Medien : Poker mit 35 Spielern

Freitagsspiel, Match of the day am Samstag, Zusammenfassung erst ab 22 Uhr? Die Bundesliga-Rechte sind auf dem Markt

Markus Ehrenberg,Joachim Huber

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Dienstag das bisher größte Bieterverfahren für die Medienrechte an den beiden Fußball-Bundesligen eröffnet. Bis zum Stichtag, 1. Dezember, können die 35 Bewerber aus dem Bereich des Free-TV (ARD, ZDF, Sat1, DSF, RTL), des Abo-Fernsehens (Premiere, Kabel Deutschland), der Agenturen, der Telekommunikations- und der Internetsparte ihre Angebote bei der DFL abgeben. Die Rechtepakete beziehen sich auf maximal drei Spielzeiten ab der Saison 2006/2007. Den Interessenten, darunter acht Fernsehveranstaltern, 16 Agenturen und acht börsennotierten Unternehmen, werden sechs Übertragungsszenarien und insgesamt 233 einzelne Verwertungsangebote offeriert.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte, die Liga erwarte aus den Rechten für TV und Radio, Mobilfunk und Internet höhere Einnahmen als bisher. Eine Zahl nannte er nicht. In dieser Saison erlöst die Liga 300 Millionen Euro. Liga-Chef Werner Hackmann unterstrich: „Die audiovisuellen Rechte sind für unsere Vereine die wichtigste Refinanzierungsquelle, um in Europa wettbewerbsfähig zu sein.“ Unabhängig davon, welches Modell zum Tragen kommt: Die beiden Ligen werden von jetzt 36 Vereinen nicht aufgestockt, Relegationsspiele um den Aufstieg wird es nicht geben. Grundsätzlich bleibe Samstag, 15 Uhr 30 bis 17 Uhr 15, Kernspielzeit der ersten Liga, so Christian Seifert. Letztlich werden die Sende- und Anstoßzeiten erst mit der Vergabe der Pakete feststehen.

Kernpunkt des Vergabeverfahrens sind drei Regelspielpläne mit jeweils zwei unterschiedlichen Verwertungsszenarien (siehe Kasten). Beim Spielplan 1 bleibt die bisherige Aufteilung der Partien der Ersten Liga auf Samstag (7 Spiele) und Sonntag (2) bestehen. Die Free-TV-Zusammenfassung der Samstag-Partien sollen in einer Variante frühestens um 18 Uhr 30 starten, derzeit beginnt die ARD-„Sportschau“ um 18 Uhr 10. Damit erhielte das Abo-Fernsehen Premiere – wie gefordert – mehr Exklusivität für seine Live-Spiele am Samstagnachmittag. Die Free-TV-Zusammenfassung der Sonntagsspiele soll im Gegensatz zur derzeitigen Lösung (DSF sendet ab 19 Uhr) erst nach 22 Uhr erfolgen.

Bei den Modellen 2 und 3 sind als Neuerung ein Freitagsspiel um 20 Uhr 30 und eine Samstagspartie um 18 Uhr 30 als „Match of the day“ ausgeschrieben. Beide Begegnungen können sowohl von Free-TV-Sendern als auch von Pay- TV-Anbietern für Live-Übertragungen erworben werden. Dies böte aus Sicht der DFL die Chance, nur fünf der sechs Samstagsbegegnungen sowie das Freitagsspiel im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Das sechste Samstagsmatch könnte von einem Sender exklusiv übertragen werden. Die übrigen dürften erst ab 22 Uhr darüber berichten. Das könnte zum Beispiel eine Aufwertung des traditionellen „Sportstudios“ bedeuten, dass das „Match of the day“ am Samstagabend als erster Free-TV-Sender zeigen würde – wenn das ZDF für dieses Modell der DFL ein Angebot macht.

Weiter besteht die Option, dass die Übertragungsrechte für alle Samstagsspiele an Premiere gehen und ARD und ZDF erst ab 22 Uhr berichten dürften – also keine „Sportschau“ vorher. Diese Variante war im Vorfeld auf harsche Kritik bei Fans und Politikern gestoßen.

Je nachdem, was die Sender und andere Unternehmen zum 1. Dezember nachfragen, können sich nach der Abgabefrist Verhandlungen mit einzelnen Interessenten anschließen. Bis zum 1. Dezember können diese quasi nur zum Briefkasten laufen und „Blindangebote“ abgeben. ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte dem Tagesspiegel, „wir müssen bei unserem Angebot eben auch die möglichen Interessen der Konkurrenz mitbedenken, wir müssen eine aussichtsreiche Summe in den Topf geben.“ Beim ZDF zum Beispiel richtet sich das Interesse auf eine Nachverwertung der Samstagsspiele im „Sportstudio“ um 22 Uhr.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nannte als wesentliche Kriterien für die Vergabe: „Bedürfnisse der Fans und Zuschauer, redaktionelle Kompetenz, zu erwartende Zuschauerreichweite, strategische Perspektive, Bonität des Bewerbers und natürlich auch wirtschaftliche Attraktivität des Bewerbers.“ Das wirtschaftlich attraktivste Angebot müsse nicht das beste und für die Liga sinnvollste Angebot sein. Wichtig sei zudem, dass die Marketing-Einnahmen der 36 Profiklubs, die auch von den bisherigen Reichweiten der Übertragungen und Zusammenfassungen bestimmt würden, nicht übermäßig beschnitten werden dürften. Die Marketing-Einnahmen der Vereine lägen in der laufenden Saison bei 337 Millionen Euro.

Bei allen Verwertungsszenarien soll die Position des Pay-TV gestärkt werden. Der Abo-Sender Premiere, der bisher 180 Millionen Euro pro Saison zahlt, ist bereit, für mehr Exklusivität mehr Geld auf den Tisch zu legen. Mehr Exklusivität bedeutet: deutlich größerer zeitlicher Abstand zwischen Live-Übertragung auf Premiere und Zusammenfassung im Free-TV als bisher. Neben Premiere soll auch Kabel Deutschland um die Pay-TV-Rechte bieten. Aber auch für frei empfangbare Sender wie ARD, ZDF, RTL oder DSF ergeben sich neue Möglichkeiten. „Alle Bundesliga-Spiele sind live im Free-TV oder Pay-TV ausgeschrieben“, sagte Seifert.

Wie bekommt die DFL am meisten Geld? Klar dürfte sein, dass die Erlöse umso höher werden, je mehr Exklusivität sie den einzelnen Wettbewerbern einräumt. Hier gilt die Formel wie in Spanien und England: mehr Anstoßzeiten (siehe Kasten: Spielplan 3), mehr Verwertungsmöglichkeiten, mehr Geld.

Siehe auch Sport, Seite 24

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben