Neuer Krimi auf ZDFneo: "No Offence" : Drei Engel für Manchester

Die neue britische TV-Serie „No Offence“ von „Shameless“-Schöpfer Paul Abbott zeigt drei toughe Ermittlerinnen in einer dunkel-düsteren Cop-Welt.

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Das Ermittler-Team in "No Offence".
Das Ermittler-Team in "No Offence".Foto: ZDF

Die Dialoge haben es in sich. War der Kraftausdruck „Scheiße“ zu Schimanskis Anfängen noch skandalträchtig, so ist es in der neuen britischen TV-Serie „No Offence“ so eine Art Standard-Ausdruck im Minutentakt. Nicht sonderlich anders verhält es sich mit Feststellungen wie „Die vögelt den“ oder „Der fickt sie“ und der optisch-akustischen Vermessung von „Titten“ – die verbale Polizeiarbeit auf einer recht abgewrackten Polizeistation irgendwo in Manchesters vermutlich düsterster Ecke zeichnet sich offenbar vor allem auch durch solche Formulierungen aus, die etwa im gefühlten Drei-Minuten-Takt fallen.

Vielleicht auch alle zwei Minuten. Das ist gewöhnungsbedürftig. Marginales Detail am Rande: die drei Cops, die hier miteinander kommunizieren, sind allesamt weiblich und einander dienstlich unterstellt. Aber in diesem Manchester hier gilt: Well, we just give a damn shit.

Paul Abbott hat das neue Damen-Trio ersonnen. Abbott – bekannt für seine Drehbücher zur preisgekrönten, 2011 gestarteten Showtime-Pay-TV-Serie „Shameless“, die sich zwischenzeitlich in Staffel sieben bewegt (und im deutschsprachigen Raum auf Kabel eins und ORF eins zu sehen ist), oder für „Hit and Miss“ – hat auch zu „No Offence“, das in etwa „Nichts für ungut“ bedeutet, die Bücher zusammen mit Co-Autor Paul Tomalin verfasst, und er hat mit seiner Produktionsfirma Abbot Vision auch gleich mitproduziert.

"No Offence“ ist also ganz Paul Abbotts neuestes Kind. Und Abbott selbst bezeichnet die Cop-Crime-Serie als eine Mixtur aus „Polizeidrama, Familiensaga und sozialen Missständen“. Auf Channel 4 hatte diese Serien-Mixtur am 5. Mai 2015 ihre Premiere, der Erfolg veranlasste den Sender schließlich, eine zweite Staffel in Auftrag zu geben. Derzeit wird in Manchester wieder gedreht, im Herbst 2016 soll Staffel zwei in England zur Ausstrahlung kommen.

Am besten handschriftlich und ganz persönlich

Chefin der drei furchtlosen Engel ist die recht korpulente, umso angstfreiere Detective Inspector Vivienne Deering (Joanna Scanlan, „The Thick of It“), die stets sagt, was sie denkt, schnörkelfrei und unumwunden, und dabei ganz einfach ziemlich ordinär. Deering direkt unterstellt sind die alleinerziehende Mutter Detective Constable Dinah Kowalska (Elaine Cassidy, „The Paradise“), die, aktuelles Thema, aus Osteuropa stammt und zuhause mit Tochter und Mutter in ihrer (deutsch untertitelten) Heimatsprache spricht; sowie die verhuscht-schüchterne Detective Constable Joy Freers (Alexandra Roach, „Utopia“).

Eine von den beiden Constables soll nun zum Sergeant befördert werden, und eigentlich ist für alle auf dem Revier vollkommen klar, dass es die toughere, coolere, clevere Dinah wird. Doch Dinah begeht in den aktuellen Ermittlungen einen folgenschweren Fehler, bei dem ein Mensch stirbt, und so legt Chief Vivienne ihr unmissverständlich nahe, das Beförderungsgesuch zurückzunehmen – am besten handschriftlich und ganz persönlich. Neuer Sergeant wird zu aller Überraschung nun das graue Mäuschen Joy. Eine echte Herausforderung, für Joy und die Kolleginnen.

Der erste Fall, „Wo ist Cathy?“, wird einer sein, der sich durch alle acht Folgen der ersten „No Offence“-Staffel ziehen wird, in jeder weiteren der darauffolgenden sieben Folgen wird parallel ein Nebenfall etabliert. Das ist zumindest stellenweise etwas verwirrend. Der eigentliche Fall liegt zunächst dem Anschein nach schnell auf der Hand: ein Serienkiller bringt Mädchen, junge Frauen, um, die das Down-Syndrom haben und sich prostituieren. Nun wird auch die junge Cathy vermisst. Und erst in Folge acht, „Klare Wut“, wird die Identität des Serienkillers aufgedeckt. Es gilt also, dranzubleiben.

„No Offence“ ist – neben der manchmal etwas zu betont vulgären Verbal-Akrobatik der neuen Cop-Damen – derb und herb, hart und heftig. Sehr heutig. Sehr modern. Manches Mal vielleicht etwas wirr, manchmal auch etwas nervig. Nicht alle Handlungsstränge sind von Beginn an klar erkennbar. Dann wieder, gerade wenn es ins Persönliche der drei Frauen geht, ins verletzlich Biographische, ist die neue Serie emotional und bewegend. So oder so: nichts für die five o´clock tea-time, indeed.

„No Offence“, erste Staffel, acht Folgen, donnerstags, ZDFneo, 21 Uhr 45

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