Medien : Model siegt gegen „Mirror“

Bald Schutz der Privatsphäre auch in britischen Medien?

Matthias Thibaut

Supermodel Naomi Campbell hat 3500 Pfund Schadenersatz gewonnen und eine Lanze für den Persönlichkeitsschutz mediengeschädigter Prominenter gebrochen. In höchstrichterlicher Instanz gaben die britischen Lord Oberrichter Campbell gestern gegen die Boulevardzeitung „Daily Mirror" recht. Das Blatt hatte im Februar 2001 ein Foto abgedruckt, das Campbell beim Verlassen einer Suchtklinik zeigte. Campbells Klage durch alle Instanzen macht nun Rechtsgeschichte.

Englisches Recht kennt keinen Persönlichkeitsschutz. Celebrity besessene Medien fürchten, dass Stars nun, beispielsweise unter Berufung auf die europäische Menschenrechtscharta, einen solchen Persönlichkeitsschutz auf dem Klagewege erreichen. Deshalb war die Reaktion des „Mirror“ gestern besonders heftig.

Obwohl das Blatt wegen möglicherweise gefälschter Folterfotos britischer Soldaten im Irak unter Druck steht und nun Campbells Gerichtskosten in Höhe von mindestens einer halben Million Pfund (800 000 Euro) zahlen muss, prüft es nun die Berufungsklage beim europäischen Gerichtshof. „Dies ist ein guter Tag fürs Lügen", sagte wutschäumend Chefredakteur Piers Morgan. „Eine Primadonna, die Drogen missbraucht, lässt sich erst von den Medien feiern und trinkt nun schamlos auf unsere Kosten Champagner".

Der „Mirror“ rechtfertigte seinen Bericht damit, dass Campbell über ihre Drogensucht gelogen habe. Britische Medien glauben, dass Stars, wenn sie die Presse für ihre Karrieren benutzen, ein höheres Maß an Aufmerksamkeit akzeptieren müssen. Ein Gesetz zum Persönlichkeitsschutz wäre so gesehen eine Einschränkung der Pressefreiheit. 1991, auf dem Höhepunkt der Diana-Hysterie, wurde die „Press Complaints Commission“ (PCC) als Selbstregulierungsorgan eingerichtet. Doch immer mehr Prominente klagen sich nun an der PCC vorbei und berufen sich auf die „gemeinsame europäische Rechtssphäre" – wie Bundeskanzler Gerhard Schröder, als er der „Mail on Sunday" vor über einem Jahr die Verbreitung von Klatschgeschichten aus seiner Privatsphäre verbieten wollte.

Medienexperten halten das Fehlen klarer Gesetze aber für gefährlich. Prominentenprozesse wie der Campbells schaffen nämlich Präzedenzfälle, die unterm Strich die Pressefreiheit viel stärker einschränken können.

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