RBB-Programmreform : Nachtzug nach Potsdam

Der RBB freut sich über höhere Marktanteile - nur nicht bei „Brandenburg aktuell“. Deshalb macht Intendantin Dagmar Reim die Sendung jetzt zur Chefsache.

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Heimat-TV. Moderatorin Tatjana Jury im Studio von „Brandenburg aktuell“. Der RBB findet die Zuschauerakzeptanz des 20 Jahre alten Magazins beunruhigend. Foto: RBB
Heimat-TV. Moderatorin Tatjana Jury im Studio von „Brandenburg aktuell“. Der RBB findet die Zuschauerakzeptanz des 20 Jahre alten...Foto: rbb/Oliver Ziebe

Das ist doch mal ein starkes Verbraucherthema für die TV-Magazine und Nachrichtensendungen, Pferdefleisch in Tiefkühlkost. Eine Vorlage auch für „Brandenburg aktuell“, dem Regionalmagazin vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Die Brandenburger Verbraucherschutzministerin Anita Tack war am Donnerstagabend im Studio zu Gast, aber es wollten sich nur 170 000 Zuschauer zum Abendessen von ihrem Regionalsender über etwaige gesundheitliche Risiken aufklären lassen. Bei der parallel ausgestrahlten „Abendschau“, dem Magazin für die Hauptstadt, saßen ab halb acht 260 000 Zuschauer vorm Bildschirm. Der oft gescholtene RBB hat in den vergangenen Monaten vieles besser gemacht mit seinem Programm, aber irgendwie kommt das Regionalfernsehen bei den Brandenburgern weiter nicht so richtig an. Was offenbar immer noch ein Grundproblem des 2003 aus SFB und ORB entstandenen Zweiländersenders ist.

Vielleicht hat das auch noch mit einer größeren, grundsätzlichen Skepsis der Bürger in den neuen Bundesländern gegenüber (öffentlich-rechtlichen) Medien zu tun. Andererseits liegt das „NDR Nordmagazin“ aus Mecklenburg-Vorpommern unter den Regionalmagazinen der ARD bundesweit vorne, vor dem „Schleswig-Holstein-Magazin“ und, jawohl, der guten, alten „Abendschau“ des RBB. Kann man denn von der „Abendschau“ lernen? „Brandenburg ist deutlich heterogener als Berlin. Zwischen der Lausitz und der Prignitz liegen kleine Welten“, sagt RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein. Insoweit sei es schwieriger, für Brandenburg eine Sendung zu machen, die alle gleichermaßen interessiert. „Ganz abgesehen von der täglichen Nachrichtenlage, die in der Metropole eine andere ist.“ Es werde an allem gearbeitet, was handwerklich notwendig ist: Erzählweise, Bildsprache, Moderation.

Das scheint auch notwendig. Der Marktanteil bei „Brandenburg aktuell“ ist seit 2010 von 21,2 auf 16 Prozent gesunken, eine beunruhigende Zuschauerakzeptanz. RBB-Intendantin Dagmar Reim hat die Verbesserung von „Brandenburg aktuell“ zum Unternehmensziel 2013 ausgerufen, so wie das schon 2012 mit „Antenne Brandenburg“, mittlerweile wieder Marktführer unter den Radiowellen in der Region, funktioniert hat. Marketing, Werbung, Relevanz der Themen – eine Arbeitsgruppe mit externen Kritikern sitzt beim RBB und macht Vorschläge für das Magazin, das täglich über das „politische und kulturelle Leben in Brandenburg“ berichten soll. Am Donnerstag stand – neben dem Fleischskandal – „Berlinale goes Kiez“ im Mittelpunkt, das Filmfestival zu Gast im Thalia in Potsdam. Im Kino zu sehen: „Nachtzug nach Lissabon“. Hauptdarstellerin Martina Gedeck war da, Jeremy Irons nicht. Daran trägt der RBB allerdings keine Schuld.

Auch nicht an der Erhebung des Rundfunkbeitrags, der Haushaltsabgabe, die weiter in der Kritik steht. Die Zahl der irritierten Anrufer beim Beitragsservice habe sich von rund 15 000 auf rund 80 000 am Tag erhöht, sagt RBB-Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter, der auch die ARD/ZDF-Arbeitsgruppe „Rundfunkgebühren“ leitet, am Donnerstag auf der Rundfunkratssitzung des RBB. Man habe beim RBB frühzeitig mit den Bezirken, Kommunen und Verbänden gesprochen, um manchem Missverständnis bezüglich des neuen Beitragsmodells vorzubeugen: „Friedhofsbagger sind nicht beitragspflichtig.“ Meldungen, wonach Bezirke drastische Mehraufwendungen wegen des Rundfunkbeitrags haben, werde nachgegangen. Der RBB, so Brandstäter, biete seine Unterstützung an. Es werde mit ziemlicher Sicherheit zu einer Nachbesserung, einer Evaluierung, in den nächsten zwei Jahren kommen. Das sei aber Sache des Gesetzgebers. Klagen gegenüber dem RBB sind derzeit nicht anhängig. Brandstäter betont: „Wir klingeln nicht an der Wohnungstür.“

Wenn das Geld denn richtig angelegt wird. Immerhin zeigen sich beim RBB nun erste Erfolge der im August 2012 gestarteten Programmreform. Der Marktanteil stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent. Weitere Formate wie „Wegmarken“, ein multimediales Projekt des Inforadios über Berlin im Nationalsozialismus, sind gestartet oder in der Entwicklung. Vielleicht dann auch noch gute Ideen für „Brandenburg aktuell“. Es muss ja nicht gleich ein neuer Fleischskandal sein.

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