Regenbogenpresse im Sommerloch : „Süßer Enkel“ in „großer Gefahr“

Ein Topf voll Gold: Im Sommer ziehen sich Promis und Königs auf Yachten zurück. Doch die Regenbogenpresse weiß sich zu helfen.

Mats Schönauer
"Dramatische Szenen in Brasilien", will "Die neue Frau" entdeckt haben.
"Dramatische Szenen in Brasilien", will "Die neue Frau" entdeckt haben.Foto: Promo

Während alle anderen Medien noch damit beschäftigt sind, sich die Schland-Schminke aus dem Gesicht zu kratzen, steckt die Regenbogenpresse – bei Frauen über 70 zieht der ganze Fußballkram eher weniger – schon bis zum Hals im Sommerloch.

Promis und Königs haben sich auf ihre Privatjachten zurückgezogen, lassen die Finger von Twitter und Facebook, und den Heften geht allmählich der Stoff aus. Aber wer wüsste sich da besser zu helfen als die routinierten Banalitätenverwurster der Knallblätter, denen Aktualität und Wahrhaftigkeit auch zu jeder anderen Jahreszeit völlig wumpe sind? Eben.

„Die neue Frau“ zum Beispiel hat neulich Paparazzi-Fotos entdeckt, auf denen der kleine Enkel von Prinzessin Caroline am Strand spielt. Und zwar ohne Mützchen! Zack, Titelgeschichte. „Dramatische Szenen in Brasilien – Ihr süßer Enkel ist in großer Gefahr“. Der Knirps sei den „brutalen UV-Strahlungen hilflos ausgeliefert“ gewesen. Die Redaktion ist „fassungslos“. Nun ja.

Die „Neue Freizeit“ braucht nicht mal Fotos. Sie titelt: „Herzogin Kate – Intime Details – Wird sie erpresst mit ihren Tagebüchern?“ Das Blatt behauptet, die „geheimen Tagebücher“ der Herzogin seien plötzlich „verschwunden“. Und weil die Bücher „hochbrisantes Material“ enthielten, habe Kate nun „Angst vor einer Erpressung“, und das Königshaus befürchte „einen Riesen-Skandal“.

Die einzige Quelle für die ganze Geschichte ist allerdings ein nicht näher benannter „Palast-Angestellter“. Und bislang haben wir kein anderes Medium auf der ganzen Welt gefunden, das je über einen derartigen Vorfall berichtet hat. Gut möglich – und sehr wahrscheinlich –, dass sich die „Neue Freizeit“ das alles schlichtweg ausgedacht hat.

Im Grunde also Regenbogenbusiness as usual, auch im Sommerloch. Nur dass sich die Geschichtenerfinder zurzeit ganz besonders wenig Mühe geben, ihre billigen Tricks zu kaschieren. Mats Schönauer

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