Nachgespielt : Rent a Show

Die Produktionsfirma Endemol bietet Unterhaltung à la "Wer wird Millionär?" für Firmenpartys - allerdings ohne Günther Jauch.

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Statt Häppchenessen und Sekttrinken. Wer will, kann sich „Wer wird Millionär?“ auf die Weihnachtsfeier holen, allerdings ohne den Moderator Günther Jauch. Foto: RTL
Statt Häppchenessen und Sekttrinken. Wer will, kann sich „Wer wird Millionär?“ auf die Weihnachtsfeier holen, allerdings ohne den...

Über Endemol wusste man bislang, dass die was mit Fernsehen machen. Und irgendwie mit Linda de Mol zu tun haben. Endemol produziert verschiedene Fernsehformate für verschiedene Fernsehsender, weltweit. Zu den in Deutschland bekanntesten Produktionen gehören „Big Brother“ (RTL 2), „Neoparadise“ (ZDFneo) und „Wer wird Millionär?“ (RTL). Endemol macht alles, ob Show, Quiz, Comedy oder Infotainment, und das für alle, egal ob jung oder alt. Damit ist der Unterhaltungsproduzent erfolgreich. „Wer wird Millionär?“ wird seit 1999 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, Günther Jauch ist Anchorman der Show. Längst ist „Wer wird Millionär?“ mehr als eine Quiz-Sendung: Auf der Playstation kann sich jeder selbst durch die Fragen klicken. Wer dabei schlecht abschneidet, holt sich die Trainingslager-App fürs iPhone. Endemol ist auf allen Kanälen vertreten. Seit Mitte Juli bietet Endemol Deutschland auch Firmenpartys an, in den Kulissen von „Wer wird Millionär?“ zum Beispiel.

Solche Partys bestehen ja meist aus Häppchenessen und Sekttrinken. Meist hält der Chef eine Ansprache, dann klimpern Gläser, kauen die Münder. Irgendwann wurde die Firmenparty zum Event umfunktioniert: Kanu fahren, Klettern, Kunst. Den Teamgeist im Plastikboot ausbalancieren, seinen Gefühlen dem Unternehmen gegenüber farbenfroh Ausdruck verleihen. Endemol bietet nun eine neue Partydimension an. In den Kulissen von „Wer wird Millionär?“, „Deal or no Deal“ (Sat 1) oder „Rette die Million!“ (ZDF) können Unternehmen tagen, Mitarbeiter sich gegenseitig motivieren, Jubiläen oder die Weihnachtsfeier gefeiert werden. Reagieren, raten, retten. Alles live aufgezeichnet. Die Idee, Unternehmen solche Events anzubieten, sei Endemol Deutschland gekommen, weil angefragt wurde, ob „Wer wird Millionär?“ und andere Shows nachgespielt werden dürften. Es lägen zahlreiche Anfragen vor, heißt es bei Endemol. „Die meisten Buchungen erwarten wir für 2013.“

Wer in den Kulissen von „Wer wird Millionär?“ feiern möchte, muss nach Hürth, eine Stadt nahe Köln mit rund 60 000 Einwohnern und 30 Fernsehstudios. 215 Zuschauer passen in das von „Wer wird Millionär?“. 685 Quadratmeter groß, macht rund drei Quadratmeter für jeden. Alles dort soll so aussehen wie im Fernsehen: die beiden Sessel in der Mitte, die beiden Bildschirme, Lichtkegel, Sound. Günther Jauch, das betont Endemol, sei im Angebot nicht inbegriffen. Wer also moderiert: Der Chef? Die Sekretärin? Ein Mitarbeiter? Und ist das dann Strafe oder Auszeichnung? Im Quiz könne man nach den „Topsellern der Firma“ fragen, schlägt Endemol vor.

Da aber nicht jedes Unternehmen eigens für die Firmenparty nach Köln anreisen möchte, hat Endemol auch fahrbare Kulissen im Programm, die aus  „Deal or no Deal“ oder „17 Meter“ (Pro Sieben) zum Beispiel. Aufgebaut werden können die aber auch nur in einer Messehalle. In „17 Meter“, moderiert von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, werden den Kandidaten Fragen gestellt, die diese erst beantworten dürfen, nachdem sie die 17 Meter zurückgelegt haben. „17 Meter“ eigne sich hervorragend, Führungskräfte oder ganze Abteilungen gegeneinander antreten zu lassen, „energiegeladen“ und „spektakulär“ werde die Show. Auch hier gilt: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind nicht im Preis inbegriffen.

„Deal or no Deal“ war die Sendung, in der junge, gut aussehende Frauen, die sogenannten „Koffergirls“, in knappen Kleidern auf einer Treppe standen, jede von ihnen hielt einen Koffer in der Hand. Darin waren verschiedene Geldbeträge, aber nur ein Koffer durfte ausgewählt werden. Überlegen, abwägen, bangen. 2008 ist die Show im deutschen Fernsehen abgesetzt worden. Für Firmenpartys wird die Bühnendekoration originalgetreu nachgebaut. Der Mehrwert für das Unternehmen? „Ein spielerisches Abbild für Entscheidungsprozesse“, schreibt Endemol, „mit hohem Erinnerungswert“.

Wie viel ein solches Event in Fernsehatmosphäre kostet, möchte Endemol nicht sagen. Die Anfragen für Firmenparties kämen aus der ganzen Bundesrepublik, eine Mindestanzahl an Teilnehmern gibt es nicht. „Theoretisch kann man das Studio auch alleine mieten“, sagt die Sprecherin von Endemol. Am Ende bekommen alle Teilnehmer eine Erinnerungs-DVD. „Natürlich bieten wir im Anschluss an die Show auch das ganz klassische Event an, gemeinsames Essen und Feiern.“

Sind die Kameras aus, ist also wieder alles beim Alten: Häppchen, Sekt, Rumstehen.

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