Merkel vs. Steinmeier : Live-Blog zum Nachlesen: TV-Duell und Nachspiel

Für Tagesspiegel.de haben Joachim Huber und Matthias Kalle das TV-Duell am Sonntagabend live analysiert. Lesen Sie hier, wie sich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier aus der Affäre gezogen haben.

Joachim Huber,Matthias Kalle
TV-Duell Merkel - Steinmeier
Merkel vs. Steinmeier.Screenshot: dpa

Wir dokumentieren den Blog hier, wie er live aufgeschrieben wurde - jeweils der neueste Absatz steht oben:



Nachspiel:


"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel, zu Gast bei "Anne Will", will Harmonie. Das wollen wir nicht - wir wollen ins Bett. Auf Wiedersehen am 27. September. 

Nach Lage der Dinge wird 2013 wieder gewählt. Was in vier Jahren nicht wieder stattfinden darf: Ein Duell, in dem vier Journalisten auf zwei Politiker treffen. So eine Quälerei, so ein Luft-Abschnüren, alles gewollt, fast nix geschafft. Die Form erschlägt den Inhalt. Bei Merkel vs. Steinmeier klappt das überhaupt nicht. Das Format des Kanzlerduells hat in dieser Wahl verloren. Bitte dringend in die Überarbeitung, in die Renovierung.  

Zum Schluss noch ein paar Sätze über die, die ja auch verantwortlich sind für das, was wir da gerade gesehen haben, sehen mussten, ein paar Sätze zu den Journalisten, die durch diesen Abend geführt haben: Alle Antworten sind natürlich auch nur so gut, wie die Fragen, die gestellt werden. Letzte Frage: Wer gewinnt die Wahl? Man weiß es nicht, jedenfalls nicht bis zum 27. September, kurz nach 18 Uhr.

Im ZDF sind Worte der Duellanten gezählt und gewichtet worden. Das ist purer Hokuspokus. In der ARD kommt Hans-Ulrich Jörges, die Dampframme vom "Stern", zu Bild und Ton. Wirkt erschöpft und ernüchtert. Erwartet eine Fortsetzung der Großen Koalition. Bei Sat 1 finden der Grüne Jürgen Trittin und FDP-Chef Guido Westerwelle starke Worte. Machen mächtig Wahlkampf. Ein Eindruck: Eine "Berliner Runde" aller Spitzenkandidaten bringt dem Wähler deutlich mehr als ein Duell, das kein Duell war. Noch ein Eindruck: Alle Zuschauer in den Studiopublika von ARD bis Sat 1 stellen sich heimlich die Frage, ob der Gang ins Studio sich gelohnt habe. 

Jetzt ist die Zeit der Balkendiagramme, der Umfragen, der Prozentzahlen. Aber selbst da ist alles so wirr, nebulös, eigentlich wären beide gute Kanzler (außer für Peymann). Um 22 Uhr 36 ist es aber quasi amtlich: Das Duell ist - Überraschung! - unentschieden ausgegangen. Noch Fragen?

Die Privaten zeigen jetzt Werbung. Gute Zahnbürsten braucht das Land! Im ZDF kommt die Opposition zu Wort. FDP-General Niebel ist schon wieder sauer: "Verloren hat Deutschland."  Bartsch von der Linken: Es war kein Kanzlerduell, Steinmeier die große Enttäuschung. Die Linke ist die Alternative. Niebel hat schon wieder Eisen in der Stimme. ZDF-Umfrage nach Ende des Duells: Wer war besser? Steinmeier bekommt 31 Prozent, Merkel 28 Prozent, 40 Prozent sind unentschieden. Steinmeier hat beim Duell offenbar Boden gut gemacht: gegenüber Merkel. Die Kanzlerin überragt bei der Frage, wer mehr Arbeitsplätze schaffen kann. Die noch nicht entschiedenen Wähler wollen eher Steinmeier ihre Stimme geben. Ilka Essmüller von RTL fordert die Zuschauer zum Schluss auf:: "Gehen Sie wählen!" Und tschüss 

Jetzt geht Jauch Peymann an - ein Duell! Während Westerwelle sich auf Sat 1 aufregt, RTL endlich auch eine Umfrage bringt und im ZDF Illner erzählt, wie sie es so empfunden hat.
Wie empfindet es aber Jauch, in einer Sendung zu sitzen, die doch eigentlich seine sein sollte? Übrigens lautet die meistgenutzte Floskel nach dem "Duell": "wie ein altes Ehepaar..." Die Einschätzungen sind also ähnlich spannend wie das Duell selbst.

Erste Resultate in der ARD: Nur drei Prozent sagen, es war ein Duell, der Rest sagt, es sei sachlich gewesen. Anders als beim ZDF zeigt die ARD-Umfrage eher ein Unentschieden bei Vorteilen für Steinmeier. Das Publikum im Sat-1-Studio ist schwer enttäuscht. RTL: Bei den Journalisten im Pressezentrum herrscht Langeweile als Eindruck vor. RTL hat nichts zu melden. ARD: Stoiber sieht Merkel vorne, Wowereit Steinmeier, naja. Wowereit kritisiert, dass Bildung kein Thema gewesen sei. Richtig. Claus Peymann: Es war zum Einschlafen. "Mir kann es angst und bange werden, dass die beiden  die Zukunft sein wollen." Beide: schwache Besetzung. Peymann hat Sehnsucht nach Berlusconi, "im Theater würde das durchfallen".  

Die ersten Umfragen sind: Merkel hat 21 Prozent, Steinmeier hat 31 Prozent für sich begeistern können... Das hat das ZDF, demnach hat sich der Herausforder besser geschlagen. Aber gegen wen? War das ein Duell oder doch ein Duett? Natürlich war das ein Duell, nämlich zwischen Merkel und Steinmeier auf der einen und den vier Moderatoren auf der anderen Seite...

89. Minute:

Wahlwerbespot der CDU-Kanzlerin.  Mehr Bildung, mehr Arbeit, mehr soziale Marktwirtschaft, mehr für Familien, mehr für die Umwelt. Das verspricht Angela Merkel. Geht aufs Herz und aufs Hirn. Allgemeines Händeschütteln. Wir sind durch, wir sind nicht erschöpft.

87. Minute:

Steinmeier spricht. Nicht energisch, nicht leidenschaftlich, sondern nüchtern, sachlich. Er sagt:  "Ich steh dafür..." Er schaut fest in die Kamera, er wackelt mit dem Kopf. Er sagt  "Ich will..."

85. Minute:

Tigerente. CDU und FDP sind also eine Tigerente. Und wieso ist die SPD immer noch eine Volkspartei? Steinmeier weiß die Antwort - nun aber die Schlußstatments...

80. Minute:

Lafontaine ist ein personeller Überhang", sagt Steinmeier. Die Linken sind verantwortungslos in der Außenpolitik. Mächtiger Seufzer. Merkel glaubt Steimeier nicht, dass er mit der Linken nicht will. Merkel: Steinmeier soll sich dafür entschuldigen, dass die Sozis mit den Linken Frau Schwan zur Bundespräsidentin wählen wollten. Steinmeier will sich nicht entschuldigen.  

75. Minute:

Steinmeier schreibt und schreibt. Was schreibt er auf, was steht auf diesen Zetteln? Mit Sicherheit wohl nicht, was er jetzt sagt, nämlich das das Land eine "starke Sozialdemokratie" braucht. Aber hat das Land nicht mit dieser Kanzlerin eine starke Sozialdemokratie? Obwohl! Jetzt geht sie ihn an, sagt, dass die Menschen ihn nicht verstehen würden, weil er doch gerne mit der FDP würde, gleichzeitig aber doch so schimpft auf die Liberalen - in diesem Jahr ist Politik furchtbar kompliziert.

70. Minute
:

Der Außenminister spricht. Er doziert, fester Stand, feste Stimme. Steinmeier will offenbar schon morgen persönlich in A. eingreifen. Merkel wiederholt Steinmeier. Die deutsche Außenpolitik steht fest in Treue zu sich selbst. Steinmeier schreibt schon wieder mit. Darf er das bei diesem Thema, das ist doch seins! Franz-Josef Jung bleibt Verteidigungsminister, die Kanzlerin steht hinter ihm. Steinmeier pocht die Unterschiede. Merkel will eine starke Union mit der FDP als Partner. Wachstum gehe nur mit dem Liberalen. Guido W. müsste jetzt reinkommen und A.M. umarmen. 

65. Minute:

Vielleicht der Satz des Abends von Steinmeier: "Worüber reden wir hier eigentlich?" Gute Frage! Im Moment jedenfalls irgendwie über Ulla Schmidt, Dienstwägen und die Gesundheitsreform. Dann eine SMS eines befreundeten Medienkritikers: "Wann erzählt eigentlich endlich jemand einen Schwank aus seinem Leben? Die Leute lieben das!"
Blick auf das Zeitkonto, das ja ähnlich verwirrend ist wie die Regeln damals bei "Tutti Frutti". Aber jetzt! Afghanistan! Und Steinmeier ist kurz davor Kloeppel eine rein zu hauen...

57. Minute:

Steinmeier atmet schwer, Merkel blickt missmutig. Beim Stichwort "Krise" gehen die Hände der Kanzlerin mächtig in Höhe. Jetzt arbeitet der Kanzlerinnen-Körper. Steinmeier korrigiert Illner. Will Merkel Reichtum für alle? Jedenfalls die Steuern senken. Jetzt geht es in den Wettbwerb um die Entlastungen. Seitenwechsel: Gesundheit. Steinmeier attackiert die FDP. Merkel sagt: Auch mit der FDP bleibt es beim Gesundheitsfonds. Achtung, die Lottozahlen. Steinmeier greift zu Papier und Bleistift. Bleibt Ulla Schmidt im Kabinett? "Über was reden wir eigentlich?", sagt Steinmeier. Über die Dienstwagenaffäre will er lieber schweigen, lobt Schmidt aber für die Steherqualitäten. Plasberg schmeißt sich an die Frauen ran. Seit wann ist der ARD-Frauenversteher?  

53. Minute:

So langsam verstehen wir: Merkel will im Prinzip am liebsten mit der SPD weiterregieren. Das ist der große Plan, das Ziel auch dieses "Duells".

45. Minute:

Es ist gleich Halbzeit. Es zieht sich. Steinmeier will wie Kloeppel künftig Banken schließen dürfen. Noch ein neues Wort: "Finanzmarktsteuer". Steinbrück steckt dahinter. Merkel sei dafür, sagt Steinmeier. Merkel lächelt sich einen Wolf: Steinbrück sei mal gegen die neue Steuer gewesen. "Turbinsteuer"??? Illner stellt die längste Frage des Abends. "Kreditmediator"! Wo sind wir, im Börsensaal? Bei den Betriebswirten? Ist dieser Wahlkampf wirklich nur Klein-Klein?

40. Minute:

Wen lädt Steinmeier zum Essen ein? Wen würde Steinmeier zum Essen einladen, wenn er Kanzler werden würde? Fragt auch wieder keiner... Steinmeier sagt zu Kloeppel, er habe ihm ja gerade versucht klar zu machen, warum manches in der Großen Koalition nicht gelingen konnte - und wie Merkel da geguckt hat, wie ein geschlagener kleiner Hund. Absicht? Geübt?

30. Minute:

Atomkraft kommt ins Spiel. Merkel hält an der Technologie fest, Steinmeier gibt sich skeptisch: "Das ist alles der falsche Weg." Kleine Attacke auf Merkel. "Erneuerbare Technologien"! Beide haben 13 Minuten und 19 Sekunden geredet. Kleine Bildstörung. Manager-Gehälter? Leistung muss sich lohnen, das schon. Empört sich über Abfindung für Arcandor-Chef. Echt sozialdemokratisch, unsere CDU-Kanzlerin. Kloeppel nennt das "Lippenbekenntnisse", erinnert an Ackermann-Abendessen. War bloß Kontaktpflege, sagt Merkel.Sie will Manager wie Joe Ackermann weiterhin einladen. Manager müssen Merkel nicht wirklich fürchten.  

22. Minute:

Steinmeier will die Lohnspirale nach unten stoppen. Mindestlohn! Verheddert sich. Bei Opel ist er zuversichtlich. Stellt sich die Fragen selbst, guckt zurück. Ohne Steinmeier wäre Opel tot. Mausetot. Merkel arbeitet  beim Mindestlohn nach. Mindestarbeitsbedingungsgesetz, haben wir das richtig gehört, soll es in Zukunft bringen. Wieder Opel, wieder GM: Wir sind Opel!

20. Minute:

Warum wird immer nur Merkel unterbrochen? Immerhin kommt es jetzt zum Einsatz der Hände bei der Bundeskanzlerin: Die, laut Kurt Kister, "So-groß-ist-der-Fisch"-Geste. Stichwort groß: Angela Merkel steht auf einem kleinen Podest.

17. Minute:

Macht Steinmeier jetzt seinen ersten Punkt? Er gibt eine Note, eine 2? Nee, doch nicht. Dann: "Ja, Herr Plasberg, da können Sie jetzt drüber lachen."

13. Minute:

Frau Merkel will sich nicht unterbrechen lassen. Geht schon wieder auf Rot-Grün los. Wer hat eigentlich danach regiert? Die Journalisten werden nervös. Plasberg bringt die Gerechtigkeit aufs Tapet. Schulnote im Fach Gerechtigkeit, Frau Merkel? Plasberg pocht auf eine klare Antwort. Merkel spielt in die Breite. Es soll noch gerechter zugehen, na toll. 

11. Minute:

Ah! Da! Steinmeier greift Merkel an! Ohne sie anzuschauen. Und schon ist es auch wieder vorbei... Frage: Warum trägt Plasberg keine Krawatte, hält sich dafür aber an seinem Wasserglas fest? Immerhin lächelt Merkel. Kohls Mädchen. Da war sie gerade.

7. Minute:

Peter Kloeppel fragt: Warum nicht weiter in der Großen Koalition? Steinmeier weiß es auch nicht so genau. Bei Merkel fällt immer stärker die pfiffige Kette auf. Geht in die Vergangenheit, erklärt die soziale Marktwirtschaft. Schon wieder der "Wir"-Ton. Leute, das ist keine Kabinettssitzung!

5. Minute:

Wann geht es noch mal los? Es geht im Moment eher darum, warum eben kein Duell zustanden kommen kann... Seltsames Fernsehen. Immerhin weißt der Zuschauer jetzt: Merkel und Steinmeier duzen sich nicht. Aha.

2. Minute:

Steinmeier, im schwarzen Anzug,  eröffnet das Spiel, motiviert von Frank Plasberg. Noch hält er sich zurück. Merkel, im schwarzen Hosenanzug, greift ein. Auch sie gibt sich brav, Peter Limbourg fordert ein Duell, kein Duett. 

1. Minute:

Irre: die ARD sendet mit ca. fünfsekündiger Verzögerung...

Countdown

Großer Moment: Rückblick auf das Duell Merkel - Schröder. Schröder sagt  frech "Ne", als Merkel einen Punkt machen will. Das ist wir ein Rückblick auf große Fußballspiele.

Um Himmels Willen - noch fünf Minuten: welchen Sender soll man denn jetzt grad schauen, irgendwie ist alles interessant, irgendwie ist aber auch alles egal... Richtige Promis sitzen bei Anne Will (Günther Jauch, Stoiber). Bei Sat 1 ist ein Mann, den man in Berlin immer in Promilokalen sieht...

RTL kann es gar nicht abwarten, macht den Countdown vor dem Countdown. Merkel kam nach Steinmeier, das ist dokumentiert. Frauke Ludowig hat alle Promis gefragt, das ist eine ganze Menge. Anne Will ist in Position, Bettina Schausten auch, bei Sat 1 freuen sich Sabine Christiansen und Stefan Aust. Das ZDF hat die erste Umfrage. Eine Mehrheit erwartet ein Unentschieden - wir bleiben  trotzdem dran.

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