Promi, bleib bei deinen Leisten : Verrechnet

Kerner & Co.: Die Senderwechsel der Bildschirm-Größen zahlen sich selten aus. Was gelingt Günther Jauch im Ersten?

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Kerner war mit großem Hurra vom ZDF zum Privatsender Sat 1 gewechselt. Dort da schalten zu wenig Zuschauer ein.
Kerner war mit großem Hurra vom ZDF zum Privatsender Sat 1 gewechselt. Dort da schalten zu wenig Zuschauer ein.Foto: dpa

Das Experiment läuft noch. Das Experiment, ob sich für einen Bildschirm-Prominenten der Wechsel von einem Sender zum anderen lohnt. Oliver Pocher, der von der ARD zu Sat 1 gegangen war, steht für das klarste Nein. Mit seiner Late-Night-Show beim Privatsender hat sich Pocher ins Abseits gesendet. „Die Oliver Pocher Show“ findet immer freitags statt, aber wenn sie nicht stattfände, gäbe es keinen Aufschrei in Fernseh-Deutschland. Comedian Pocher weiß nicht, was er machen soll, der Sender, das zum Trost, weiß es auch nicht. Der Sender heißt Sat 1, der auch Johannes B. Kerner beschäftigt. Kerner war mit großem Hurra vom ZDF zum Privatsender gewechselt. Am 2. November 2009 war er mit seinem Magazin „Kerner“ gestartet. Der Montagstermin erwies sich als derart schlimmer Reinfall, dass „Kerner“ nach Donnerstag geschoben wurde, hinter einen Spielfilm oder hinter die Übertragungen der Fußball-Europa-League. Selbst nach allmählicher Quotenbesserung liegt das Magazin beim Marktanteil unter dem Sat-1-Schnitt von knapp zehn Prozent. Da passt was nicht: Die Allerlei-Sendung nicht zu dem Publikum, das Format nicht zum Moderator, der Moderator nicht zu dem Publikum, das eben kein ZDF-Publikum ist. Sat 1 stellt Kerner weiter ins Schaufenster, vor großer Zuschauerzahl moderiert er die Champions-League-Übertragungen, präsentiert er die Duell-Show „Deutschland gegen Türkei“. Kerner ist ehrgeizig, er will den Sieg, wo er nach eigener Aussage schon das Unentschieden hasst.

Jörg Pilawa war ein Stückchen klüger, vielleicht auch feiger als Kerner. Pilawa ging von der ARD zum ZDF, aber er blieb seiner Erfolgsfigur treu – als Quizonkel. Seine Novität „Rette die Million!“ erreichte bei der Premiere sechs Millionen Zuschauer. Spannend bleibt, wie das ZDF-Publikum Pilawa bei den nächsten Ausgaben der Gewinnshow folgt. Die Premiere war interessant, weil das Format neu war, aber es war nicht so aufregend, dass die Öde der Veranstaltung überspielt werden konnte. Pilawa ist mit „Rette die Million!“ längst nicht auf der sicheren Seite.

Pocher, Kerner, Pilawa, in dem Trio steckt nicht der zweifelsfreie Beleg für die These, dass ein Wechsel immer und überall belohnt wird. Die wahre Probe aufs Exempel steht noch an. Im September 2011 startet Günther Jauch in der ARD am Sonntag als Talkmaster einer politischen Gesprächsrunde. Von Jauch darf angenommen werden, dass das Publikum seinen Einstand und mehr als diesen in Scharen verfolgen wird. Andere Frage, ob es ein Erfolg und ein langanhaltender Erfolg wird. Ob das Publikum sagt: Günther Jauch kann Polittalk. Der geht diese Herausforderung strategisch an. Seine Moderation von „Stern TV“ gibt Jauch bereits im Janur an Steffen Hallaschka ab. Insider sagen, er würde für sein künftiges ARD-Format bereits proben, dieses und jenes Element ausprobieren.

Günther Jauch hat sich in den Testkanal begeben. Negative Vorbilder, was erhofft und erwartet wurde und sich dann tatsächlich eingestellt hat, hat er genug. Ein Günther Jauch darf nicht scheitern. Das ist er sich und mehr noch seinem Publikum schuldig, das ihn derart schätzt, dass es Günther Jauch glatt zum Bundeskanzler wählen würde. Fernsehkönig ist er ja schon. Joachim Huber

„Kerner“, 23 Uhr 45, Sat 1

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