Medien : Schön sein und Schweigen

Tom Peuckert

Wer in den letzten 25 Jahren öfter in Diskotheken war, ist an Depeche Mode nicht vorbeigekommen. Intelligente synthetische Musik, die auf der Tanzfläche keine Wünsche offen ließ. Ein Sound, der tatsächlich unverkennbar war. Fans, die heute nicht in die Waldbühne pilgern, dürfen wenigstens beim Deutschlandradio in froher Nostalgie schwelgen. Die Reihe „In Concert“ präsentiert einen legendären Auftritt. Auf ihrer ersten Welttournee 1988 kam nach hundert erfolgreichen Konzerten Konzert „101“. Kenner meinen, es sei von allen das beste gewesen (Deutschlandradio Kultur, 12.Juli, 20 Uhr 03, UKW 89,6 MHz).

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Zwischen 1963 und 1965 fand in Frankfurt der so genannte Auschwitz-Prozess statt. Das Gericht hörte mehr als 350 Zeugen, die Praxis des Lagers wurde in allen Details erörtert. Autor Ronald Steckel hat die Tonbandprotokolle des Prozesses zu einer Collage montiert. Ein Werk der Kunst, das den Zeugnissen des tatsächlichen Grauens nachlauscht. Unter dem Titel „Aktenzeichen 4 Ks 2/63“ kann man eine Radio-Nacht lang in die Schreckenskammern der deutschen Vergangenheit hinabsteigen (Deutschlandradio Kultur, 15. Juli, 0 Uhr 05).

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Handlungsort des Hörspiels „Die Wolfshaut“ , nach dem gleichnamigen Roman von Hans Lebert , ist ein Provinzkaff in Österreich während der frühen 50er. Ausgerechnet Schweigen heißt das Dorf, und natürlich ist der Name kein Zufall. Eine Serie mysteriöser Morde lehrt die Dorfgemeinschaft das Fürchten. (Deutschlandfunk, 15. Juli, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz; Teil 2 am 22. Juli).

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Von zwei großen Frauenkarrieren erzählt Conny Frühaufs Feature „Im Namen der Schönheit“ . Helena Rubinstein und Elizabeth Arden kamen beide im späten 19. Jahrhundert zu Welt. Als junge Frauen zogen sie in die Fremde, um ihr Glück zu suchen. Sie fanden es in einer Form des Unternehmertums, die man sich bis dahin nur bei Männern vorstellen konnte. Arden und Rubinstein waren klassische Selfmade-Women, die erfolgreiche Kosmetik-Imperien begründeten. Conny Frühauf erzählt ihr kulturhistorisch interessantes Leben (Kulturradio, 16. Juli, 14 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

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Der Dokumentarfilmer Andres Veiel ist tief in die Uckermark gefahren. In das Dörfchen Potzlow, dessen trauriger Ruhm sich der Gewalt verdankt. Ein 16-Jähriger wird zu Tode geprügelt, die Täter haben das gleiche Alter, der Anlass ist nichtig. Veiel hat in Potzlow mit vielen gesprochen. Mit Jugendlichen und mit denen, die sich um Jugendliche kümmern sollen. Mit den Tätern und mit Angehörigen des Opfers. Aus dem dokumentarischen Material ist nun auch ein Hörspiel geworden. Wer in das dunkle Herz der Uckermark hinabsteigen möchte, dem sei Veiels Recherche „Der Kick“ empfohlen (SWR 2, 16. Juli, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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