, MTV

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