Medien : Protest gegen Post-Pläne

Zeitungsverleger lehnen Gratisblätter ab

Sonja Pohlmann

Die Deutschen Zeitungsverleger sind sauer. Auf die Deutsche Post AG, die plant, mit Gratisblättern in den Pressemarkt zu drängen und den etablierten Zeitungen Konkurrenz zu machen. Die Rahmenbedingungen für einen solchen Wettbewerb seien nicht fair, meint der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Die Post habe auf ihrem Markt eine Monopolstellung und sei von der Umsatzsteuer befreit. „Die Bundesregierung muss diesen ordnungspolitischen Sündenfall verhindern“, forderte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff deshalb gestern auf der Jahrespressekonferenz seines Verbandes.

Auch ohne Gratis-Konkurrenz ist die Marktsituation für die Zeitungsverleger schwierig genug. Zwar seien Zeitungen noch immer Werbemedium Nummer eins, gefolgt vom Fernsehen. Die Gesamtumsätze in der Zeitungsbranche stiegen 2007 jedoch nur um 0,5 Prozent. „Ein Zeichen der Stabilität, aber mehr auch nicht“, sagte Wolff. Der Grund für seine Unzufriedenheit: Die Wirtschaft schaltet in den Printmedien zurzeit weniger Anzeigen, dadurch schrumpft die wichtigste Einnahmequelle der Zeitungen. Zwar würden mehr Stellen- und Familienanzeigen geschaltet, doch Handelsunternehmen halten sich zurück. Nicht nur, weil Konsumenten weniger kaufen. Mit dem wachsenden Online-Angebot verteile sich der Werbekuchen automatisch auf mehrere Werbeträger.

Doch Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter des Bereichs Kommunikation und Multimedia bei BDZV, ist zuversichtlich. „Die Verlage sind gut dafür aufgestellt, sich einen größeren Anteil am Werbekuchen zu sichern.“ 40 Prozent aller Internetnutzer würden regelmäßig die Online-Portale der Zeitungen besuchen.

Ohnehin zeigen die Zahlen des BDZV, wie intensiv sich die Deutschen aus Zeitungen informieren: Danach haben im vergangenen Jahr 73,2 Prozent der Menschen über 14 Jahren täglich eine Zeitung gelesen, nur ein leichter Verlust gegenüber 2006, als es noch 73,7 Prozent waren. Die Gesamtreichweite aller Printmedien ging laut der gestern veröffentlichten Allensbacher Werbeträger-Analyse (AWA) um 1,6 Prozent zurück. Speziell die Publikumszeitschriften und Wochenzeitungen haben Leser verloren. Beispielsweise ging beim „Spiegel“ die Zahl der Leser pro Ausgabe von 5,86 auf 5,71 Millionen zurück.

Um die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Zeitungen auch künftig zu sichern, sprach sich Wolff gestern ebenfalls gegen das von der EU genehmigte Product Placement im Fernsehen aus. Wenn im TV nicht mehr Werbung und Programm getrennt werden müssten, könne sich auch der Druck auf die Zeitungen erhöhen, Product Placement in ihrem redaktionellen Teil zu betreiben. „Das Vertrauen der Nutzer steht dann auf dem Spiel“, sagte Wolff. Sonja Pohlmann

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