Presse-Ethik : „Vorsätzlich blind“

„Wir wissen, dass wir damit Neuland betreten": Medienausschuss des britischen Unterhauses spricht Medienmogul Rupert Murdoch die Eignung als Unternehmer ab.

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Verdächtig: Der US-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch (links) und sein Sohn James Murdoch. Foto: AFP
Verdächtig: Der US-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch (links) und sein Sohn James Murdoch. Foto: AFPFoto: AFP

Mit schärfster Kritik an der Unternehmensführung von Rupert und James Murdoch hat der Medienausschuss des britischen Unterhauses neue Fragezeichen zur Zukunft der Murdochs und ihres Medienimperiums in Großbritannien gesetzt. „Eine Mehrheit des Ausschusses kommt zum Schluss, dass Rupert Murdoch nicht geeignet ist, ein großes internationales Unternehmen zu führen“, berichte Ausschussmitglied Tom Watson bei der Vorlage des Berichts.

Rupert und seinem Sohn James Murdoch, Chairman des britischen Pay-TVSenders BSkyB, wird „vorsätzliche Blindheit“ gegenüber den Verfehlungen der Boulevardzeitung „News of the World“ und anderer Titel in ihrem britischen Zeitungsverlag News International vorgeworfen. Vor allem James Murdoch dürfte nun unter wachsenden Druck kommen, sich ganz aus der Unternehmensgruppe News Corp zurückzuziehen.

Erst vor einer Woche hatte die Medienregulierungsbehörde Ofcom ihre Prüfung der Eignung von Murdochs Pay-TV-Sender BSkyB als Inhaber einer Rundfunklizenz zugespitzt und die Beweisaufnahme in dem Prüfverfahren eingeleitet. Murdochs Holding News Corporation hat 39 Prozent Anteile und die Stimmenmehrheit an BSkyB. Der Versuch von News Corp, die restlichen Anteile ganz zu übernehmen, musste wegen des Abhörskandals und der wachsenden Zweifel an den Praktiken der Murdochs bereits zurückgezogen werden. Nun wird wahrscheinlicher, dass News Corp weitere Aktienanteile an BSkyB aufgeben muss. Ofcom bestätigte, dass der Ausschussbericht bei der Entscheidung berücksichtigt werde.

Der Bericht folgert, dass drei Spitzenmanager von News International, einer Tochter der Konzernholding News Corporation, den Ausschuss und damit das Parlament wissentlich irregeführt haben. Dies sind Les Hinton, früher Spitzenmanager von News International, der Chefredakteur der „News of the World“, Colin Myler, und der Chef der Rechtsabteilung, Tom Crone. Der Ausschuss will, dass das gesamte Unterhaus über den Bericht und seine Folgerungen abstimmt. Das liefe auf eine Vorentscheidung über die Zukunft der Murdochs in Großbritannien hinaus. „Wir wissen, dass wir damit Neuland betreten“, gestand Ausschussvorsitzender John Whittingdale ein.

Allerdings wurde die sensationellen Schlussfolgerung des elfköpfigen Ausschusses bezüglich der Murdochs von den konservativen Abgeordneten nicht mitgetragen. Die Verurteilung Murdochs sei „irreführend“, sagte Ausschussmitglied Louise Mensch. Weder Rupert noch James Murdoch hätten persönlich Falschaussagen vor dem Ausschuss gemacht. Der Ausschuss habe keine Beweisaufnahme hinsichtlich ihrer Eignung als Unternehmenslenker gemacht. „Was NewsCorporation-Aktionäre mit den Murdochs machen, steht außerhalb der Kompetenz dieses Ausschusses“, sagte Mensch. News Corporation will den Bericht eingehend prüfen. In einer ersten Erklärung hieß es lediglich: „Das Unternehmen gibt in vollem Umfang zu, dass es bei der ,News of the World’ signifikante Verfehlungen gab, und entschuldigt sich bei allen, deren Privatsphäre verletzt wurde.“

Der Bericht des Medienausschusses ist nur eine Station im schwersten Medienskandal der britischen Geschichte. Eine Flut von zivilrechtlichen Prozessen gegen Murdochs Unternehmen läuft, die Untersuchung von Lordrichter Leveson über die Ethik und zukünftige Regulierung der britischen Presse geht weiter.

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