Medien : Neue Mörderspiele in Berlin

Thomas Gehringer

Otto putzt sich die Zähne und schaut dabei aus dem Fenster. Das ist normalerweise nicht gefährlich, auch nicht im Berliner Kiez. Doch es ist Krimizeit, Samstagabend im ZDF, kurz nach 20 Uhr 15. Wir beobachten die Morgentoilette Ottos also durch die Linse eines Zielfernrohrs. Bald darauf fällt ein Schuss. Der Scharfschütze hat sich nicht den glatzköpfigen Kommissar, sondern eine betagte Frau mitten auf dem Platz als Opfer ausgesucht. Die Tote ist eine unbeliebte Hausbesitzerin. Übt hier ein Mieter mörderische Rache? Oder feuert ein „Sniper“ wahllos auf Passanten?

„Lebende Ziele“, der 29. Fall in der ZDF-Krimireihe „Das starke Team“ aus Otto Garber (Florian Martens) und Verena Berthold (Maja Maranow), lässt sich spannend an. Doch TV-Ermittler sind heutzutage großenteils damit beschäftigt, ihre Eigenheiten zu pflegen. Kommissar Garber zum Beispiel muss sein Image als unzuverlässiger Frauenschwarm bedienen. Diesmal trifft es Hausmeisterin Jutta (Birge Schade). Häufiger Schauplatz ist zudem die Kneipe von Sputnik (Jaecki Schwarz), der als (Ost-)Berliner Original der Reihe ebenfalls zu seinem Recht kommen muss. Für den eigentlichen Fall tut das alles wenig zur Sache. Und auch die mit Michael Mendl und Klaus J. Behrendt besetzten Episodenrollen bleiben blass. Zwar nimmt der Krimi nach einem zweiten Mord Fahrt auf, doch das Motiv des Täters verliert sich im Allgemeinen.

Regisseur Peter F. Bringmann hat eine künstliche Kiez-Welt inszeniert, die weder als Sozialdrama im Hartz-IV-Land noch als bedrohliche Scharfschützen-Action funktioniert. Und sein Altherren-Humor ist auch nur bedingt amüsant: Erstaunlich, wie viele Nackedeis mit Model-Figuren vor der Linse des observierenden Polizisten Scholz (Leonard Lansink) herumturnen. Man hätte Lansink einen niveauvolleren Abschied gewünscht. Er steigt aus und pflegt mit „Wilsberg“ seine eigene Krimi-Hauptrolle weiter.

„Ein starkes Team“, 20 Uhr 15, ZDF

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