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Nach dem "Wetten, dass..?"-Desaster mit Markus Lanz : ZDF kippt Sommershow 2014

Das ZDF zieht offenbar erste Konsequenzen aus dem Quotendesaster bei der Sommershow von "Wetten, dass..?" auf Mallorca. Bekommt Markus Lanz zudem bald Unterstützung durch Stefan Raab?

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Stefan Raab an der Seite von Markus Lanz bei der "Wetten, dass..?"-Sendung am Samstag.
Stefan Raab an der Seite von Markus Lanz. Bei der "Wetten, dass..?"-Sendung am Samstag stahl Raab dem Moderator einige Male die...Foto: dpa

Das ZDF zieht offenbar erste Konsequenzen aus dem Quotendesaster der „Wetten, dass..“-Sendung von Samstag auf Mallorca, auch wenn die offizielle Begründung anders aussieht. Im kommenden Jahr wird es nach den derzeitigen Planungen des Senders keine Sommerausgabe des Showklassikers geben. Dies kündigte ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs am Montag an. Begründet wird die Planung mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, die vom 13. Juni bis 13. Juli stattfindet - und nicht mit den schlechten Quoten von Samstag.

Die „Wetten, dass..?“-Show steht spätestens seit diesem Wochenende wieder unter massiver Kritik. Die Sendung aus der Arena von Palma de Mallorca am Samstagabend erreichte mit 6,74 Millionen Zuschauern die niedrigste Quote aller Zeiten. Markus Lanz hatte die Sendung im vergangenen Oktober von Showlegende Thomas Gottschalk übernommen, der die Moderation nach nach dem tragischen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch abgegeben hatte. Die erste Sendung mit Lanz hatte mit 13 Millionen noch doppelt so viele Zuschauer wie an diesem Samstag.

In den vergangenen Jahren hatte das ZDF unregelmäßig zum Sommerbeginn Extra-Ausgaben seiner populären Unterhaltungsshow gezeigt, allerdings auch in den Jahren, in denen große Fußballturniere wie die Fußball-WM oder die EM liefen, zum Beispiel 2002, 2004 und 2010. Insgesamt kommt die Show jetzt nach dem vergangenen Samstag auf zehn Sommersendungen seit 1991.

Die Sommerausgabe 2013 aus Mallorca wurde von der Kritik einhellig verrissen, nicht nur in dieser Zeitung. Für „Spiegel Online“ war Markus Lanz’ Auftritt „hochnotpeinlich“. „Man krümmte sich nicht vor Lachen, sondern unter Schmerzen.“ Die „Süddeutsche“ moniert, dass Lanz’ Gast Stefan Raab leidenschaftlicher war als der Gastgeber des Abends. „Und kurzweiliger allemal!“ Und „Bild“ titelte am Montag: „Lanz auf dem Tiefpunkt. „Wetten, dass..?“ es nicht noch peinlicher geht?“

Dafür muss kein öffentlich-rechtlicher Sender einen ganzen Show- und Technik-Tross auf die Balearen beordern. Es ist nur schwer vorstellbar, dass das ZDF mit dem ersten Jahr „Wetten, dass…?“ unter der Ägide von Markus Lanz zufrieden ist. „Da gibt es sicher noch einiges zu verbessern. Wir werden die Sommerpause intensiv nutzen, um mit allen Beteiligten an der Sendung zu arbeiten“, sagte ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler dem Tagesspiegel.

Die aufkommenden Forderungen, Stefan Raab solle nun für Markus Lanz die Show moderieren, sind jedoch so vorhersehbar wie falsch. Stefan Raab kann nicht der Retter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sein, er ist das Aushängeschild des Privatfernsehens. Er ist die perfekte Symbiose von quotenträchtiger Massenunterhaltung und dem richtigen Gefühl für den nächsten Hit, das unentdeckte Talent oder eine pfiffige Geschäftsidee. Im Idealfall verbindet er alle drei Elemente zu einem Duschkopf, den er dann von Lena Meyer-Landrut bewerben lässt.

Stefan Raab zusammen mit Markus Lanz bei "Wetten, dass..?"? Der Pro-7-Mann hat bereits mit der ARD kooperiert.

Seit diesem Samstag, seit „Wetten, dass...?“ aus Mallorca, weiß TV-Deutschland zudem, dass Stefan Raab dabei keineswegs schamlos ist. Im Gegenteil: Als Lanz-Gast Gerard Butler mit Eiswürfeln im Schritt den „Erlkönig“ rezitieren musste, wandte sich der Pro-7-Moderator zusammen mit Michelle Hunziker peinlich berührt ab.
Doch wer weiß, in welche Richtung am Mainzer Lerchenberg nun gedacht wird? Die Kooperation von Raab und der ARD beim Eurovision Song Contest, der immerhin zum Sieg einer deutschen ESC-Kandidatin führte, hatte gezeigt, wozu das öffentlich-rechtliche Fernsehen fähig ist. Raab als Ko-Moderator? Warum nicht. Auch Lanz-Assistentin Cindy aus Marzahn kommt aus dem Privatfernsehen – und wird zudem von Raabs Firma Brainpool betreut. Stefan Raab wollte weder dazu Stellung nehmen noch dazu, wie er die Sendung von Markus Lanz empfunden hat. Er nehmen grundsätzlich nur zu seinen eigenen Sendungen Stellung, hieß es am Montag von seinem Management.

Das ZDF plant erst mal unbeirrt weiter: Am 5. Oktober beginnt für Lanz die zweite „Wetten, dass..?“-Saison mit einer Sendung aus Bremen. Vielleicht helfen dann wieder mehr internationale Stars.

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