Programm-"Reförmchen" : Schräg kommt weiter

Die Anstrengung ist groß, aber auch notwendig. Am 13. August startet das RBB-Fernsehen neue Sendungen und den neuen Slogan „Das volle Programm“.

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Radio-Fritz-Moderator Chris Guse (Mitte) soll ab August das Programm des RBB-Fernsehens aufmischen. Screenshot: Tsp
Radio-Fritz-Moderator Chris Guse (Mitte) soll ab August das Programm des RBB-Fernsehens aufmischen. Screenshot: Tsp

Chris Guse hat keine Angst vor großen Namen. Der Radio-Fritz-Moderator, der im Zuge der Programmreform des RBB-Fernsehens mit „GuseBerlin“ eine eigene Sendung bekommt, fühlt sich selbst in Gesellschaft von Mahmud Ahmadinedschad wohl. In dem Trailer zu seiner Late-Night-Show, die erstmals am 16. August im TV läuft, sieht man ihn zusammen mit dem iranischen Staatspräsidenten und ZDF-Journalisten Claus Kleber bei dessen Fernsehinterview in Teheran. Nachdem Guse das lange Schweigen der beiden nicht mehr ertragen kann, steht er auf, zieht sich Hemd und Hose aus und entlockt so nicht nur den beiden ein süffisantes Lächeln. Auch bei den Rundfunkräten, denen RBB-Programmchefin Claudia Nothelle den Ausschnitt am Donnerstag vorführte, kam die Comedy-Einlage gut an.

Die Programmänderungen im RBB-Fernsehen als „Reförmchen“ zu bezeichnen, ist die pure Untertreibung. Für den Sender ist der Umbau eine beachtliche Kraftanstrengung, aber auch eine notwendige. So erfolgreich „Abendschau“ und „Brandenburg aktuell“ sind, für das sonstige Programm werden händeringend Erfolgsformate wie „Die Kurt-Krömer-Show“ gesucht.

„GuseBerlin“ gehört zu den schrägen Formaten, mit denen sich der Sender insbesondere beim jüngeren Publikum mehr Zuspruch erhofft. Mehr Raum für Experimente soll es geben, hatte die gerade wiedergewählte RBB-Intendantin Dagmar Reim angekündigt. Dazu gehört auch „Tulpe & Conrady – ein Sofa in Berlin“. In der 45-minütigen „Road-Doku“ am Donnerstagabend sollen DJane Babette Conrady und Entertainer Thomas Tulpe Ur-Berliner und Hauptstadtaspiranten auf ihren Wegen durch die Metropole begleiten. Und noch eine dritte neue Sendung wird es am Donnerstag geben: die kulturelle Allzweckwaffe Dieter Moor wird im Zusammenspiel mit der Reportage „Bauer sucht Kultur“ mit den „Literaturagenten“ von RadioEins neue Bücher vorstellen. Es ist nicht die einzige neue Sendung mit dem groß gewachsenen Moderator. Am Freitag wird er künftig in „Bauer sucht Koch“ zu sehen sein, wenn er „die besten Lebensmittel in Berlin und Brandenburg“ präsentieren wird. Und Michael Kessler wird erneut auf Expedition gehen. In der fünften Staffel reist er mit dem Klapprad von Dänemark nach Berlin.

Nach der Sommerpause holt der Sender zum Befreiungsschlag aus. Am Dienstag sollen Dokumentationen wie die Reihe „Geheimnisvolle Orte“ und Feature-Sendungen zu aktuellen Themen und Problemen in Berlin und Brandenburg die „regionale Informationskompetenz“ stärken. Mittwochs gibts künftig Information, Beratung und Service, unter anderem mit dem „Berlin-Brandenburg Check“ und der Reportage-Reihe „Der lange Weg“.

Der Titel passt zum Sender. Die acht Gegenstimmen bei der Intendantenwahl haben gezeigt, dass sich auch im Rundfunkrat einige fragen, wie lang der Weg aus dem Quotental. Das Erscheinungsbild des RBB-Fernsehens ändert sich indes zeitgleich mit der Programmreform am 13. August. Das neue Design basiert auf verschiedenen Ausschnitten des RBB-Logos. Auch einen neuen Claim gibt es. Künftig wird mit dem Slogan „Das volle Programm“ geworben. Kurt Sagatz

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