MUTTER-TOCHTER-DING : Mehr als Klischee

„Mama kommt!“, eine Komödie im ZDF

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Es reicht! Christiane (Anja Kling) schmeißt Mama (Senta Berger) raus. Foto: ZDFZDF

Luise sagt: „Vergiss einfach, dass ich da bin.“ Die, die das sagt, das ist die Mutter (Senta Berger), die, die das gesagt bekommt, das ist die Tochter Christiane (Anja Kling). Als der Satz fällt, da siedet die Stimmung bereits, denn Mama hat mit großem Koffer, großem Selbstmitleid, langen Klageliedern und reichlich guten Ratschlägen in der Wohnung und im Leben ihrer alleinerziehenden Tochter das Kommando übernommen: Christiane Fischer, 40, Unfallchirurgin, mit einem deutlich jüngeren Kollegen heimlich liiert, Tochter Jette (Jella Haase) ist 15. In diesem Vieleck der Interessen, Anforderungen, Bedürfnisse ist die Selbstbehauptung aufreibend, mit einer Turbo-Mutter wird sie unmöglich.

„Mama kommt!“, geschrieben von Sophia Krapoth als dialogfokussierte Komödie, könnte die Figuren kreiseln lassen, sich ganz auf die stillen und lauten Momente einer Mutter-Tochter-KlischeeBeziehung konzentrieren. Aber Autorin und Regisseurin Isabel Kleefeld wollen mehr. Rund um die drei Frauen sind sehr junge, junge und jung gebliebene Männer gelagert, neben Lars (Matthias Schloo) buhlt Stephan (Martin Lindow) um Christiane – und warum ist eigentlich Mama Luise bei Christiane eingezogen? Wieso sucht deren Tochter Jette so verzweifelt und via Internet nach einer Beziehung für ihre Mutter?

Das ist reizvoll, wenn der Bannkreis der Familie aufgezogen wird zum Panorama der Verehrer, wenn die Schauplätze in rascher Folge wechseln, wenn Tempo aus dem inneren Antrieb der Figuren und nicht aus dem „Dawai, Dawai“ der Regisseurin kommt. Die Liebe, die ja im Zentrum steht, die bleibt ein seltsames Spiel: die Liebe zwischen Mutter und Tochter, die Liebe zum Mann. „Mama kommt!“ ist spaßig und handfest. Wer kann Christiane Fischer sein, wenn sie so vielen genügen will und selber bindungsscheu ist?

Senta Berger als Mutter Luise und Anja Kling als Mutter Christiane, das sind Topf und Deckel, ein Harmoniespiel in der Disharmonie der Gefühle und in dem Gemenge der Beziehungen. Es ist der vierte Film von Senta Berger und Regisseurin Isabel Kleefeld in rascher Folge. Und so, wie Anja Kling mitmischt und mitmischen darf, könnte es glatt der vierte Film dieses Trios sein. Nicht, dass die talentierte Jella Haase oder die Männer von Lindow bis Schloo abfallen, aber das hier ist ein Frauending. Ein Mutter-Tochter-Ding in einer gut ausbalancierten Komödie. Es ist die Genauigkeit der Figuren, wie sie geschrieben, gespielt und inszeniert sind, die gefangen nimmt. Der Zuschauer schmunzelt hier, er schmunzelt da, er sieht seine eigene Paradoxie, was Mutter und Tochter, Frau und Mann angeht. Ein Film, der für keine Figur Partei nimmt, wohl aber das Publikum zum Partner. Joachim Huber

„Mama kommt!“, 20 Uhr 15, ZDF

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