Medien : Nie wieder Krieg

Privatsender ProSieben verfilmt „Die Brücke“ neu

Joachim Huber

Der Mut ist groß. Der Privatsender ProSieben wird den Roman „Die Brücke“ neu verfilmen. Das Vorbild ist gewaltig. 1959 gelang Regisseur Bernhard Wicki ein Klassiker des Antikriegsfilms, als er die gleichnamige Romanvorlage von Manfred Gregor nutzte. Manfred Gregor ist ein Pseudonym für Gregor Dorfmeister, der in dem 1958 erschienenen Buch seine eigenen Kriegserlebnisse verarbeitet hat. Der 77-jährige Dorfmeister, früher Leiter der Lokalzeitung „Tölzer Kurier“, liest und diskutiert seinen Roman nach wie vor in Schulen. „Wer erlebt, wie sich schon nach kurzer Zeit Schüler und Autor in einer intensiven Debatte befinden, der weiß, welche Aktualität, welche Zugkraft dieser Stoff auch heute für das junge Publikum besitzt“, sagt Wolfgang Oppenrieder. Er ist der verantwortliche Redakteur Deutsche Fiction bei ProSieben. Die Idee zur Neuverfilmung – „kein Remake!“ – stammte von der Münchner Produktionsfirma Lionheart, die sich die Rechte von Dorfmeister gesichert hatte und mit Wolfgang Kirchner beim Drehbuch auf jemanden setzt, der schon mit Wicki zusammengearbeitet hatte. Dann lag die Idee beim Privatsender ein wenig, ehe im Sommer der neue Senderchef Andreas Bartl der Umsetzung zustimmte. Jetzt ist das Projekt in der Stoffentwicklung.

Ein durch und durch anspruchsvoller Film soll „Die Brücke“ werden, ein „Event-Movie“ mit 90 Minuten Länge, wie Oppenrieder sagt. Ein wesentlicher Unterschied zum Film von 1959 werde folgende Verschiebung in der Dramaturgie sein: „Im Wicki-Film wird die Geschichte der Jungen, die plötzlich als Soldaten kämpfen müssen, sehr stark als Schicksal erzählt, sprich aus der Sicht der Jungen, die zu Opfern werden.“ Der ProSieben-Film betone dagegen den Konflikt eines, des Helden in der Gruppe der Sechzehnjährigen: Soll er kämpfen oder nicht? Was da im Mai 1945 in ihm ringt, wird nach dem sinnlosen Kampf mit den vorrückenden US-Truppen zur Haltung: Nie wieder werde er zur Waffe greifen, den Rest seines Lebens werde er gegen den Krieg ankämpfen. Oppenrieder sagt, es sei die Entwicklung eines anfangs schwachen Menschen zu einem starken Charakter, zu einem Menschen, der für sich eine Perspektive gewinne.

Während Wicki erst im Schlussteil den Kampf um die Brücke schildert, ist er im ProSieben-Film von Beginn an die Folie für das dramatische Geschehen. Diesem sind laut Oppenrieder zwei Liebesgeschichten eingezogen: „eine tragisch-verbotene zwischen Schüler und Lehrerin, eine romantische zwischen einem anderen Schüler und einer Schülerin.“ Besetzung, Regie, Sendetermin – alles offen. „Wir planen den Drehbeginn für Herbst 2007.“

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