Radiohören : Stadt hört Land

Antenne Brandenburg bleibt Marktführer der Region. Das Internet lässt Reichweiten bei Jugendradios zusehends bröckeln.

Joachim Huber

In Berlin-Brandenburg liegt der private Hörfunk weiter vor den ARD-Wellen. Während im Rest der Republik der öffentlich-rechtliche Hörfunk deutlich mehr als die Hälfte aller Radionutzer auf sich versammeln kann, dominieren in der Region die privaten Wellen. Nach den aktuellen Zahlen der Media-Analyse 2008 Radio I sind in Berlin-Brandenburg vier Stationen der Top fünf privat veranstaltet – allerdings klar überstrahlt vom Dauersieger, dem RBB-Programm Antenne Brandenburg mit jetzt 223 000 Hörern pro Stunde. In Berlin verteidigte der Berliner Rundfunk trotz leichter Verluste mit 84 000 Hörern seinen Spitzenplatz.

Verglichen mit der Radio-MA 2007/II konnten die führenden Programme allesamt zulegen. Insbesondere für die Privatstationen scheint sich auszuzahlen, dass sie den Anteil von Wort und Information ausgebaut haben. Was die Zahlen auch ausweisen: Der RBB hat ein Problem. Radio Berlin 88,8 hat so deutlich an Hörern verloren, dass sich in der Hauptstadt Antenne Brandenburg mit Sitz in Potsdam an 88,8 vorbeigeschoben hat. Land schlägt Stadt in der Hauptstadt – das ist schon bemerkenswert.

Die Reichweiten und die Zuwächse bei der Antenne und der privaten Konkurrenz von 104.6 RTL bis r.s.2 zeigen, wie sehr das Medium von Hörern im mittleren Alter lebt. Entsprechend stabil liegt auch Radio Eins im Rennen, entsprechend müssen die Stationen, die für ein junges bis sehr junges Publikum senden, ins Grübeln kommen. Dort verliert der Hörfunk, egal ob öffentlich-rechtlich (Fritz) oder privat (Kiss FM). Möglich, dass beim Radio passiert, was auch beim Fernsehen passiert: Das Internet nimmt beiden Medien Nutzer weg.

Der Radiomarkt in der Region bleibt in Bewegung. Sender, die relativ neu im Angebot sind, können wie Star FM, Radio Teddy oder auch Motor FM zulegen.

Quasi im Vorbeigehen werden bei jeder Radio-MA auch die übrigen, die Programme ohne Werbung erfasst. Beim Kriterium der Tagesreichweite zeigt sich für das Kulturradio des RBB in Berlin ein deutlicher Aufwärtstrend von 56 000 auf 63 000 Hörer täglich. Das Deutschlandradio Kultur verliert in der Hauptstadt 6000 auf jetzt 44 000 Hörer, der Deutschlandfunk bleibt stabil. 108 000 Hörer waren es bei der vergangenen MA, aktuell sind es 107 000 Hörer.

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