Medien : Sartre, Simone und Sommer

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Im Pariser „Café Flore“ sollen noch immer die Doppelgänger sitzen. Alte Männer, die ein bißchen aussehen wie Sartre. Das erinnert an die mythische Faszinationskaft, die die Intellektuellen im Westen einmal besaßen. Mittlerweile ist die Welt nüchterner geworden, der Intellektuelle gilt als Dienstleister auf den Märkten wie andere auch. Da kommt Jean-Paul Sartres 100. Geburtstag gerade recht, um noch einmal an den versunkenen Glanz zu erinnern. Zum Jubiläum ist Sartre präsent auf allen Kulturwellen. Aus der Fülle empfehlen wir das Feature „In Freiheit leben“ von Brigitte Röttgers und Detlef Michelers. Eine kluge Bilanz von Leben und Werk des französischen Denkers. Die Axiome seiner Philosophie, die künstlerische Arbeit, die zentralen Episoden einer politischen Biografie (Kulturradio, 15. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Sartre hat auch Theaterstücke geschrieben, die im Nachkriegseuropa viel gespielt wurden. „Geschlossene Gesellschaft“ war so ein existenzphilosophischer Dauerbrenner. Im Jahr 1949 wurde das Drama beim Nordwestdeutschen Rundfunk als Hörspiel produziert. Jean Paul Sartres Vision einer zeitgenössischen Hölle. Drei Personen sind in einem gutmöblierten Salon eingesperrt. Ein Feigling, eine Lügnerin, eine Person mit unsicherer sexueller Identitäät. Kein Jenseitspanorama, bloß eine abgeschlossene soziale Situation. Mühelos macht man sich gegenseitig das Leben zur Hölle (Deutschlandfunk, 18. Juni, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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Der Beziehung zwischen Sartre und Simone de Beauvoir widmet sich Walter van Rossums Dokumentarhörspiel „Die Liebe ist eine Baustelle“. Eine erhellende Zitatencollage aus autobiografischen Schriften des Traumpaars, untermalt mit französischen Chansons. Fünfzig Jahre lebten Sartre und Simone eine öffentliche Affäre, die scheinbar alle Paradoxien des Liebens außer Kraft setzte. Man liebte einander inniglich, aber jeder durfte Sex haben, mit wem und wann immer er wollte. Man brauchte einander bedingungslos, aber siezte den anderen aus Respekt vor dessen Persönlichkeit. Eine wirklich bizarre Geschichte, zwischen metaphysischem Experiment und schwülem Intellektuellenporno (Deutschlandfunk, 21. Juni, 20 Uhr 10).

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Wer nach so viel philosophischer Lebenskunst Appetit auf simplere Genüsse verspürt, sei auf einen tollen Konzertmitschnitt verwiesen. Vor knapp dreißig Jahren spielten Led Zeppelin im New Yorker Madison Square Garden die Songs ihres Doppelalbums „The Song Remains The Same“. Eine legendäre Veranstaltung, vielleicht sogar die Geburtsstunde des modernen Hardrock (Deutschlandradio Kultur, 15. Juni, 20 Uhr 03, UKW 89,6 MHz).

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Erinnern Sie sich noch an Ron Sommer? Das war der Telekom-Boss mit den markanten Zügen. Ein Visionär des Neuen Marktes und charismatischer Repräsentant einer neuen Manager-Kaste. Sommers Volksaktie schien Geld für alle herbeizaubern zu können. Aber das Glück, so könnte man kalauern, währte nur einen Sommer. Die Geldvermehrung verwandelte sich in ihr Gegenteil, Sommer wurde zum Buhmann der Nation. Walter Filz hat Aufstieg und Fall des Managers in einem spannenden Hörspiel dokumentiert. Im Juli 2002 trat Sommer von seinem Chefposten zurück. Wurde er gestürzt? Stürzte er sich selbst? „Spekulation Sommer“ verspinnt Fakten und Vermutungen zu einer modernen Tragödie (SWR 2, 19. Juni, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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