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Pressefreiheit in China : Unerwünschte Schlagzeilen

07.01.2013 16:17 Uhrvon
„Freunde von der Presse“, nennt Chinas designierter Staatschef Xi Jinping Journalisten. Dass die Freundschaft ihre Grenzen hat, erleben sie tagtäglich bei ihren Recherchen, wie hier der Kameramann in Peking.Bild vergrößern
„Freunde von der Presse“, nennt Chinas designierter Staatschef Xi Jinping Journalisten. Dass die Freundschaft ihre Grenzen hat, erleben sie tagtäglich bei ihren Recherchen, wie... - Foto: REUTERS

China geht immer massiver gegen Journalisten vor. Jetzt ist „Spiegel“-Korrespondent Bernhard Zand zum Opfer der Repressalien geworden. Von weiteren Recherchen will er sich trotzdem nicht abhalten lassen.

Bernhard Zand hat für den „Spiegel“ schon aus Husseins Irak, aus Gaddafis Libyen und aus Mubaraks Ägypten berichtet, aber das, was er jetzt in China erleben musste, ist ihm bisher noch nie passiert.

Ende November 2012 will Zand in der Provinz Guizhou über die Geschichte fünf kleiner Jungen berichten, die tot in einer Mülltonne aufgefunden wurden. Die Recherche vor Ort ist schwierig, Zands Gesprächspartner werden eingeschüchtert, sein Informant, der chinesische Journalist Li Yuanlong, beschattet – all das ist nichts Neues für Korrespondenten, die aus China berichten. Doch dann wird der „Spiegel“-Mann selbst Opfer eines direkten Einschüchterungsversuchs – und damit ein weiteres Beispiel dafür, wie massiv die Wirtschaftsmacht in jüngster Zeit auf die Pressefreiheit ausländischer Reporter einwirkt.

Auf dem Rückweg übernachtet Zand in einem Hotel. Während er mit seiner Kollegin essen geht, wird in die Zimmer eingebrochen. Die Fotos auf Zands Kamera und seiner Speicherkarte gelöscht, ebenso die Daten auf den Computern, die iPhones und iPads in Wasser getaucht oder mit Wasser gefüllt, jedenfalls unbenutzbar gemacht, so schildert es Zand im aktuellen „Spiegel“. „Dieses mutwillige Vorgehen hat mich sehr überrascht“, sagt Zand im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Sein Erlebnis reiht sich ein in zahlreiche Einschränkungen der Pressefreiheit, die Korrespondenten in China in den vergangenen Monaten widerfahren sind. Erst vergangene Woche ist bekannt geworden, dass das Visum des „New York Times“-Korrespondenten Chris Buckley nicht verlängert wurde. Er hatte zuvor kritisch über das enorme Vermögen der Familie von Chinas Regierungschef Wen Jiabao berichtet. Im Mai war das Visum der Al-Dschasira-Reporterin Melissa Chan nach einem Bericht über Zwangsarbeit in chinesischen Gefängnissen nicht verlängert worden. Auch die deutsche ARD-Korrespondenten Christine Adelhardt wurde auf einem Fabrikgelände festgehalten, nachdem sie über Umweltverschmutzung in der Region berichten wollte.

Eindringlich hatten Adelhardt und 25 weitere deutsche Kollegen Kanzlerin Angela Merkel in einem Brief darum gebeten, bei ihrem Besuch in China Ende August die immer schlechteren Arbeitsbedingungen für Journalisten anzusprechen – auch wenn die Kanzlerin dies getan haben sollte, zeigen ihre Worte offensichtlich keine Wirkung. Wenn der designierte Staatschef Xi Jinping nun seine „Freunde von der Presse“ preist für ihren „Einsatz“, wie Zand schreibt, klingt das wie Hohn.

Nach dem Einbruch im Hotel hat Zand gleich die Polizei verständigt, die sich kooperativ gezeigt habe – doch Videoaufnahmen aus dem Hotel, die die Täter zeigen könnten, sind „leider ausgerechnet“ zu der entsprechenden Zeit nicht vorhanden, so das Management. „Wir werden aber dran bleiben und die Polizei weiter zur Aufklärung drängen“, sagt Zand, der erst seit September in Peking arbeitet. Einschüchtern lassen will er sich nicht. „Das Beste, was wir tun können, ist weiter zu recherchieren und aufzuschreiben, was passiert.“ Allerdings relativiert er seinen Fall: „Was wir erleben mussten, ist unbedenklich im Vergleich zu dem, was chinesische Journalisten täglich an Repressalien erleben.“

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