Menschen bei Maischberger : "Hitler war auch das Abendland"

Der Islam, "Pegida" und die Ängste der Deutschen - dazu ist im Grunde alles gesagt, nur noch nicht von jedem. Deshalb durfte auch die Runde von Sandra Maischberger nochmal ran. Das Ergebnis? Immerhin besser als bei Jauch und Plasberg.

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Sandra Maischberger
Sandra MaischbergerFoto: dpa

Seit einigen Wochen schlafe ich regelmäßig vor dem Fernseher ein und das ist im Prinzip völlig in Ordnung, aber ein bisschen ärgerlich, wenn man Fernsehkritiker ist. Die letzten Folgen vom „Tatort“ zum Beispiel habe ich nur zur Hälfte gesehen – am Sonntag wachte ich zu „Günther Jauch“ wieder auf und wusste für einen Moment nicht, wo ich bin.

Schnell stand allerdings fest: Ich bin in Deutschland, denn bei Jauch ging es vor allem um die Frage, ob das, was in Paris in der vergangenen Woche passiert ist, eigentlich auch in Deutschland passieren könne – und Nils Minkmar schrieb daraufhin in der „FAZ“: „Würden in Sibirien die Marsmännchen landen, so wäre die Frage bei Jauch am Folgesonntag einzig und allein, ob sie auch 'bei uns' landen und dann noch, wo deswegen mit Stau zu rechnen sei.“ Manchmal ist Fernsehkritik besser als Fernsehen.

Zu Plasbergs Sendung „Hart aber fair“ darf ich keine Fernsehkritiken mehr schreiben, weil sonst der Eindruck entstehen würde, ich hätte was gegen Plasberg. Ich habe mir die Ausgabe vom Montag trotzdem angeschaut, weil ich Julian Reichelt von der „Bild“ so lustig finde und es immer gar nicht glauben kann, dass er und ich im Prinzip den gleichen Beruf haben.

Sandra Maischberger lässt über Terrorismus, Radikalität und Islamismus diskutieren

Am Dienstagabend nun hatte Sandra Maischberger in der ARD Gelegenheit das besser zu machen, was am Sonntag Günther Jauch und am Montag Frank Plasberg, nun ja, suboptimal hinbekommen haben: eine interessante, erkenntnisstiftende Talkshow zum Thema Terrorismus, Radikalität und Islamismus zu leiten. Und sagen wir es mal so: Sie machte es besser, als die beiden anderen – aber reicht das?

Nee, das reicht nicht, jedenfalls nicht, wenn man die Hoffnung hat, 75 Minuten gutes Fernsehen zu sehen, das was mit einem macht – im Guten wie im Schlechten. „Menschen bei Maischberger“ jedoch machte nichts mit mir.

Das lag nicht an Sandra Maischberger. Maischberger zuzuschauen ist mitunter eine Wohltat, weil sie mit Haltung moderiert und weil sie sich in ihrer Sendung offensichtlich wohlfühlt. Und das war am Dienstag vielleicht sogar eher der Fall als in manch anderen Runden, in denen sie mit Rentnern über die Rente sprechen muss oder mit Rentnern über andere Ausweichthemen, um den Talkmännern der ARD nicht in die Quere zu kommen. Das lag auch nicht an Volker Beck, dem Grünen-Politiker, der so oft das richtige Maß zwischen Aufgeregtheit und Engagiertheit trifft, das man in Fernsehtalkshows zu selten sieht. Und das lag auch nicht an Alfred Grosser, den man in deutschen Talkshows leider noch seltener sieht. Er war – nicht inhaltlich – das Gegenteil von Beck, seine Ruhe strahlte Würde und Souveränität aus, und als er gleich zu Beginn, fast flüsternd, dem AfD-Politiker und "Pegida"-Versteher Alexander Gauland entgegnete „Hitler war auch das Abendland“ da hätte es eine gute Talkshow werden können.

Alexander Gauland von der AfD: "Ich bin nicht Pegida"

Sie wurde es nicht, weil wie immer zu viele Gäste eingeladen waren. Fünf ist Quatsch. Keine Ahnung, wer auf diese Zahl kam – sie funktioniert ist, mindestens einer ist da immer zu viel. Eine Talkshow funktioniert dann eben doch nicht wie eine Party, wo man ja am besten einen Irren einlädt, der für Überraschungsmomente sorgen soll.

Ich schreibe jetzt nicht, dass Gauland als Irrer gebucht war. Obwohl er den schönen Satz sagte: „Ich bin nicht Pegida“, um dann die Macher von "Pegida" gegen jeden Angriff von Beck oder Grosser zu verteidigen, in dem er sagt, dass die halt noch nicht so gut mit der Presse umgehen könnten, oder das er von den 15.000 Demonstranten, die er bei seinem Dresden-Besuch gesehen hat, keine „negativen Parolen“ gehört habe. „Lügenpresse“ ist übrigens das Unwort des Jahres.

Die Sendung war so lange gut, so lange sie konkret blieb – spätestens nach der Hälfte verloren sich die Gäste dann aber bei der Beantwortung der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre – sogar die Maischberger-Redaktion twitterte: „Uferlosdiskussion“. Es ging dann noch um Dieses und Jenes, wie das halt leider so häufig ist, weil nicht nur fünf Gäste zu viele sind, sondern auch 75 Minuten zu lang. Immerhin kommt am Mittwochabend nicht Anne Will – die hat noch frei bis zum 28. Januar. Kann aber gut sein, dass es dann um den Islam, um "Pegida" und die Ängste der Deutschen gehen wird. Denn komischerweise wurde darüber noch nicht zu Ende diskutiert.

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