Republica 2010 : Im Jetzt, Hier und Nirgendwo

Die Konferenz Republica 2010: Blogger suchen ihren Platz in der Medienlandschaft - und freuen sich auf ein Treffen in der wirklichen Welt.

Janina Guthke
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Immer am Netz: Teilnehmer der Konferenz »re:publica 09« im Friedrichstadtpalast. -Foto: dpa

Und plötzlich kam es zur Katastrophe. Bei der größten Online-Konferenz der Republik saß die Internetelite vor einem Jahr ohne W-Lan da. Das soll sich nicht wiederholen, wenn sich rund 2500 Blogger, Twitter- und Social-Media-Experten ab Mittwoch in Berlin treffen. Die Republica 2010 steht unter dem Motto „nowhere“. Damit soll der Trend zum Echtzeitweb, zum Beispiel Twitter, angedeutet werden, erklärt Mitveranstalter Markus Beckedahl. „Wir befinden uns gleichzeitig im Jetzt und Hier und ebenso im Nirgendwo.“ Das Motto beschreibt aber auch die wachsende Internationalität der Republica und der Blogger-Szene. Redner aus 30 Ländern, darunter auch Entwicklungsländer, sorgen für eine internationale Perspektive.

Bei den rund 154 Veranstaltungen soll auch diskutiert werden, was das Internet für die Gesellschaft bedeutet. Da gibt es verschiedene Ansichten. „Frank Schirrmacher glaubt, wir verblöden alle“, sagt Beckedahl. „An der eigenen Person habe ich das bisher noch nicht festgestellt.“ Wo es hingeht, was die nächsten Trends sind, das kann wohl auch mit den rund 230 Experten, darunter auch bekannte Namen wie Jeff Jarvis („Was würde Google tun?“), nicht vollständig geklärt werden. „Die Panels bilden Diskussionen ab, die wir im Internet schon tiefergehender führen“, erläutert Beckedahl.

Warum in diesem Jahr dennoch 2500 Menschen den Weg nach Berlin auf sich nehmen? Der Charme der Veranstaltung liege darin, die über Blogs, Twitter und soziale Netzwerke geknüpften Freundschaften auf persönlicher Ebene vertiefen zu können, sagt Beckedahl. „Man kennt die Leute, aber man hat sie noch nie wirklich gesehen. Das macht den Reiz aus.“ Außerdem würden sich auf der Republica die Vorreiter der digitalen Gesellschaft treffen.

Das von „newthinking communications“ und dem Spreeblickverlag veranstaltete Forum spiegelt auch immer die aktuellen Probleme und Themen der Online-Szene wider. Bei der ersten Republica im Jahr 2007 trafen sich rund 700 Blogger und diskutierten darüber, ob und wie mit Blogs Geld zu verdienen sei. In den Jahren darauf folgten Kritik an Alpha-Bloggern wie Sascha Lobo und eine Bestandsaufnahme des Zustands der Blogger-Szene in der Republik. Inzwischen geht es bei den Diskussionen im Friedrichstadtpalast, der Kalkscheune und im Quatsch Comedy Club nicht mehr nur um das Bloggen allein. Die Republica 2010 widmet sich den sozialen Medien, der digitalisierten Gesellschaft und einer veränderten Medienlandschaft.

Doch die Frage stellt sich, ob damit die wichtigen Themen der Online-Szene abgedeckt sind. Die Zahl der Blogger steigt, wo es hingehen soll, scheint jedoch unklar. Noch vor wenigen Jahren galten Blogger als Vertreter einer neuen Journalisten-Generation, da sie schneller als traditionelle Medien auf aktuelle Themen reagieren können. Doch der Trend zum Blogger-Journalismus hat sich nicht durchgesetzt, die Szene gilt vielen höchstens als Ergänzung. Haben die Blogger ihren eigenen Anspruch aus den Augen verloren?

Beckedahl will das so nicht stehen lassen: „Vor allem Journalisten haben Blogger zu Journalisten gehypt“, sagt er. Eine Sinnkrise sieht er nicht. Der Großteil wolle sich nur mitteilen und austauschen. Dafür gab es im Jahr 2007 nur Blogs, inzwischen ergänzen Twitter und die sozialen Netzwerke die Möglichkeiten, sich mitzuteilen – und verändern die Welt der Internetnutzer. Dennoch scheint jetzt erst einmal Stillstand vorzuherrschen, als hätte sich die Blogger-Szene am Ende selbst geschlagen. „Wir sind am Anfang einer Entwicklung“, meint Beckedahl dazu. „Die Frage ist jetzt, was wir mit unseren neuen Werkzeugen wie Twitter und den sozialen Netzwerken anfangen.“ Entwicklungen im Internet könne man nur sehr schwer vorhersagen. „Vor ein paar Jahren hätte niemand geglaubt, ein Dienst wie Twitter könnte funktionieren.“

Die deutsche Politik wird durch das Innenministerium und die Netzagentur vertreten sein. Der letzte Vorstoß in Sachen Internet rief bei einem Großteil der Online-Szene Kopfschütteln hervor. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gedroht, sie werde ihre Mitgliedschaft beenden, sollte das soziale Netzwerk seine Datenschutzrichtlinie nicht umgehend überarbeiten. „Da fragt man sich doch, ob sie dem Amt gewachsen ist“, sagt Beckedahl. Vielleicht gelingt es der Republica 2010, zumindest ein wenig zwischen Politik und Online-Szene zu vermitteln.

www.re-publica.de

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