Rückholfunktion von Google Mail : Reiner Selbstschutz

30 Sekunden haben Nutzer von Google Mail die Chance, ihre Post zurückzuholen. Wann werden die anderen Mail-Provider diese vorbildliche Funktion übernehmen?

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Google verdient an der Internet-Werbung prächtig. Besonders das mobile Internet gilt als Markt der Zukunft.
Google verdient an der Internet-Werbung prächtig. Besonders das mobile Internet gilt als Markt der Zukunft.Foto: dpa

Für einige besonders gute Ideen gibt es kein Copyright. Zuletzt hatte der Internetkonzern Google eine solche vorbildliche Eingebung, als er eine Funktion seines E-Maildienstes Gmail vom Test- in den Regelbetrieb übernahm. Gemeint ist die Rückholfunktion für E-Mails. Bis zu 30 Sekunden nach dem Klick auf den Sendenbutton kann es sich der Gmail-Nutzer noch einmal anders überlegen und die Mail zum nochmaligen Bearbeiten, zum Ändern des Adresskopfs oder zum endgültigen Löschen zurückzuholen. Welche Dramen hätten vermieden werden können, wenn es diese Funktion schon früher gegeben hätte!

Tagesspiegel-Medienredakteur Kurt Sagatz.
Tagesspiegel-Medienredakteur Kurt Sagatz.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Tatsächlich wird nicht zurückgeholt sondern verzögert

Wenn man sich die Arbeitsweise der Rückholfunktion, die übrigens nur auf der Webseite funktioniert, genauer ansieht, wird man feststellen, dass der Name im Grunde genommen nicht ganz zutreffend ist. Denn Zurückholen kann man nur etwas, was bereits irgendwo an anderer Stelle angekommen ist – bei einer E-Mail also im Posteingang des Empfängers. Doch so ist es nicht. Es könnte ja sein, dass der Empfänger just in dem Moment in sein Postfach schaut, in dem die Mail eintrudelt. Wenn er sie nun ganz schnell öffnet, hat er den bestenfalls peinlichen Inhalt vielleicht schon gesehen. Jedes Rückholen danach wäre somit vergebliche Liebesmüh. Darum handelt es sich in Wahrheit auch um eine Verzögerung des E-Mailversands, wobei der Gmail-Nutzer zwischen einer Karenzzeit von fünf, zehn, 20 oder 30 Sekunden wählen kann. Erst nach Ablauf dieser Zeit wird die Mail tatsächlich zum Empfänger geschickt. Je nachdem, zu welchem Provider die Mail geht und welche Sicherheitsbarrieren – Anti-Spam-Filter, Schadsoftwarekontrolle – greifen, kann es dann ganz schnell gehen.

Die zentrale Funktion der De-Mail-Initiative ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails, um sicherzustellen, dass kein Unberechtigter mitlesen kann. Dass damit die Strafverfolgungsbehörden – nach richterlicher Anordnung – und die Geheimdienste – vermutlich auch ohne Richterentscheid – nicht gemeint sind, versteht sich von selbst. Die Frage ist jedoch, ob sich Initiativen wie diese der Idee der „Rückholfunktion“ nicht anschließen wollen? Oder ganz mutig gefragt: Ist der verzögerte Versand nicht vielmehr eine Funktion, die genauso elementar ist wie die Betreffzeile, sodass jeder Mailprovider seinen Nutzern das Zurückholen anbieten sollte? Bis dahin gibt es einen anderen, sehr einfachen Schutz vor dem vorschnellen Abschicken einer E-Mail: Einfach 30 Sekunden warten, bevor man auf Senden klickt. Diese Idee darf gerne kopiert werden.

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