Medien : Schnäppchen nach dem Schnappschuss

Papierabzüge von Digitalfotos werden immer preiswerter – vor allem, wenn man etwas Geduld mitbringt

Kurt Sagatz

Wenn es nach den Herstellern von Computern und Multimedia-Systemen geht, verlassen digitale Fotos so gut wie nie die virtuelle Welt der Bits und Bytes. Entweder betrachtet man die Urlaubsaufnahmen gleich am PC oder Laptop oder man brennt sie auf CD, um sie dann in gemütlicher Runde über den DVD-Player auf dem Wohnzimmer-Fernseher abzuspielen. Doch wer hat schon immer sein Notebook dabei oder gar den Fernseher? Doch nicht nur aus praktischen Gründen sind auch in der Digitalfotografie echte Papierbilder oftmals die bessere Wahl. Auch die Dauerhaftigkeit der Fotos spielt eine Rolle. Denn wer weiß schon, welche Speicherformate in zehn oder 20 Jahren noch gelesen werden können? Und ob sich die CD nicht bis dahin in Wohlgefallen aufgelöst hat?

Natürlich kann man sich gegen diesen Datenverlust schützen, durch regelmäßiges Umkopieren und Konvertieren in die jeweils aktuellen Formate. Doch wer macht das wirklich? Da Bilder auf echtem Fotopapier einen unvergleichbaren optischen Genuss bieten, spricht also viel dafür, gerade jene Auswahl der schönsten Erinnerungen professionell abziehen zu lassen. Sicher, man kann die Fotos auch daheim auf einem der hervorragenden Fotodrucker zu Papier bringen. Das kostet allerdings. Die Zeitschrift „tomorrow“ hat ausgerechnet, dass je Bild in der Größe 10 x 15 Zentimeter rund 65 Cent zusammenkommen. Zudem ist es sicherlich nicht jedermanns Sache, 30, 50 oder gar 100 Urlaubsfotos am Computer zu bearbeiten und auszudrucken.

Der sicherlich komfortabelste Weg, zu seinen Papierabzügen zu kommen, führt über die verschiedenen Online-Bilderdienste wie von Schlecker, Media Markt, Quelle oder Pixum. Doch gerade die galoppierende technische Entwicklung bei den Digitalkameras macht dieses Verfahren schnell zum kostspieligen Vergnügen. Selbst bei einer DSL-Verbindung, bei der die Fotos mit doppelter ISDN-Geschwindigkeit zum Foto-Dienstleister übertragen werden, benötigt jedes Foto einer 3-Megapixel-Kamera mindestens eine Minute. Je besser die Auflösung der Kamera, desto länger dauert der Transfer. Zudem verfügt längst nicht jeder Internet-Nutzer über einen DSL-Anschluss, geschweige denn über eine Flatrate. Wer nur analog über Modem ins Netz geht, für den scheidet die Online-Entwicklung somit inzwischen von selbst aus.

Als Alternative zu Drucker oder Online-Dienst kommen darum auch verstärkt die stationären Bilderdienste zum Einsatz. Ob jetzt Drogerie-Ketten wie Schlecker oder Rossmann, Elektromärkte wie Saturn oder Media Markt oder der klassische Fotofachhandel: Sie alle haben sich auf die Bedürfnisse der Digital-Fotografen eingestellt. Tests verschiedener Fachzeitschriften haben dabei ermittelt, dass die Qualitätsunterschiede inzwischen vernachlässigbar sind. Preis, Service und Extras sind heute die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. Welche Speicherkarte verwendet wird, spielt keine Rolle mehr, alle gängigen Formate wie SD, CompactFlash, MemoryStick etc. werden genauso akzeptiert wie CDs mit einem Zettel für die Wunschbilder. Bei einer 3-Megapixel-Kamera passen bis zu 650 Bilder in normaler Qualität auf eine CD-ROM, bei einem 5-Megapixel-Gerät sind es hingegen nur 350 bis 400 Fotos. Teilweise kann der Kunde die Wahl sogar selbst im Geschäft an einem Terminal vornehmen, allerdings gefällt es längst nicht jedem, wenn dabei seine privaten Schnappschüsse öffentlich zu sehen sind. Zudem sind die Terminals unterschiedlich ausgestattet: Einige Geräte erlauben nur den Transfer der Bilder von der CD oder der Speicherkarte sowie die Auswahl der gewünschten Fotos. Andere Terminals bieten zusätzliche Optionen beispielsweise zur freien Wahl des Ausschnitts. Auch individuelle Korrekturen von Helligkeit, Kontrast, Farbintensität sind an diesen Terminals oft möglich, benötigen jedoch Zeit.

Vor allem jetzt, nach dem Ende der Sommerferien, werben in Berlin eine Reihe von Foto-Dienstleistern mit extremen Niedrigpreisen. Die ohnehin sehr preisaggressiven Drogerieketten Schlecker und Rossmann, aber auch Saturn haben entsprechende Niedrigpreise im Angebot, allerdings immer nur für ausgewählte Bildformate. Neun Cent für ein 10 x 15-Bild bei Rossmann oder ein 9 x 13-Foto bei Saturn sind schon eine kleine Sensation. Allerdings gelten diese Preise nur, wenn man etwas Geduld aufbringt, denn der normale Abzug benötigt zwischen zwei und vier Werktage.

Es geht freilich auch viel schneller. Bis auf die Drogerien und Wegert bieten alle Dienstleister in unserer Auswahl auch den Express-Service, bei dem man die fertigen Bilder bereits nach einer halben bis zu einer Stunde in der Hand hält. Diesen Dienst lassen sich die Firmen allerdings einiges kosten. Zwischen 25 und 40 Cent werden je 10 x 15-Bild fällig, zusätzlich zu den festen Gebühren, die zumeist je Datenträger erhoben werden.

Für ambitionierte Hobby-Fotografen, die zwar auch an den Geldbeutel denken, aber vor allem Wert auf die Individualität des eigenen Fotos legen, eignen sich hingegen nur Dienstleister, die Fotos bei der Belichtung nicht automatisch in Helligkeit, Kontrast oder Gamma-Wert korrigieren. Wer möchte, dass sein mühsam am Computer bearbeitetes Foto auch auf dem Abzug noch so aussieht wie auf dem Bildschirm, sollte sich einen Anbieter aussuchen, der auf Korrekturen ganz verzichtet beziehungsweise diese nur als Option anbietet.

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