Rbb-Talksendungen : "Eine perfekte Fernsehehe"

"Dickes B.": Andreja Schneider und Jörg Thadeusz sprechen über Fühlobjekte, Showtalks, Talkshows und Tierchen.

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Mit Gruschelfaktor. Andreja Schneider und Jörg Thadeusz bitten einmal im Monat zum Talk im Tipi-Zelt. -Foto: RBB

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte diverse Talkformate in seinem Fernsehprogramm, mehr oder weniger erfolgreich. „Leute am Donnerstag“ mit Jörg Thadeusz und Ulla Kock am Brink lief von 2004 bis 2005. Ende vergangenen Jahres testete der RBB sein neues Format „Dickes B.“ zweimal – mit Jörg Thadeusz und Ildikó von Kürthy. Prominente, Künstler und Menschen aus Berlin und Brandenburg sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Thadeusz’ eigener 30-minütiger Talk mit jeweils nur einem Gast läuft seit Dezember 2005. Ein weiteres RBB-Format: der Kulturtalk „Im Palais“ mit Astrid Froloff.

Frau Schneider, Herr Thadeusz, wie war er denn, Ihr erster gemeinsamer Showtalk?

SCHNEIDER: Für mich war es wie eine erste Fahrstunde. Ich bin ja ganz neu in diesem Metier. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt auf dem Pudding, wie die Fernsehleute sagen, neben Herrn Thadeusz zu sitzen. Dafür, dass es der erste Showtalk meines Lebens war, bin ich einigermaßen zufrieden. Auch wenn ich ziemlich aufgeregt war.

Wie fühlt sich Herr Thadeusz denn an?

SCHNEIDER: Sehr gut. Ich kenne Herrn Thadeusz schon ein paar Tage. Er ist ein mir gut bekanntes Fühlobjekt.

Und wie war’s für Sie, Herr Thadeusz?

THADEUSZ: Wie erwartet. Ich hatte keine Zweifel, dass Frau Schneider es nicht schaffen könnte. Sie kennt das ja: vor vielen Leuten etwas aufzuführen. So wie es mit uns beiden ist, ist es super.

Erstaunlich. Sie können ja nicht besonders mit Frauen.

THADEUSZ: Was für ein armseliger Versuch einer Provokation. Wenn Sie mit dieser fiesen Bemerkung auf Ulla Kock am Brink oder Ildikó von Kürthy anspielen, muss ich Sie enttäuschen. Ich habe mich mit beiden prächtig verstanden. Gehen Sie also nicht davon aus, dass Frau Schneider und ich uns nach drei Sendungen nicht mehr ausstehen könnten. Das wird ganz sicher nicht passieren.

Aber nicht lange. Laufen Sie den Frauen weg oder die Frauen Ihnen?

THADEUSZ: Die Frauen mir. Aber das haben Sie sicher nicht anders erwartet. Sie wissen es doch besser: Es lag nicht an den Frauen, sondern an den besonderen Umständen. Mit Frau von Kürthy bin ich nicht nur weiterhin befreundet, wir machen auch hin und wieder gemeinsame Sache, zum Beispiel, wenn Sie ein neues Buch von sich vorstellt. Ich lese gerne aus ihren Büchern vor.

Frau Schneider, wussten Sie von der Frauenproblematik des Herrn Thadeusz?

SCHNEIDER: Aber ja. Das ist mir auch schon selbstständig aufgefallen. Aber ich habe darüber gar nicht weiter nachgedacht. Wenn ich etwas Neues anfange, dann denke ich doch nicht als Erstes: Ogottogott, was da alles schiefgehen kann! Ich freue mich lieber.

THADEUSZ: Es kann ja sein, dass auch ich Fehler gemacht habe. Aber freiwillig daraus zu lernen, das kann mir keiner nehmen.

Frau Schneider, der Traum jeder modernen Frau scheint in Ihrem Fall wahr zu werden: ein selbstkritischer Mann.

SCHNEIDER: Eine perfekte Fernsehehe. Der Mann meiner Fernsehträume. Aber gehen Sie bitte nicht davon aus, dass wir uns nach zwei oder drei Sendungen wieder scheiden lassen. Jetzt sind erst mal Optimismus und Begeisterung angesagt.

Sind Sie ein Fan von Talkshows oder Showtalks?

SCHNEIDER: Wenn diese Art von Sendung läuft, dann stehe ich meistens auf irgendeiner Bühne. Aber ich habe immer schon gerne Talkshows gesehen.

Sie müssen das nicht sagen, Frau Schneider.

SCHNEIDER: Aber es stimmt. Ich muss nur zugeben, dass Fernsehenmachen in meiner Berufsplanung nicht vorgesehen war bis zu dem Tag, an dem Helmut Lehnert mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, bei „Dickes B.“ mitzumachen. Komischerweise konnte ich mir das vorstellen, das hat mich selbst ein bisschen überrascht. Aber ich dachte mir: „Da springst du jetzt mal rein.“

Was bitte unterscheidet einen Showtalk von einer Talkshow?

SCHNEIDER: Talkshow ist ganz viel Talk und wenig Show, Showtalk ist viel Show und mindestens genauso viel Talk.

Ihre Sendung dauert zwei Stunden. Das kann lang werden.

THADEUSZ: Das ist bei den anderen ja auch nicht viel anders. Das Schwerste ist, die Konzentration beizubehalten.

SCHNEIDER: So ist es. Zwei Stunden auf Draht sein zu müssen, ist eine unglaub liche Leistung. So anstrengend hatte ich mir das gar nicht vorgestellt.

Sie hätten sich auch auf 90 Minuten beschränken können. Warum mussten es denn unbedingt 120 Minuten sein?

THADEUSZ: Selbst bei zwei Stunden Sendezeit bleiben uns nur etwa zwölf Minuten für jeden Gast. Aber es kann ja nicht schaden, insgesamt etwas mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Das entspannt.

Glauben Sie wirklich, dass der Zuschauer Ihnen zwei Stunden lang konzentriert folgen wird?

THADEUSZ: Vielleicht nicht gleich alle. Ich könnte mir vorstellen, dass es einige geben wird, die hin und her zappen. Dass die meisten zwei Stunden lang bei der Stange bleiben, glaube ich nicht. Obwohl sie das natürlich in ihrem eigenen Interesse besser tun sollten.

SCHNEIDER: Wenn wir mit „Dickes B.“ etwas Besonderes schaffen wollen, müssen wir es gleich richtig anfangen. Und da liegen wir mit zwei Stunden Sendelänge genau richtig.

Die ersten beiden Folgen wurden auf gezeichnet, werden uns aber als Live sendungen verkauft. Ein Widerspruch?

THADEUSZ: Das war nicht anders zu machen und hat mit Terminschwierigkeiten zu tun. Ich kann Ihnen hoch und heilig in die Hand versprechen, dass alle Sendungen im kommenden Jahr total und wahrhaftig live ausgestrahlt werden.

SCHNEIDER: Die Sendungen werden dadurch aber nicht wesentlich anders werden. Wir haben ja auch jetzt schon unter Livebedingungen aufgezeichnet. Für mich war das jetzt schon richtig live.

THADEUSZ: Wenn Sie die Befürchtung hegen sollten, dass sich bei den Aufzeichnungen unserer ersten beiden Showtalks irgendwelche Ungeheuerlichkeiten er eignet hätten, die wir schamhaft rausgeschnitten hätten, dann muss ich Sie enttäuschen. Es hat keinen Skandal gegeben. Mit dieser für Sie sicher bitteren Wahrheit werden wir alle leben müssen.

Welche Personen des öffentlichen Lebens werden wir nie bei Ihnen sehen?

SCHNEIDER: Gloria von Thurn und Taxis.

THADEUSZ: Die hat mal in einer Sendung zu mir „Sie Tierchen“ gesagt.

Und Sie, Herr Thadeusz?

THADEUSZ: Ich nehme Dieter Bohlen.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

"Dickes B.", RBB, 22 Uhr

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