Neue Zeitschrift : Lies nach bei Kafka

„Das Buch als Magazin“ verbindet in jeder Ausgabe einen Literaturklassiker mit Reportagen, die dazu passen. Den Anfang machte Franz Kafka mit "Die Verwandlung".

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Das Design schlicht und großzügig, die Idee klar: Das Buch als Magazin kommt grau und trotzdem schick daher
Das Design schlicht und großzügig, die Idee klar: Das Buch als Magazin kommt grau und trotzdem schick daherFoto: promo

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Es muss beruhigend sein, die ersten Zeilen eines neuen Magazins mit einem derart berühmten Romananfang gefüllt zu wissen. „Die Verwandlung“ von Frank Kafka nimmt die erste Hälfte von „Das Buch als Magazin“ ein. Am Rand warten Kommentare, biografische Angaben und Interpretationsansätze in Kafkas verrätselte Welten. Damit verbindet die Zeitschrift Literaturklassiker mit „Geschichten aus dem Alltag, die dazu passen“, wie das graue Paperback-Cover erklärt. Verantwortlich zeichnen die Münchner Joanna Swistowski und Peter Wagner, die sonst für das „Jetzt-Magazin“ arbeiten. „Wir haben uns bewusst für Kafka entschieden. Es ist ja auch eine Verwandlung, die Literatur durchmacht, wenn sie Teil einer Zeitschrift wird“, sagt Wagner.

Für den Erstling hat er bekannte Autoren gewinnen können. Elke Heidenreich bezeichnet in einem charmanten kurzen Abriss Kafka als „banges kleines Hühnchen“ mit ausgewachsener Angststörung. Dem harten Alltag sei Kafka durch die literarische Flucht in einen Käfer-Körper begegnet. Der US-amerikanische Schriftsteller Joey Goebel porträtiert in einer auf Englisch abgedruckten Reportage einen Mann, der Insekten für Filme wie „Spider Man“ trainiert und „40 000 Ameisen beim Vornamen kennt“. Sowohl die Texte selbst als auch ihre Auswahl sind bunt, die beengte Schwere von Kafkas Werk nehmen sie als Vorlage, aber nicht auf. Allerdings merkt man dem Heft an, dass seine Macher so manche gelungene Reportage etwas gewollt berücksichtigt haben. Um einen Mann, der Berge besteigt und dabei stets allen Widrigkeiten zum Trotz seine Geige dabei hat, in die Nähe der „Verwandlung“ zu rücken, braucht es viel Fantasie.

„Ich finde es spannend, wenn journalistische Texte die Menschen dazu bringen, die Klassiker wieder und vielleicht mit neuen Augen zu lesen“, sagt Wagner. Interessant ist vor allem die Wechselwirkung zwischen Klassiker und Reportagen. Wobei sicher hilft, dass Kafkas „Verwandlung“, wie viele Texte des Autors, auch 2013 zeitlos modern wirkt.

Für die zweite Ausgabe im Herbst plant Wagner mit Georg Büchners „Woyzeck“ – und das Heft wieder ohne Anzeigen. Günstig ist das großzügig gestaltete Liebhaberstück mit zwölf Euro nicht – Wagner und Swistowski finanzieren ihr Projekt aus eigener Tasche. Und hoffen, mit „Das Buch als Magazin“ Klassiker der Literaturgeschichte zu Anstößen für die Gegenwart zu nutzen.

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