Medien : Oscar, wir kommen

„Nirgendwo in Afrika“: Lobby-Arbeit für deutschen Film

Thilo Wydra

Peter Herrmann war gerade in Kenia, just dort, wo Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ spielt, als er von der Oscar-Nominierung via Handy erfuhr. Seine Kollegin Gloria Burkert saß bei einem Berlinale-Essen und „sprang dann laut schreiend auf“. Zusammen mit Andreas Bareiß führt das Produzenten-Trio gemeinsam die 1994 gegründete Medien & Television München (MTM). Natürlich werden sie am Sonntag bei der Oscar-Verleihung im „Kodak Theatre“ in Hollywood sitzen. Der Liebesfilm von Caroline Link muss gegen vier weitere Mitstreiter bestehen, darunter Aki Kaurismäki mit „Der Mann ohne Vergangenheit“ und Zhang Yimou mit „Hero“, um als bester nichtenglischsprachiger Film ausgezeichnet zu werden.

Während der Tage vor der Verleihung hatten Burkert, Herrmann und Bareiß einen dichten Terminplan: Interviews, Meetings, zwei erste Academy-Empfänge, bei denen schon einmal die Urkunde zur Nominierung überreicht wird, und ein groß angelegtes, öffentliches Symposium mit den Vertretern der einzelnen Filme. „Das bedeutet schon unglaublich viel, sowohl für uns, als auch für den deutschen Film, wenn man bedenkt, dass dort 58 Filme für diese Kategorie eingereicht werden - jeweils der Beste aus dem entsprechenden Land“, so Peter Herrmann.

Zahlkreiche PR-Maßnahmen

Natürlich hat man drüben vorab für den deutschen Beitrag mit einer Kampagne geworben, wurden Anzeigen in den drei Branchenblättern „Variety“, „Hollywood Reporter“ und „Screen International“ geschaltet. „Nirgendwo in Afrika“ läuft gerade auch in US-Arthouse-Kinos an, etwa in New York und Los Angeles, mit insgesamt etwa 30 Kopien - das entspricht dort einem mittleren Start eines solchen Filmes. Die Oscar-Kampagne und die Vorbereitungen des US-Startes liefen nahezu parallel, was dem Film nur helfen kann: „Im Endeffekt hatten wir jede Menge PR-Agenten, die auf diesem Feld tätig waren, erst für den Golden Globe, dann für den Oscar und schließlich für den Filmstart“, sagte Herrmann. Die Strategie des US-Verleihs bestand darin, den Film erst auf möglichst vielen US-Festivals zu zeigen – und so kam man auf insgesamt zwölf Festivals und vier Preise.

Die 400 Leute, die über die Kategorie des besten nichtenglischsprachigen Filmes abstimmen werden, jedoch zu beeinflussen, ist nahezu unmöglich. Jeder von ihnen muss die fünf Oscar-Kandidaten in den Screenings auf Leinwand gesehen haben – „diese 400 machen sich ihr Bild, und dann stimmen sie ab. Da kommt es allein auf den Film an“, sagt Peter Herrmann und hofft auf deren Votum für „Nirgendwo in Afrika“.

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