Medien : Russen in Berlin, Bücher in Frankfurt

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Mehr als 100000 Russen leben mittlerweile in Berlin. Manchmal haben sie eine schlechte Presse, aber meistens hört man gar nichts von ihnen. Obwohl es heute an jeder dritten Ecke einen dieser russischen Spezialitätenläden gibt, mit Wodkaflaschen, Kaviar und Matrjoschka-Puppen im Schaufenster. „Ach, das ist eine lange Geschichte“ heißt ein Feature von Jurij Ginsburg, das über die Berliner Russen erzählt. Ein akustischer Streifzug durch eine lebendige, sehr widersprüchliche Gemeinde. Ähnelt die Situation den 20er Jahren, als Charlottenburg fest in russischer Hand war? Oder ist heute alles ganz anders? Ginsburg hat die Berliner Russen gefragt (Kulturradio, 19. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Im KaDeWe ist seit kurzem der reine Luxus ausgebrochen. Das Warenhaus hat sich von allen durchschnittlichen Konsumgütern losgesagt und bietet ausschließlich gehobene Lebensart feil. Erlebnis-Shopping für betuchte Lifestyle- Athleten heißt die Strategie, mit der man die Zukunft des Hauses sichern möchte. In Jochen Racks Feature „Kathedralen des Konsums“ geht es um den Überlebenskampf der großen europäischen Warenhäuser. Der Autor hat sich in Paris, London, München und Berlin umgehört. Er trifft Manager, Architekten und Dekorateure. Was braucht ein Warenhaus, um im 21. Jahrhundert zu bestehen?(Deutschlandfunk, 21. Oktober, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz)

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Die Frankfurter Buchmesse hat begonnen. Das große Betriebsfest der Literaturbranche, der leicht hysterische Tanz des Distributionsapparates um sich selbst. Es geht um Geschriebenes und Gehörtes, um alte analoge gedruckte und neue digitale gepresste Medien, die sich mitunter ergänzen, sich im Zweifel aber inzwischen harte Konkurrenz machen. Schließlich ist viel vom Verdrängungswettbewerb zu hören, denn die Buchhändler leiden unter dem Internet. Fest steht jedenfalls: Wer mit der Mode geht, interessiert sich in diesen Tagen für Bücher. Der gemeine Radiohörer darf sich auf die alljährliche „ARD-Radionacht der Bücher“ freuen. Vier Stunden lang geht es um die Literatur im Allgemeinen und die Erzeugnisse des Gastlandes Korea im Besonderen. Dichter und Denker aller Zungen drängen sich in Frankfurt vor Live-Mikrofonen (Kulturradio, 21. Oktober, ab 20 Uhr 05).

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Die Schiller-Verächter nennen das Werk des Weimarer Meisters gern ein wenig opernhaft. Besonders in den frühen Dramen rangiere der melodramatische Effekt eindeutig vor psychologischer Glaubwürdigkeit. Was den Realisten zum Ärgernis wird, war für Opernkomponisten meist besonders attraktiv. „Eine gewisse musikalische Gemütsverfassung“ überschreibt Uwe Friedrich seinen Themenabend, der Schillers Beiträgen zur Operngeschichte gewidmet ist. Viele illustre Komponisten haben Opern nach Schillers Dramen geschaffen. Ein Reigen, der mit Verdi beginnt und mit Tschaikowski lange nicht endet. Friedrich präsentiert große Musik, selten gehörte Raritäten und Nummern, die heute zu Recht vergessen sind (Deutschlandradio Kultur, 22. Oktober, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Ist Autismus eine seelische Krankheit wie andere auch? Oder doch eine Art heiliger Wahn? Rosemarie Mieders und Gislinde Schwarz’ Feature „Innerweltlich unerhört finde ich den Ort“ erzählt von zwei autistischen Zwillingsbrüdern aus Potsdam. Lange haben sich die Autorinnen um die beiden jungen Männer bemüht, aber die Mauern der Isolation waren unüberwindbar. So haben sie mit den Eltern gesprochen, mit Mitschülern, Lehrern, den betreuenden Behörden. Dank enormer familiärer Mühen, staatlicher Großzügigkeit und Toleranz der Mitschüler konnten die beiden Autisten an einem normalen Gymnasium Abitur machen. Ohne je gesprochen zu haben. Nun studieren sie Philosophie. Vielleicht wird man eines Tages von ihnen hören, zumindest im übertragenen Sinne. Bis dahin erzählt dieses hörenswerte Feature von ihrem Schicksal (Kulturradio, 23. Oktober, 14 Uhr 04).

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