Ottfried Fischer als "Pfarrer Braun" : Jetzt noch langsamer

Ottfried Fischer verabschiedet sich wegen seiner Parkinson-Erkrankung von seiner Rolle als „Pfarrer Braun“. Auf der Bühne soll’s auf jeden Fall weitergehen.

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Ottfried Fischer als "Pfarrer Braun"
Ottfried Fischer als "Pfarrer Braun"Foto: ARD Degeto/Bernd Schuller

„Ich bin gerade dabei, meine irdische Hülle abzugeben, das ist eine Riesenarbeit bei meinem Gewicht, das können Sie sich vorstellen.“ Seinen Humor hat Ottfried Fischer in seiner Rolle als Pfarrer Braun trotz unheilbarer Krankheit nicht verloren. Auch nicht bei seinem vermutlich letzten Fernseh-Auftritt am Donnerstagabend. Eine Kriminalschmonzette im Ersten, wie gewohnt, die sonst keiner größeren Kritikererwähnung wert wäre, würde sich hier nicht ein Großer des Fernsehens langsam zurückziehen.

Nicht erst mit dem „Pfarrer Braun“ gehört Ottfried Fischer zur jüngeren Geschichte des deutschen Fernsehens. 1985 gab ihm Franz Josef Bogner die erste Hauptrolle in der Serie „Irgendwie und Sowieso“ und die Rolle des Felix in „Zur Freiheit“ – Startschuss für eine Karriere über die Grenzen Bayerns hinweg. 1995 Fischers größter Erfolg in der populären Serie „Der Bulle von Tölz“ auf Sat1. Dort verkörpert er den Kommissar Benno Berghammer, der Morde in der oberbayerischen Kleinstadt Bad Tölz aufklärt und bei seiner Mutter wohnt. Vor fünf Jahren war der 60-Jährige zum letzten Mal in dieser Paraderolle zu sehen. Ende 2012 folgte der Abschied von seiner geliebten, 1995 gestarteten Kabarettsendung„Ottis Schlachthof“ im BR. Nun ist also nach elf Jahren Schluss mit „Pfarrer Braun“.

„Das Fernsehen zieht sich von mir zurück“

Schuld ist „Kollege Parkinson“, wie Fischer seine Krankheit nennt. Er ist recht schnell und recht offen mit seiner Erkrankung umgegangen. Anfang 2008 hatte Ottfried Fischer sie publik gemacht. „Das Fernsehen zieht sich von mir zurück“, meinte er kürzlich. Die Dreharbeiten zu diesem „Pfarrer Braun“, so sagt Fischer im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München, seien sehr beschwerlich gewesen. Man merkt es dem Film an. Ottfried Fischer nuschelt sich noch ein bisschen mehr als sonst durch die 90 Minuten. Durch seine Krankheit fällt ihm das Sprechen schwerer. Es ist ein zwiespältiges Gefühl, dem länger zuzuschauen. Schleppender Gang, starre Gesichtszüge. Man möchte nicht unbedingt sehen, wie ein erfahrener Mime es auf höchstens zwei Gesichtsausdrücke bringt, kaum fünf Schritte am Stück gehen kann. Der Schauspieler und Kabarettist Fischer lässt es sich dabei aber nicht nehmen, seiner Hassliebe zu Bayern Ausdruck zu geben. Der Wettkampf zwischen Sensenmann und bayerischer Bürokratie sei noch lange nicht entschieden.

„Brauns Heimkehr“ heißt diese prominent besetzte „Pfarrer Braun“ Folge. Auch Braun muss seinen Job weitgehend aufgeben, weil er unheilbar krank ist. Die letzte Reise steht bevor. „Rechnen Sie in Monaten“, sagt der Arzt. Bischof Hemmelrath (Hans-Michael Rehberg), der mit der Kardinalswürde endlich am Ziel seiner Träume angelangt ist, schickt den umtriebigen, aber gesundheitlich angeschlagenen Pfarrer Braun zurück in sein bayerisches Heimatdorf.

Dort soll er Ruhe und Erholung finden. Der Plan scheitert aber schon auf dem Weg dorthin, weil Braun in einen seltsamen Unfall mit einem trächtigen Schaf verwickelt wird und kurz darauf im Kloster seines Heimatortes ein Mönch brutal überfallen wird. Jemand schneidet ihm den Daumen ab. Braun, der Hobbydetektiv, den seine Ermittlungen in Anlehnung an Chestertons Pater Brown dank diverser Strafversetzungen quer durch die Republik führten, wittert noch mal einen großen Kriminalfall und scheut auch nicht davor zurück, das große Heiligtum des Katholizismus unter die Lupe zu nehmen: den Vatikan. Es ist das erste Mal in 21 „Pfarrer Braun“-Fällen, dass das Schwergewicht Gottes, der „Tabernakel-Columbo“ (in Anlehnung an die berühmte US-Krimiserie), den Vatikan besucht. Und es ist das letzte Mal, dass Fischer in seiner Paraderolle zu sehen ist. Dank katholischer Fachberatung geht das natürlich nicht ohne Zwiesprache mit dem Herrn und ominöse Heiligsprechungsprozesse ab.

Vielleicht, so hat Fischer angedeutet, hat das Fernsehen auch nach „Pfarrer Braun“ noch Verwendung für ihn. Weit weg vom Tölzer Bullen oder Pfarrer Braun dürfte das nicht sein. Markenzeichen: behäbig und gewitzt. Ottfried Fischer ist Ottfried Fischer. Auf der Bühne soll’s auf jeden Fall weitergehen. Gerade feierte Fischers neues Soloprogramm Premiere. Titel: „Jetzt noch langsamer“.

„Pfarrer Braun“, Donnerstag, ARD, 20 Uhr 15

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