Medien : Publikumslieblinge: Stefan Gottschalk

Michael Burucker

Tv Total. Pro 7. Eine belanglose Interviewfrage ließ Moderator Stefan Raab, Gast und Publikum in besinnungslose Lachkrämpfe verfallen. "Worüber lachen die?", fragte sich der Kritiker. "Mit Verlaub, eine blödsinnige Frage. Es hat keinen Zweck, logisch und vernünftig zu argumentieren, wo es eben ohne Logik und Vernunft zugehen soll". Das schrieb 1992 Marcel Reich-Ranicki über Lobeshymne über "Wetten, dass ... ?"-Moderator Thomas Gottschalk, die jedoch auch auf Raab zutrifft: "Er ist witzig und ungewöhnlich schlagfertig. Er bietet alles augenzwinkernd, gleichsam in Anführungszeichen und agiert ganz und gar unverkrampft." So unbefangen, dass Raab eine Erkältung etwa keineswegs versteckt, sondern hemmungslos hustet und den mitgebrachten Leibarzt gnadenlos in seine Clownerien einspannt. Wer genauer hinsieht, nimmt wahr, dass Raab mitnichten so bewusstlos albert, wie es scheint. Er weiß genau, was er tut und wie weit er gehen kann. Raab hat gelernt. Aus dem Jungrüpel, der seine Gäste mitleidlos zerlegte, ist ein exakt agierender Showmoderator mit Taktgefühl geworden, auch wenn er die "Schamhaarperückenmacher" und Jodellehrer nicht schont. Bloßgestellt werden sie nicht, da dirigiert Raab auch unsichtbar das johlende Publikum. Er hat das Potenzial eines Gottschalks. Die Öffenlich-Rechtlichen sollten ein Auge auf ihn haben, bevor der Zuschauer bei den Showbeamten Beckmann und Kerner ganz eingeschlafen ist.

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