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Murdoch stellt Tablet-Zeitung „The Daily“ ein.

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Klarer Auftritt. „The Daily“, Ausgabe vom 3. Dezember 2012. Foto: dpa
Klarer Auftritt. „The Daily“, Ausgabe vom 3. Dezember 2012. Foto: dpaFoto: dpa

Gedacht war sie als „Zeitung der Zukunft“, aber schon am 15. Dezember wird „The Daily“ Vergangenheit sein. Die News Corporation stellt zu diesem Termin die zunächst nur für das Apple-Tablet iPad produzierte und im Februar 2011 gestartete Tageszeitung ein. Es sei nicht gelungen, genügend Leser zu finden, um die Tablet-Zeitung auf Dauer zu betreiben, teilte News Corporation am Montag mit. Die Zahl der Abonnenten soll zuletzt bei knapp 100 000 gelegen haben, viel zu wenig, um die wöchentlichen Produktionskosten von einer halben Million Dollar zu decken. Dazu kamen Entwicklungskosten von rund 30 Millionen Dollar. Bereits im August dieses Jahr waren 50 von 120 Stellen gestrichen worden. Jetzt wird die Redaktion in New York aufgelöst, Gründungschefredakteur Jesse Angelo kommt als Herausgeber beim Boulevardblatt „New York Post“ unter.

Auch die Erweiterung auf Smartphones und eine Version für Android-Tablets hatten nicht die erwünschten Erfolge gebracht. Im Wochen-Abo kostete „The Daily“ 99 Cent, im Jahr 39,99 Dollar (rund 30 Euro). News Corp-Chef Rupert Murdoch sagte, „The Daily“ sei ein „mutiges Experiment“ gewesen. Der Journalismus sollte „neu“ erfunden werden, das Projekt eine „transformierende Wirkung“ auf die Branche haben, die sich auf dem Weg vom Print- zur Online-Zeitung befindet. Wer „The Daily“ genutzt hat, der bekam großzügige Bilder-Optiken und vor allem massengängige Themen geboten. Das betraf weniger den Stil als die Aufbereitung der Themen. „The Daily“ wollte Boulevard, Bordstein wollte die Redaktion nicht.

Das Ende der Tablet-Zeitung ist nur ein Baustein bei der massiven Umstrukturierung bei der News Corporation. Der Konzern soll in zwei separate börsennotierte Gesellschaften aufgespalten werden. Eine wird für den Buch- und Zeitungsmarkt (Harper Collins, „Wall Street Journal“) zuständig sein, die andere für den Bereich Film und Fernsehen (20th Century Fox, Fox News). Der Chefredakteur des „Wall Street Journal“, Robert Thomson, wird Chef der angekündigten Buch- und Zeitungssparte.

Rupert Murdoch selbst will bei der Bewegtbild-Sparte die Zügel in der Hand behalten. Der Unternehmensteil firmiert künftig unter dem Namen Fox Group. Als Geschäftsführer soll Murdoch dabei Chase Carey zur Seite stehen, der diese Rolle bereits bei der News Corporation innehatte. „Das ist eine unglaublich aufregende Zeit für mich persönlich und für die ambitionierte Zukunft unserer Unternehmen“, sagte der 81-jährige Murdoch. Auch bei seinem britischen Zeitungsableger News International, der wegen eines Abhörskandals im vergangenen Jahr in die Kritik geraten war, dreht sich das Personalkarussell. Unternehmenschef Tom Mockridge gibt seinen Posten zum Jahresende ab, als Nachfolger präsentierte Murdoch am Montag den Fernsehmanager Mike Darcey. Darcey leitete bereits bei Murdochs Bezahlsender BSkyB das operative Geschäft.Joachim Huber

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