Medien : Mit Courage und Pilzkopf

Veronica Ferres dreht in Berlin einen TV-Film über eine geflohene DDR-Bürgerin, die um ihre Kinder kämpft

Katharina Zeckau

Veronica Ferres trägt ein fliederfarbenes Kleid, eine violette Strickjacke und einen ziemlich gewöhnungsbedürftigen Pilzkopf. Sie steht in einem Neuköllner Ladenlokal, an den Wänden hängen Poster mit der Aufschrift „Hilferufe von drüben“ oder „Maulkorb für Menschenrechtler“. Es ist der siebteDrehtag in Berlin für den Fernsehfilm „Die Frau vom Checkpoint Charlie“. Mit ihrer tiefen, stets etwas belegt klingenden Stimme versucht Veronica Ferres die Schauspielkollegen Filip Peeters und Charlotte Schwab von einer spektakulären Protestaktion in Helsinki zu überzeugen. Regisseur Miguel Alexandre unterbricht sie: „Mehr Leidenschaft: Man muss merken, dass dir die Felle davonschwimmen!“ Erst nach der sechsten Klappe ist der Regisseur mit Ferres’ Darstellung zufrieden: „Geil!“

Veronica Ferres Rolle basiert auf der realen Figur der Jutta Gallus. Anfang der 80er Jahre wird Gallus, die im Film Sara Bender heißt, auf ihrer Flucht aus der DDR verhaftet und zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem sie schließlich von der Bundesrepublik freigekauft wird, beginnt ein zähes Ringen mit den ostdeutschen Behörden um die Nachholung ihrer Töchter. Als sich auf bürokratischem Weg nichts erreichen lässt, setzt sie auf Öffentlichkeit: „Gebt mir meine Kinder zurück!“ steht auf dem Plakat, mit dem sie monatelang am Checkpoint Charlie protestiert. Die Ufa verfilmt die Geschichte jetzt in Leipzig, Bukarest und Helsinki und eben Berlin, 2007 soll sie in der ARD zu sehen sein.

In einer Drehpause berichtet Veronica Ferres davon, wie wichtig die persönliche Begegnung mit Jutta Gallus gewesen sei; spricht aber auch von einem „anderen moralischen Druck“ und der Notwendigkeit, als Schauspieler „Abstand zu gewinnen“, wenn die darzustellende historische Figur noch lebt, um diese „auch in radikalen Momenten unbelastet spielen“ zu können. Das „Gefühl von Angst und Unfreiheit“, das Jutta Gallus in der DDR empfand, meint sie gut nachvollziehen zu können, seitdem ihr auf ihrer ersten Reise in die DDR der Fiat Panda auseinander genommen wurde. Die Zöllner vermuteten Verdächtiges unter der Hupe und versuchten diese mit einem Schraubenzieher abzubauen, was zu der „paradoxen Situation“ führte, dass die Grenzkontrolle von einem ständigen Hupen begleitet wurde.

„Eine sehr emotionale Geschichte“ soll „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ werden, die aber gleichzeitig auch „viel Alltag aus der DDR“ erzähle, berichtet Regisseur Miguel Alexandre. Trotzdem hat man den Dialekt aus dem Film verbannt, um, wie es Ferres erläutert, „eine universelle Geschichte am Beispiel der DDR zu erzählen: davon, wie Menschen durch Unterdrückung an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehindert werden“.

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