Medien : Moskau erwartet Wohlverhalten

Elke Windisch

Udo Lielischkies, seit drei Jahren ARD- Korrespondent in Moskau, gibt sich zuversichtlich: Bei dem Brief, mit dem die russische Botschaft in Berlin sich nach dem Moskauer Geiseldrama beim ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen über „recht befangene Bilderanreihung und ungeheuerliche Wortwahl“ beschwerte, habe es sich wohl um „einen einmaligen Ausrutscher“ gehandelt. „Wir können uns nicht vorstellen, dass die russische Regierung ernsthaft daran denkt, die Arbeit der ARD zu behindern.“ Die Verfasser des Briefes können sich das durchaus vorstellen: „Davon, wie Ihre Antwort durch die weitere Berichterstattung ausfällt, wird es abhängen, ob die Zusammenarbeit russischer Stellen mit der ARD … in gewohntem Maße fortgesetzt werden kann.“

Der private TV-Sender TWS ätzte in seinem Politmagazin „Itogi“, Moskau gehe offenbar davon aus, dass in einer öffentlich- rechtlichen Anstalt die gleichen Kommandostrukturen wie beim russischen Staatsfernsehen gelten würden und Herr Pleitgen die Linie für die Berichterstattung vorgeben könnte. ARD-Sprecher Rüdiger Oppers versuchte mit seiner Antwort bereits Aufklärungsarbeit in Sachen demokratischer Gewaltenteilung. Der Brief sei im Umgang zwischen demokratischen Völkern ein „ungewöhnlicher Vorgang, der an das Gebaren eines autoritären Regimes erinnert“. Manfred Quiring, seit fast 20 Jahren Korrespondent in Moskau, spricht von „ziemlicher Anmaßung“: Selbst in Zeiten der Sowjetunion seien ausländische Medien nicht derartig abgebürstet worden.

Ist der Mensch weg, ist das Problem weg, glaubte Stalin. Unter Putin könnte es heißen: Das Problem ist weg, wenn die Medien weg sind – russische wie ausländische. Deren Freizügigkeit schränkte die Regierung bereits vor dem Geiseldrama drastisch ein. Erlass Nr. 754 enthält elf Tabuzonen für Ausländer.

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