''Prix Europa'' : Rettung vorm Idiotenreservat

André Heller diskutiert im RBB über Kultur im Radio.

Laura Wieland

Nicht weniger als die Rettung der Gesellschaft hatte die Diskussionsrunde auf der Agenda: „Die Menschen haben einen Anspruch auf Qualität: Sie dürfen nicht kampflos dem Musikantenstadel und anderen Idiotenreservaten überlassen werden!“ Das proklamierte – nein, diesmal nicht Marcel Reich-Ranicki, sondern Aktionskünstler André Heller.

Im Rahmen des Medienwettbewerbs „Prix Europa“ diskutierte er am Freitagabend im RBB-Haus des Rundfunks über die Qualität des deutschen öffentlich-rechtlichen Hörfunks, zusammen mit dem ehemaligem „Zeit“-Chefredakteur Roger de Weck, der Journalistin Lea Rosh und dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann (Das Gespräch wird am 31. Oktober um 19 Uhr 04 im RBB-Kulturradio ausgestrahlt).

Welche Zukunft hat das Kulturradio überhaupt in einer Zeit, in der alle darüber streiten, ob und wie viel gebührenfinanzierte Programme nötig sind, wollten die vier Diskussionsteilnehmer wissen. De Weck meint, „je komplexer unsere Gesellschaft wird, desto infantiler werden die Medien“. Er lobte das Kulturradio als letztes Medium, das sich der großen Beschleunigung entziehe und sich die Zeit nehme, einen Gedanken auch mal zu Ende zu führen.

Trotzdem hackte die Runde dann mehr auf der „Häppchengesellschaft“ herum, als dass sie konkrete Antworten bot, etwa darauf, wie man einen Hörer dazu bringt, eine halbe Stunde konzentriert zuzuhören? Heller lobte den österreichischen Sender Ö 1. Der habe mehr Zuhörer als beide Qualitätszeitungen des Landes gemeinsam Leser und trotzdem ein anspruchsvolles Programm. Allerdings hat die Alpenrepublik auch einen entscheidenden Vorteil, betonte de Weck: Sie ist das einzige Land der Welt, in dem der Kulturetat höher ist als das Militärbudget. Laura Wieland

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