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Re:publica : Happy Bit-Day, Digitale Gesellschaft

28.04.2012 00:00 Uhrvon
Astrid Herbold ist freie Journalistin. Sie ist spezialisiert auf Netz- und Kulturthemen und schreibt regelmäßig für verschiedene Ressorts des Tagesspiegels und für Zeit Online.Bild vergrößern
Astrid Herbold ist freie Journalistin. Sie ist spezialisiert auf Netz- und Kulturthemen und schreibt regelmäßig für verschiedene Ressorts des Tagesspiegels und für Zeit Online. - Foto: privat

Vor einem Jahr, auf der Re:publica 11, gründete der bekannte politische Blogger Markus Beckedahl die "Digitale Gesellschaft", eine Lobbyorganisation für das Netz. Unsere Autorin möchte gratulieren.

Stell dir vor, du twitterst und keiner followed dir. Stell dir vor, Maybrit Illner läuft und du bist nicht eingeladen. Stell dir vor, du hast eine Meinung zum Internet und niemand merkt es.

Was tun, wie sichtbarer werden? Strukturen müssen her, Ansprechpartner, Pressemitteilungen! Agendasetting muss betrieben werden, erst in der Mikro-, dann in der Makroöffentlichkeit! Verein gründen, Spenden sammeln! Sensibilisieren, mobilisieren, Themen setzen!

Wo eine Gesellschaft um Märkte oder Rechte streitet, wo die einen nach Regulierung, die anderen nach Deregulierung rufen, da wird Öffentlichkeit zur wichtigsten Waffe im Kampf um politische Einflussnahme.

Ein Jahr ist es nun her, dass der Blogger und Aktivist Markus Beckedahl und andere aus dem Umfeld der Seite Netzpolitik.org auf der Re:publica die „Digitale Gesellschaft“ gegründet haben. Eine Lobbygruppe für das Netz.

Die Digitale Gesellschaft, kurz DigiGes, kam mit klaren Botschaften auf die Welt: Für Bürger- und Verbraucherrechte. Für Netzneutralität. Gegen Abmahnwahn. Gegen Vorratsdatenspeicherung. Apropos: Da unterstützen wir gleich mal die aktuelle Petition des AK Vorrat.

Gesagt, getan, es war Spätsommer 2011. Und andere Themen irgendwie aufregender. Bis die Petition die magische 50 000er-Grenze übersprang, vergingen Wochen. Die große Empörungswelle blieb aus. Dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und der Digitalen Gesellschaft erging es, Twitterreichweiten und Social-Media-Kompetenz hin oder her, nicht anders als anderen ehrenamtlichen Weltverbesserern: Du kannst die besten Argumente auf der Zunge und das schönste Netzwerk unterm Hintern haben. Es nützt dir nichts, wenn am Horizont der Mediengesellschaft keine Mörderwelle auftaucht, auf die du aufspringen und die du reiten kannst.

Die Welle kam dann doch. Sie hieß: Acta. Plötzlich stand das Anti-Piraterie-Abkommen im Raum wie bestellt und nicht abgeholt. Und Beckedahl und Team hatten die besten Kontakte und die schlagkräftigsten Strukturen, um schnell und vehement darauf zu reagieren. Auf einmal fluppte es, juhu, Shitstorm, Straßenproteste, breite Debatte. Happy End also?

Stell dir vor, es ist Internet. Und andere wollen auch Themen setzen und Einfluss nehmen. Nur spielen sie lieber über Bande: Google finanziert Universitäten, Think Tanks und Veranstaltungen. Microsoft engagiert sich in einer Initiative namens ICOMP. Die Internetwirtschaft hat mit dem IAB einen großen Dach- und Lobbyverband.

Nichts, möchte man der DigiGes zum ersten Geburtstag zurufen, brauchen wir dringender als unabhängige Vereine, die das alles im Blick behalten. Kritik an der Vorratsdatenspeicherung in allen Ehren. Aber bitte: Auch auf dem anderen Auge nicht blind werden.

Die Autorin ist freie Journalist. Sie ist spezialisiert auf Netz- und Kulturthemen.

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