ProSiebenSat1 : Kausch ist raus

Der Nachrichtenmoderator geht, wer geht mit? Bei ProSiebenSat1 droht der Abbau vieler Arbeitsplätze. Sat1 in Berlin wird es am härtesten treffen.

Joachim Huber
Thomas Kausch
Thomas Kausch : Ein bekanntes Gesicht verschwindet vom Bildschirm. -Foto: ddp

Thomas Kausch, das war der Anchorman der „Sat 1-News“ um 18 Uhr 30. Offiziell von den Zuschauern verabschiedet, hat sich Kausch nicht, er wird „verabschiedet“. Es sei ihm nahegelegt worden, heißt es bei Sat 1, gar nicht erst aus dem Urlaub in den Berliner Privatsender zurückzukehren. Die Anwälte beider Seiten seien in Verhandlung über die Auflösung des Moderatorenvertrags. Der Name Thomas Kausch ist Synonym für die Vorgänge in der Sendergruppe der ProSiebenSat1 Media AG. Was der Vorstandsvorsitzende Guillaume de Posch im Zuge der Übernahme der europäischen Sendergruppe SBS Broadcasting Group bereits angekündigt hat, wird jetzt Realität – der deutliche Abbau von Arbeitsplätzen in den deutschen Sendern wie ProSieben, Sat 1, N 24 und Tochterfirmen. Betroffen sind die Mitarbeiter an den Standorten Berlin und München.

Nach Aussage von Führungskräften wird es Sat 1 in Berlin am härtesten treffen, bis zu 100 Mitarbeiter sollen betroffen sein. Der Abbau von Stellen läuft parallel mit dem Umbau des Programms von einem Vollprogramm zu einer „Abspielstation“, wie es ein Betroffener nennt. Der Ersatz der aktuellen Information mit Ware aus den Serien-, Show- und Filmkellern soll rasch vor sich gehen. Schon für den 31. August wird mit der Absetzung von „Sat.1.News – die Nacht“ gerechnet, aufs Höchste aktuell gefährdet seien „Sat.1 am Mittag“, „Sat.1 am Abend“ und das „Frühstücksfernsehen“ am Samstag. Auch für das zuschauerattraktive Boulevardmagazin „Blitz“ gebe es Umbaupläne.

Der Hintergrund ist unbestritten: Die Kosten für die Produktion von Programm müssen runter, gleichwohl die Attraktivität erhalten bleiben soll. Das Verhältnis von Investition und Ertrag soll zugunsten des Ertrages neu justiert werden. Den Kauf von SBS Broadcasting finanziert der Fernsehkonzern vollständig über einen Bankkredit über 3,3 Milliarden Euro. Insider schätzen die tatsächlichen Verbindlichkeiten auf vier Milliarden Euro. Summen, die die maßgeblichen Eigentümer von ProSiebenSat1 Media AG und SBS Broadcasting, die Finanzinvestoren KKR und Permira, rasch getilgt sehen wollen. De Posch hatte gesagt, „wir haben das Ziel, die Ebitda-Marge der neuen Gruppe von derzeit 22,2 Prozent auf 25 bis 30 Prozent zu steigern“.

Die größte Geschäftseinheit der ProSiebenSat1 Media AG ist das Tochterunternehmen ProSiebenSat1 Produktion (PSP). PSP umfasst laut Homepage des Konzerns die „vier Kernbereiche Herstellung, Kreation, Broadcasting Services und Technology“ und ist mit mehr als tausend Mitarbeitern die größte Geschäftseinheit. Schon heißt es an den Standorten Berlin und München, dass bis zu 200 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren könnten. Auch die Koordinationsstelle zwischen den Sendern sei betroffen, in deutlicherem Maßstab zudem das Personal von N 24. Die Nachrichtenstation soll in ein bis anderthalb Jahren aus dem Berliner Sendekomplex an der Oberwallstraße in ein neues Gebäude umziehen.

Alle Szenarien stammen von der Beratungsfirma McKinsey, die ihre Analysen am vergangenen Freitag abgeschlossen hat. Am Montag werden sie dem Aufsichtsrat vorgestellt, nicht allein von den McKinsey-Mitarbeitern, sondern auch von Konzernchef de Posch und den Geschäftsführern der Sender und Tochterfirmen. Nicht ausgeschlossen, dass die Pläne zum Abbau und Umbau novelliert werden. Auf jeden Fall kommt es zum Beschluss. Am Dienstag bittet ProSiebenSat1 Media AG zur Hauptversammlung.

Thomas Kausch ist auf dem Absprung. Seit zwei Wochen arbeitet der Journalist als Video-Kolumnist für welt.de. Aufgezeichnet wird der „Provoluzzer“ im Studio 2 der „Sat.1.News“.

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