Mitbegründer von Politico : Jeff Bezos holt Frederick Ryan Jr. zur Washington Post

Frederick J. Ryan Jr. hat das erfolgreiche Online-Magazin "Politico" mitgegründet. Jetzt holt ihn Jeff Bezos zur "Washington Post". Eine journalistische Kampfansage auch an die "New York Times".

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Verkaufskästen der Washington Post vor dem Gebäude der Zeitung in Washington.
Verkaufskästen der Washington Post vor dem Gebäude der Zeitung in Washington.Foto: AFP

Im September 2013 hatte der Medienredakteur der „Washington Post“ Erik Wemple Neuigkeiten aus dem eng-verflochtenen News-Business der US-Hauptstadt. Der Geschäftsführer und Mitgründer des Washingtoner online-Magazins „politico“, Frederick J. Ryan Jr., werde seinen Posten aufgeben, um in der nahen Zukunft „andere Karriere-Optionen zu verfolgen“. Im Monat zuvor hatte gerade Amazon-Chef Jeff Bezos die „Post“ für 250 Millionen Dollar übernommen. Ryan Junior hat sich Zeit gelassen, mit seinen Karriereschritten. Genauso wie Bezos mit dem Umbau der „Post“. Am Dienstag aber verkündete die „Washington Post“ in der Rublik „regionale Meldungen“ jetzt, dass Ryan Junior neuer Verleger der Zeitung werde.

Mit dem Abgang der bisherigen Verlegerin Katherine Weymouth endet nicht nur die insgesamt 80-jährige Geschichte der „Post“ im Besitz der Verlegerfamilie Graham. Weymouth ist die Enkelin der Verlegerin Katherine Graham, die selbst mehr als drei Jahrzehnte die „Post“ führte und auch zu Zeiten des Watergate-Skandals an der Spitze des Blattes stand. Mit Weymouth geht auch eine, die der Familientradition folgend noch eine relative Unabhängigkeit zum innersten Geschäft Washingtons halten konnte und gehalten hat. Es heißt, aus eigenem Entschluss sei sie nicht zurückgetreten.

Dass Jeff Bezos absehbar die Nabelschnur zur Graham-Familie durchtrennen würde, war erwartet worden. Mit der Ernennung von Ryan zum 1. Oktober allerdings führt Bezos die „Post“ tief in die Sphären des Washingtoner Politik- und News-Geflechts. Dorthin, wo die Bindungen eng, der Austausch rege und die gegenseitigen Verpflichtungen zahlreich sind.

Alles kann Frederick Ryan aufweisen. Unter US-Präsident Ronald Reagan wuchs Ryan zu einer Größe im Weißen Haus wie in Washington. Er ist Vorsitzender der „White House Historical Association“ und der „Ronald Reagan Presidential Library“-Stiftung. Er arbeitete für Ronald Reagan auch noch nach dessen Präsidentschaft. Mit Politik-Berichterstattern unter anderem der „Washington Post“ baute er später „politico“ auf. Und immer wenn in der Vergangenheit „politico“ eine zu liberal-lastige Haltung vorgeworfen wurde, zog Ryan Junior als Kronzeuge für eben das Gegenteil.

Seine Verpflichtung für die „Post“ aber dürfte weniger ein politisches Statement, denn eine journalistische Kampfansage sein. Die Zeitung konkurriert mit „politico“ und mit der „New York Times“ auf dem Markt der „breaking news“. Die aber werden anhand ihres online-Wertes abgerechnet. Nicht mit Unabhängigkeits-Pluspunkten belohnt. Von Ryan wird erwartet, dass er die „Post“ besser auf die schnelle digitale Zukunft ausrichten soll. Zugleich nützen seine guten Verbindungen auch auf dem Markt der News-Finanzierung.

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