Medien : News aus der Wüste

Von Al Arabija bis CNN: In der Media City in Dubai ist ein internationales Medienzentrum entstanden

Andrea Nüsse[Dubai]

Bis in die 70er Jahre unterhielten die internationalen Medien ihre Korrespondentenbüros im westlichen Beirut. Dann kam der Bürgerkrieg, und die Korrespondenten-Karawane zog weiter. Die meisten nach Kairo. Mittlerweile haben einige wieder die Umzugskartons gepackt, Ziel: Dubai. Seit 2001 gibt es dort eine so genannte Media City. Sie erstreckt sich entlang des Weges von Dubai nach Abu Dhabi und ist dabei, eine Drehscheibe für den internationalen Medienmarkt zu werden.

Es begann mit der saudischen Middle East Broadcasting Cooperation (MBC), die 2002 ihren Sitz von London nach Dubai verlegte. Ein Jahr darauf startete die Firma in der Media City den Nachrichtensender Al Arabija, der seither dem qatarischen Sender Al Dschisira Konkurrenz macht. Reuters, Agence France Presse und CNN haben mittlerweile ihre Regional-Büros nebeneinander in der Media City. Insgesamt haben sich dort 800 Unternehmen und 300 Freelancer niedergelassen. Darunter selbst ein Sender, der sich Earth TV nennt und der Live-Bilder von Unter den Linden oder New York zeigt; an 70 weltweiten Standorten hat der Kanal seine Kameras installiert. Earth TV könnte also überall seinen Sitz haben, doch Tewe Pannier und die anderen Teilhaber haben sich für Dubai entschieden. „Hier finde ich alle Global Player auf ein paar Quadratmetern“, sagt Pannier.

Der Vorteil der Media City ist nicht nur die Zusammenballung der Medien. In Dubai herrscht völlige Meinungsfreiheit, ein Gut, das in der arabischen Welt nicht weit verbreitet ist. Außerdem werden in der Media City keine Einkommens-, keine Körperschaftssteuer und keine Zölle erhoben. Die Ausländer müssen auch keine lokalen Sponsoren mit 51 Prozent an ihren Unternehmen beteiligen, wie dies außerhalb der Freihandelszonen Pflicht ist.

Manche Firmen mieten sich wegen der finanziellen Vergünstigungen in der Media City ein, arbeiten aber gar nicht dort. Das wollen die Betreiber eigentlich nicht mehr dulden. „Wir wollen nicht nur Mieteinnahmen, hier soll eine globale Plattform für Kreativität und neue Ideen entstehen“, sagt Sando Capelle, der in der Media City für Vermarktung zuständig ist. Vier Jahre nach ihrer Gründung kann die Betreiber-Gesellschaft tatsächlich wählerischer sein: Es gibt lange Wartelisten für Büroräume. Angeblich warten 70 Unternehmen auf Einlass.

Und in der Media City ist man streng mit den Mietern: Wer nach einem Jahr keinen Erfolg oder kein Geld mehr hat, fliegt raus.

„Eine urkapitalistische Auslese“ nennt das Tewe Pannier von Earth TV, der gerade eines der umkämpften Büros ergattert hat. Sando Capelle von der Media City sagt, dass man insbesondere an Fernsehsendern und Werbeagenturen interessiert sei: Sie nutzten die Sendeanlagen und die Telefonleitungen mehr als andere – daran verdient die Media City jedes Mal mit. „So schreiben wir bereits nach drei Jahren schwarze Zahlen“, sagt Capelle. 24 Millionen US-Dollar jährlich kämen aus Mieteinnahmen zusammen, noch mal die gleiche Summe aus Serviceleistungen.

Angespornt durch das rasante Wachstum wird die Media City ständig erweitert. Gerade bauen private Investoren 40 neue Hochhäuser. Eine Produktionszone wurde ausgelagert, und eine so genannte Studio City soll mit Filmstudios die internationale Filmindustrie anziehen, hier Filme zu drehen. Integriert wird sie in den Vergnügungspark „Dubai Land“, in dem Touristen durch die Filmkulissen spazieren sollen. Das erste internationale Filmfestival in Dubai, veranstaltet im Dezember 2004, hat bereits die Blicke der Filmindustrie auf Dubai gelenkt.

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