Medien : Polizeiruf mit Napoleon

Der ORB-Krimi führt weit in die Vergangenheit zurück

Alva Gehrmann

„Ich habe gedacht, wir machen uns ein paar schöne Tage, und dann erwartet uns das: Der Krieg“, sagt Kommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge) zu ihrem Freund Robert Beck. Schnell erkennt sie, dass sie das romantische Wochenende in der Provinz vergessen kann, denn rund um den Ort Großbeeren treffen die beiden nur auf Soldaten – aus der Zeit Napoleons. 1813 musste der französische Feldherr hier seine erste Niederlage hinnehmen. Die siegreichen Preußen feiern dieses historische Ereignis noch heute; indem sie Leben und Sterben der Soldaten nachstellen. Herz ist genervt, ihr Freund Beck (Peter Prager) hingegen begeistert. Schließlich ist er Historiker und einer Sensation auf der Spur – Napoleon soll den Kampf benutzt haben, um den Geliebten seiner Geliebten aus dem Weg zu räumen. Beweise für diese unglaubliche Geschichte hat Amelie Wieland (Julia Jäger) gefunden, die als Bibliothekarin im Ort arbeitet. Herz ist davon wenig beeindruckt. Doch dann passiert ein Mord. Und irgendwie scheint dieser mit dem Mord von vor beinahe 200 Jahren zusammenzuhängen, denn der Tote ist Militariensammler.

„Polizeiruf 110: Die Schlacht“ (20 Uhr 15, ARD) ist der zweite Fall von Kommissarin Herz und er führt sie weit in die Vergangenheit zurück. Nachdem sich das ZDF dieser Epoche in einem Vierteiler gewidmet hat, versetzt uns nun der ORB in das 19. Jahrhundert. Die zeitliche Nähe zum ZDF-„Napoleon“ sei ein Zufall, sagt Redakteurin Cooky Ziesche. Sie hatte die Idee für den Kriminalfall mit historischer Schlacht, nachdem sie sich das echte Großbeerener Siegesfest angesehen hatte.1999 fuhr sie gemeinsam mit den Autoren Scarlett Kleint und Michael Illner nach Großbeeren.

Daraus entstanden ist ein Drehbuch, das neben dem eigentlichen Kriminalfall auch auf die komischen Momente setzt, die bei der Vermischung der alten und neuen Zeit entstehen können. Etwa wenn Revierpolizist Krause, witzig gespielt von Horst Krause, von seiner Chefin Herz überredet wird, gemeinsam mit den Freizeit-Soldaten im Biwak zu leben. Natürlich um verdeckt zu ermitteln. Der dicke Polizist mit der frechen Schnauze ist wenig begeistert von seiner neuen Aufgabe als Rekrut. Auch weil er erst mal das preußische Exerzierreglement lernen soll. „Ich habe die Nase voll von Soldat spielen. Ich will nach Hause“, meckert Krause zunächst. Doch dann gewöhnt er sich an das neue Amt.

Im Polizeiruf wurde auf die historischen Details geachtet. Geholfen hat der Verein der 4. Bataillon der 3. Kurmärkischen Landwehr, der jedes Jahr das Großbeerener Siegesfest organisiert und durchführt. Die 40 Vereinsmitglieder waren zugleich auch Statisten. Die Hälfte hat sich für die Zeit der Dreharbeiten sogar Urlaub genommen und lebte währenddessen wirklich in den Biwaks. Und zwar so wie es 1813 üblich war: Ohne Handys oder Uhren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar