PROTEST-APP : Verlage kritisieren ARD-App

Mit scharfer Kritik reagiert die Zeitschriftenbranche auf das am Montag verkündete Vorhaben der ARD, die "Tagesschau" noch im ersten Quartal 2010 kostenlos als App aufs iPhone zu bringen.

Sonja Pohlmann

„Damit dehnt die gebührenfinanzierte ARD erneut ihren Auftrag zu Lasten der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger aus“, heißt es in einem Brief von Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), an Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Ministerpräsidenten der Länder vom Dienstag.

Die ARD solle sich auf ihren Grundversorgungsbeitrag beschränken, forderte Fürstner. „Kaum haben Verlage erste Bezahlmodelle entwickelt, um in einer für sie außerordentlich schwierigen Lage die journalistische Qualität weiter finanzieren zu können, drängt das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf dasselbe Feld, allerdings mit einem Gratisangebot, das den Markt auf hochproblematische Weise verzerrt.“

Erst vor zwei Wochen hatte der Axel Springer Verlag seine Zeitungen „Bild“ und „Welt“ als kostenpflichtige Apps auf den Markt gebracht und damit einen ersten Schritt in Richtung Paid Content gewagt. Der Verlag kritisierte das ARD-Angebot ebenfalls scharf. „Die Folge der öffentlich-rechtlichen Kostenlos-Offensive wird sein, dass private Angebote langfristig kaum noch konkurrieren können und so Vielfalt reduziert wird“, sagte Springer-Sprecherin Edda Fels. Auch vonseiten des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) gab es Kritik an den ARD-Plänen. Die ARD versuche mit „ihrer gebührenfinanzierten ,Kostenlos-Strategie’ private Marktentwicklungen im Keim zu ersticken“, sagte VPRT-Präsident Jürgen Doetz.

Kai Gniffke, als Erster Chefredakteur bei ARD-Aktuell für die „Tagesschau“ zuständig, zeigt zwar Verständnis für die Sorge der privaten Medienanbieter bei ihrer Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Die „Tagesschau“ präsentiere aber überwiegend harte Nachrichten und wenig Buntes oder Sport, sagte er Montag.

VDZ-Geschäftsführer Fürstner kündigte an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Zeitschriftenverlage würden derzeit eine existenzielle Umbruchphase bewältigen, in der sie neue Geschäftsmodelle entwickeln und aufgrund der Einbrüche des Anzeigengeschäftes neue Finanzierungsquellen sichern müssten. „Genau diese Bemühungen werden durch die Bestrebungen der ARD tatsächlich erschwert“, sagte Fürstner.

2009 ist der Umsatz der Magazin-Branche um 9,4 Prozent zurückgegangen und belief sich auf nur noch 6,86 Milliarden Euro (2008 waren es 7,58 Milliarden Euro). Ab Mitte 2010 erwartet der VDZ eine leichte Erholung für den Zeitschriftenmarkt. Sonja Pohlmann

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