"Runaway Productions" : Bloß raus aus Amerika

Hollywood bangt um seine Filmindustrie: Wegen der hohen Kosten werden immer mehr Serien und Filme nicht in Kalifornien gedreht.

Tomasz Kurianowicz[New York]
Durch die Lappen gegangen. Die preisgekrönten Serien „House of Cards“ (mit Kevin Spacey und Robin Wright, gr. Foto) und „Breaking Bad“ (mit Bryan Cranston, o. re.) wurden nicht in Kalifornien produziert, sondern in Maryland und New Mexico, steuervergünstigt. Und das kanadische Vancouver freut sich über den Dreh des neuen „Godzilla“-Films. Fotos: dpa
Durch die Lappen gegangen. Die preisgekrönten Serien „House of Cards“ (mit Kevin Spacey und Robin Wright, gr. Foto) und „Breaking...

In den goldenen 1920er und 30er Jahren galt Los Angeles als jener Ort, an dem die ganze Filmindustrie arbeiten wollte. Es gab Platz, viel Sonne, günstige Studiomieten – perfekte Bedingungen für Dreharbeiten im Vergleich zum engen und dunklen New York. Filmemacher flüchteten massenweise an die Westküste und kreierten eine Zauberwelt, die wir heute als Hollywood kennen. Doch die Produktionsbedingungen haben sich geändert. Hollywood ist übersättigt, teuer, kein guter Standort mehr für eine Industrie, die immer stärker in Bedrängnis gerät. Wer einen Film oder eine Fernsehserie produziert, geht ein hohes finanzielles Risiko ein. Deswegen gibt es immer mehr Produzenten, die das sonnige Hollywood verlassen und an einem günstigeren Ort drehen. Viele Formate werden nicht einmal mehr dort gemacht, wo sie eigentlich spielen. Das Phänomen nennt sich: „Runaway Productions“.

Die US-Bundesstaaten wissen um den Trend und befinden sich im harten Wettbewerb um die Film- und Serienmacher. Immer mehr Bundesstaaten buhlen mit Steuersubventionen um die Kreativen – und natürlich um die begehrten Jobs, die damit ins Land kommen. 40 US-Bundesstaaten werben bereits mit Steuererleichterungen um die Gunst der Produzenten. Dabei ist das Manöver unter Experten umstritten: Geht die Rechnung wirklich auf? Gibt es, neben dem Prestige, irgendeinen ökonomischen Nutzen für die heimische Wirtschaft? Politiker sind sich uneins.

Hart gepokert: Die dritte Staffel von "House of Cards" liegt auf Eis

„House of Cards“ ist da ein gutes Beispiel. Der Bundesstaat Maryland hat den Produzenten der renommierten Fernsehserie mit Kevin Spacey zur ersten Staffel elf Millionen Dollar Steuervergünstigungen garantiert. Im zweiten Jahr waren es sogar 15 Millionen. Man rechnete sich aus, dass die Serienmacher, sobald sich die Show als Erfolg herausstellt, in Zukunft unter normalen Bedingungen produzieren würden und folglich an das Land Steuern bezahlen. Aber falsch gedacht. Zur dritten Staffel, die jetzt gedreht werden sollte, verlangten die Produzenten trotz des Erfolgs erneut 15 Millionen Dollar. Dagegen votierten die Abgeordneten von Maryland, da sie befürchten, dass die Subventionsspirale niemals enden werde. Und wie antworten die Serienmacher darauf? Sie drohen damit, den Bundesstaat zu verlassen. Der Produktionsbeginn von „House of Cards“, Staffel drei, wurde vorerst bis Juni auf Eis gelegt.

Es geht aber auch noch drastischer. Immer mehr Serien- und Filmemacher kehren den Vereinigten Staaten ganz den Rücken. Viele Länder, darunter auch Deutschland, werben mit saftigen Steuervergünstigungen und mit Zuschüssen aus Film- und Fernsehfonds. Die Technik ist mittlerweile so reif geworden, dass der Produktionsort für eine TV-Produktion keine so große Rolle mehr spielt.

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