Rund-um-die-Uhr-Verwertung : Donald macht die Ente reich

Wie der Berliner Egmont Ehapa-Verlag und die Kölner Ehapa Comic Collection das Universum des Duck-Clans durch eine clevere Recycling-Strategie immer wieder neu erfinden – und vermarkten

Andreas Kötter

Internet und iPad haben der Welt der Print-Produkte gerade noch gefehlt. Wer nicht mit der Zeit geht und auf App macht, den bestraft vielleicht schon bald der Leser. Nur im Parallel-Universum Entenhausen macht man sich keine Sorgen, dass die Abenteuer von Donald, Dagobert, Micky und Co. von den Kiosken oder aus den Buchhandlungen verschwinden könnten. Im Gegenteil: Die Entenhausen-Storys, die in Deutschland für das Presse-Grosso im Berliner Egmont- Ehapa-Verlag und für den Buchhandel in der Kölner Ehapa Comic Collection (ECC) erscheinen, boomen.

Immer neue Publikationen „erfinden“ die deutschen Töchter des skandinavischen Medien-Riesen Egmont (Umsatz 2010: 1,42 Milliarden Euro). Der Clou: Die Verpackung ist neu, die Inhalte sind es nur zum Teil. Jörg Risken, Geschäftsleitung Disney bei Egmont Ehapa, betont zwar, dass man auch in Berlin davon ausgehe, „dass sich ein Teil der Leser in Richtung digitaler Geräte verlagern wird“. Bis zum Sommer wolle man daher den Launch beispielsweise der „Micky Maus“ für das iPad umsetzen. Die ist seit 60 Jahren das Rückgrat des Ehapa-Geschäfts, das nach wie vor aber auf den gedruckten Mäusen und Enten basiert. In Deutschland allerdings erzielen Donald & Co. deutlich höhere Sympathie- und Verkaufswerte als der Nager.

Nur wenig jünger als die wöchentlich erscheinende „Micky Maus“ sind „Die tollsten Geschichten von Donald Duck“. Bei etwa 25 000 Exemplaren liegt die verkaufte Auflage des Monatsheftes, das neue und bereits veröffentlichte Geschichten bringt. Und auf der nächsten Ebene der Verwertungskette ergänzt wird durch „Die tollsten Geschichten von Donald Duck – Spezial“. „Line-Extender“ nennt Chefredakteur Peter Höpfner diese je nur einem Zeichner gewidmeten Sonderbände im besten Marketing-Deutsch. Dazu kommt noch eine limitierte, nur komplett erhältliche Faksimile-Edition der ersten 50 Nummern. Nicht nur angesichts des Kaufpreises von 450 Euro ist das Gewinnmaximierung ganz im Sinne eines Dagobert Duck. Übertroffen nur noch vom „LTB“, wie Fans „Das Lustige Taschenbuch“ nennen, das seit 1967 erscheint. „Wir erreichen damit zwei Zielgruppen“, sagt Chefredakteur Höpfner, „zum einen die Kids bis 13, 14. Zum anderen junge Männer von 18, 19, die wieder einsteigen, wenn sie die sogenannte Comic-Versorgungslücke oder Pubertät überwunden haben.“ Die Hälfte der durchschnittlich 230 000 „LTB“-Käufer seien Erwachsene, die man 13 Mal jährlich mit stets neuen Comics versorge.

Diese Geschichten sind ein nahezu unerschöpfliches Reservoir für Nachdrucke in Sonderreihen, wie das monothematisch angelegte „LTB-Spezial“, die „LTB-Sonderedition Micky“ und die sich ebenso selbst erklärende „LTB-Entenedition“. Dazu kommen noch die auf die Jahreszeit bezogenen Ausgaben „LTB-Weihnachten“ und, aktuell, „LTB-Ostern“. Überhaupt, beim „Lustigen Taschenbuch“ scheint die Verwertungsmaschine auf höchsten Touren zu laufen. So gibt es das in glänzendem Schwarz gehaltene „LTB-Premium“, „das uns erlaubt, Geschichten primär für Erwachsene zu erzählen, für die in den anderen LTB-Produkten kein Platz ist“, sagt Chefredakteur Höpfner. „Gute Erfahrungen“ habe man diesbezüglich bereits mit der „LTB-Collection“ gemacht, in Fan-Kreisen längst als „Herr der Ringe aus Entenhausen“ geadelt. „Diese Sonderreihen liegen pro Band bei einer verkauften Auflage von 70 000 bis 90 000 Stück, die Albenformate bei 25 000 Stück“, sagt Risken. Zu Umsatz und Gewinn wolle er aber „lieber nichts sagen“. Um die Schmerzen beim Doppel- und Dreifachkäufer zu lindern, enthalten die Ableger-Produkte rund um das „LTB“ zu etwa 70 Prozent neues Material. Klar ist: Das große Geld wird in Berlin, beim Egmont-Ehapa-Verlag, verdient. „Wir bedienen einen Massenmarkt“, sagt Chefredakteur Höpfner.

Wie perfekt der wechselseitige Austausch der Inhalte zwischen Berlin hier und Köln dort funktioniert, zeigt aktuell die „Donald – Entenhausen-Edition“, die in Albenform Storys des geistigen Vaters aller Enten, Carl Barks, an den Kiosk bringt. Eine Art Volksauflage der klassischen „Carl Barks-Library“ sei das, sagt Höpfner. Tatsächlich bietet sich gerade das Werk von Barks zum Enten-Recycling in Reinkultur an.

Gab es die „Barks Library“ in der Ehapa Comic Collection zunächst in weit über 100 Bänden ebenfalls als Album, entschloss man sich Ende der 90er Jahre, mit der hochwertigen, 17 Bände umfassenden Hardcover-Reihe „Barks – Comics & Stories“ die bis dahin ultimative Barks-Edition herauszugeben. Die aber auch längst schon wieder Geschichte ist. Denn mit der nur komplett beziehbaren „Barks Collection“, verteilt auf zehn Schuber, hat die Werkschau ihren wohl finalen Höhepunkt erreicht – zum stolzen Preis von 1500 Euro.

Diese Methode, längst publiziertes Material immer wieder in neuer Verpackung auf den Markt zu bringen, ärgert Sammler, die zuvor in eine der anderen Editionen investiert haben. „Mit Goethe macht man das seit Jahrhunderten“, rechtfertigt sich Wolfgang Stegmaier, bei der Ehapa Comedy Collection in Köln der zuständige Chefredakteur für Disney-Comics. Er könne aber „die Enttäuschung einiger Leser nachvollziehen“. Andererseits sei das die einzige Möglichkeit, solche Klassiker dauerhaft lieferbar zu machen.

Für den legitimen Barks-Erben, Don Rosa, kündigt Stegmaier eine ähnliche „Collection“ an. Auch Rosas Storys sind bisher auf viele Publikationen verstreut, wie beispielsweise den Prachtband „Onkel Dagobert. Sein Leben, seine Milliarden“, mit einer verkauften Auflage von 25 000 Stück das Highlight der ECC. Rosa und andere Zeichner finden sich auch in der 20-bändigen „Hall of Fame“. Wie das Berliner Pendant, „Die tollsten Geschichten von Donald Duck – Spezial“ widmet sich jedes Buch jeweils nur einem Disney-Künstler. Und auch die „LTB“ finden in Köln ihr Gegenstück. In den „Enthologien“, die Stegmaier angesichts der 400 Seiten starken Hardcover-Ausführung als „kleine Ziegelsteine mit LTB-Material“ bezeichnet, „die auch im Buchregal eine blendende Figur machen“.

Noch imposanter ist wegen des Din-A- 3-Formats „Ich, Donald Duck“. Das Coffee Table Book in magischem Schwarz ist ein Schmuckstück, aber eins mit alten Geschichten. Funkelnagelneu dagegen ist der „Stadtführer Entenhausen“, der – inklusive faltbarem Stadtplan – das Portfolio abrundet. Eine komplette Ehapa-Eigenproduktion, die es nur in Deutschland gibt. Im Donald-Duck-Verwertungsuniversum eine rare Kostbarkeit.

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